Ziel ist eine private Stemweder Gesamtschule – Satzung wird vorgestellt
Eltern gründen eigenen Trägerverein

Stemwede (WB). Nach dem Scheitern der INI-Gesamtschulpläne ergreifen Stemweder Eltern und ihre Unterstützer jetzt selbst die Initiative. Sie gründen so schnell wie möglich einen gemeinnützigen Verein, der als potenzieller Träger einer privaten Gesamtschule in Stemwede auftritt.

Freitag, 10.06.2016, 13:40 Uhr aktualisiert: 10.06.2016, 13:47 Uhr
Die Initiatoren wollen einen Verein gründen, der sich für die Sicherung des Schulstandorts Wehdem einsetzt. Foto: Dieter Wehbrink
Die Initiatoren wollen einen Verein gründen, der sich für die Sicherung des Schulstandorts Wehdem einsetzt. Foto: Dieter Wehbrink

Ziel ist es, angesichts des drohenden Stemweder Schülerschwunds den Schulstandort Wehdem dauerhaft zu sichern. Favorisiert wird hierfür nach wie vor die private Gesamtschullösung mit der Möglichkeit zum Abitur. Während der jüngsten Zusammenkunft im Life House nannten die Initiatoren um Ratsmitglied Jürgen Lückermann (FWG) und Melanie Gutt im Life House die nächsten Schritte. So bereitet der bislang »lose« Elternstammtisch, an dem auch Lokalpolitiker und Vertreter des Vereins für Jugend, Freizeit und Kultur (JFK) teilnehmen, die Vereinsgründung vor. Dieser Zusammenschluss solle den Namen »Bildung für Stemwede« oder ähnlich bekommen. Er könnte als designierter Trägerverein einer Gesamtschule offiziell Rechtsauskünfte einholen, um sein Ziel zu verwirklichen.

Genug Mitglieder für Gründung

Am Donnerstag, 16. Juni, soll von 19.30 Uhr an im Life House der Satzungsentwurf vorgestellt werden. Dazu sind alle Eltern – vor allem von Grundschul- und Kita-Kindern – sowie interessierte Bürger willkommen. Die Vereinsgründung erfolgt am 22. Juni von 20 Uhr an im Life House. Auch dazu ist die Öffentlichkeit eingeladen. »Die Gründung ist für uns kein Problem«, sagte Jürgen Lückermann. »Dazu brauchen wir die Mindestzahl von sieben Mitgliedern – und die bekommen wir locker zusammen.«

Er betonte, dass aus seiner Sicht eine private Gesamtschule nach derzeitiger Gesetzeslage die einzige Möglichkeit sei, um weiterführenden Schulunterricht in der Gemeinde langfristig zu sichern. Zwar gebe es die Möglichkeit, dass das Land die Mindestschülerzahlen per Gesetz senken könne, doch hierfür sehe er keinerlei Anzeichen und glaube auch nicht daran, sagte der FWG-Ratsherr. Der geplante Verein solle aber »kein Gegenverein zur Sekundarschule sein«, erklärte Lückermann.

»Wir blicken nach vorn«

Die Initiatoren wollen sich nicht damit zufriedengeben, dass die Gesamtschulpläne mit der INI gescheitert sind. »Wir blicken aber nicht zurück, sondern nach vorne«, beteuerten Stammtischteilnehmer, unter ihnen auch Ratsfrau Brigitte Höger-Allhorn (CDU).

Auch Ratsherr Theodor Frenzel (CDU) aus Dielingen befürwortet eine private Gesamtschule. Während des Elternstammtischs plädierte er aber dafür, bei der Frage der Trägerschaft »für alle Lösungen offen zu sein und nicht von vorne herein potenzielle Träger auszuschließen«. Er selbst macht keinen Hehl daraus, dass er sich einen christlichen Trägerverein – ähnlich wie bei der Freien Evangelischen Grundschule in Oppendorf – vorstellen kann (wir berichteten).

Lars Schulz (Life House) meinte allerdings, ein potenzieller Träger müsse »vor allem offen für Stemwede sein, alle Stemweder gleichbehandeln und sich klar mit unserer Gemeinde identifizieren«.

Kritik an der Bezirksregierung

Die Bezirksregierung hatte argumentiert, die Gemeinde Stemwede selbst habe die Initiative zur Gründung einer privaten Gesamtschule betrieben. Dies dürfe jedoch nur durch Privatpersonen oder nichtöffentliche Institutionen erfolgen. Die Elternstammtisch-Teilnehmer kritisierten diese Haltung. Für sie stehe fest, dass die Bezirksregierung unter allen Umständen eine private Gesamtschule in Stemwede verhindern wollte, hieß es. Andernfalls hätten sich am Beispiel Stemwedes viele andere ländliche NRW-Kommunen mit zurückgehenden Schülerzahlen orientiert und auf private Gesamtschulen gesetzt. Eine Privatschule darf mit weitaus weniger Schülern betrieben werden als eine öffentliche. Die Bezirksregierung habe die öffentlichen Schulen schützen wollen, doch jetzt wollten die Stemweder Eltern selbst die Initiative ergreifen.

Lars Schulz bemerkte am Rande, »die Abwehrstrategie« aus Detmold sei dort »verdammt geschickt gemacht worden, auch wenn die Bezirksregierung aus rechtlicher Sicht mit Platzpatronen geschossen hat«.

»Die Bürger wachrütteln«

Die Anwesenden betonten, man müsse die Stemweder Bürger intensiver als bisher darüber aufklären, welche dramatischen Folgen sich für die Gemeinde ergeben könnten, wenn man nichts unternehme. Ohne eine weiterführende Schule, die in Wehdem bei unveränderter Weiterführung laut Jürgen Lückermann aufgrund schwindender Schülerzahlen schon ab 2018/2019 Probleme bekommt, habe Stemwede keine Zukunft.

Die Anwesenden befürchteten schwindendes Zuzug-Interesse von auswärtigen Eltern, Konsequenzen für die Arbeitsplätze und ein Wegbrechen des öffentlichen Nahverkehrs.

»Die Tragweite des Schul-Problems muss in die Köpfe aller Stemweder Bürger hinein«, sagte Stammtisch-Teilnehmer Ulrich Kettler. »Die Brisanz dieses Themas ist dort noch nicht angekommen.«

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