Touristen fühlen sich von Insekten auf Dümmerdeich belästigt – Tierchen stechen nicht
Mücken-Plage freut nur die Schwalben

Hüde/Stemwede (WB). Wer in diesen Tagen auf dem Dümmerdeich spazieren geht oder mit dem Rad fährt, gerät immer wieder mal in eine unangenehme hellweiße »Wolke« hinein. Es sind Millionen von kleinen Insekten, die dort in Schwärmen auf­treten.

Donnerstag, 16.06.2016, 14:03 Uhr aktualisiert: 16.06.2016, 14:39 Uhr
Die Schwalben, die am Dümmer unter anderem in den Vogelbeobachtungstürmen am See nisten und Jungtiere aufziehen, sind die Nutznießer der Insektenplage. Sie können ihren Nachwuchs mit den kleinen Mücken füttern. Foto: Martin Nobbe
Die Schwalben, die am Dümmer unter anderem in den Vogelbeobachtungstürmen am See nisten und Jungtiere aufziehen, sind die Nutznießer der Insektenplage. Sie können ihren Nachwuchs mit den kleinen Mücken füttern. Foto: Martin Nobbe

Die Mücken-Invasion sorgt zurzeit für Aufsehen. Wenn sich diese Tierchen, die nur wenige Tage leben und nicht stechen, in Bewegung setzen, dann ist das – aus einigem Abstand betrachtet – ein faszinierendes Schauspiel. Es handelt es sich um so genannte Zuckmücken, eine Schwarmmückenart. Ihren Namen verdanken sie der Eigenschaft, dass sie auch in Ruhe stets zuckende Bewegungen der Vorderbeine durchführen. Ihr wissenschaftlicher Name lautet Chironomidae (Klassifizierung: Culicomorpha). Weltweit soll es 5000 Arten dieser Tiergruppe geben. Davon sind 570 Arten in Deutschland beheimatet.

Fischbestand hat gelitten

Temperatursprünge oder Gewitterluft können einen Massenschlupf der Zuckmücken auslösen. Um Weibchen anzulocken, bilden die Männchen dann oft riesige Tanzschwärme, die aus Abermillionen Tieren bestehen. Durch das massenhafte Auftreten haben diese Insekten eine große Bedeutung in der Nahrungskette. Mückenlarven stellen zum Beispiel die Hauptnahrung vieler Fische dar oder werden von Schwalben für die Aufzucht ihrer Jungen gefangen. Naturschützer sehen das massenhafte Auftreten der Zuckmücken durchaus auch mit Sorge. Sie befürchten, dass der Fischbestand im Dümmer – unter anderem durch die periodisch auftretende Blaualgen-Plage – sehr gelitten hat und sich die Mücken deshalb so vermehrt haben.

So harmlos die Insekten sind, so widerstandsfähig sind sie: Es gibt praktisch kein Gewässer, das nicht mindestens eine Art beherbergt, selbst in heißen Quellen bis über 50 Grad Celsius oder in stark salzhaltigem Wasser wurden sie schon nachgewiesen.

Invastion der kleinen Flugkünstler

Hobbyangler rund um den Dümmer berichten, dass hin und wieder »wie aus heiterem Himmel eine wahre Invasion« der kleinen Flugkünstler losbricht: »Man konnte die Hand nicht vor Augen sehen.« Spaziergänger, Jogger oder Radfahrer bestätigen dies ebenfalls.

Die Mückenplage der harmlosen Art vom Dümmer ist ein Phänomen, das in dieser Region seit Jahren auftritt. So sehr sich auch die Dümmer-Touristen über die kleinen Insekten ärgern mögen – die Vogelwelt im Naturparadies rund um den See freut sich über das üppige Nahrungsangebot. Den Vögeln bringen die Mücken Futter in Hülle und Fülle. Naturschützer bitten in diesem Zusammenhang die Autofahrer, jetzt verstärkt auf die gerade flügge gewordenen Jungvögel achten. Insbesondere Jungschwalben ruhen sich derzeit gern auf den Straßen am Dümmer aus und warten auf die Altvögel, um gefüttert zu werden. Besucher, die das Ochsenmoor mit dem Wagen durchqueren, sollten deshalb Obacht geben.

Touren-Tipps abseits des Dümmer-Ufers

Jessica Weßling, Tourismusmanagerin der Samtgemeinde Lemförde, sagt: »An wenigen Tagen im Frühsommer treten bei bestimmten Wetterkonstellationen die Schwärme punktuell auf. Sie sind völlig ungefährlich und stechen nicht.« Und das Beste an dem Phänomen sei: »So schnell, wie die Zugmücken auftreten, so schnell verschwinden sie auch wieder.«

Da sich die Fischbestände am Dümmer wieder leicht erholt hätten, werde dies die Zahl der Mücken wieder reduzieren, glaubt die Tourismusmanagerin. Auch die Dümmer-Sanierung, mit der unter anderem die gefürchteten Blaualgen verhindert werden sollen, dürfte zur weiteren Reduzierung beitragen, sagte Weßling. Mit der Sanierung soll die Wasserqualität des Sees verbessert werden. Die ist trotz einiger Maßnahmen noch immer nur ausreichend, wie die jüngst veröffentlichte Übersicht der EU zeigt.

Wen die Mücken am See nerven, dem empfiehlt die Tourismusmanagerin einfach, eines der zahlreichen Angebote rund um den Dümmer abseits des Ufers zu nutzen: »Zum Beispiel die speziellen Angebote für Radfahrer. Es gibt allein 20 Tourentipps. Oder einfach mal einen Abstecher zur Wollgrasblüte in den umliegenden Mooren machen.«

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