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Mi., 18.10.2017

Unfall bei Jagd auf Wildschweine in Drohne – Waidmann muss ins Krankenhaus Keiler greift Jäger an: Bein aufgeschlitzt

Wildschwein-Keiler haben furchteinflößende Hauer. Ein solches Exemplar hat in Drohne die Wade eines Jägers aufgeschlitzt. Der Mann musste ins Krankenhaus gebracht werden.

Wildschwein-Keiler haben furchteinflößende Hauer. Ein solches Exemplar hat in Drohne die Wade eines Jägers aufgeschlitzt. Der Mann musste ins Krankenhaus gebracht werden. Foto: dpa

Von Dieter Wehbrink

Stemwede WB). Wildschweine können dem Menschen sehr gefährlich werden. Eine äußerst schmerzhafte Erfahrung hat jetzt sogar ein erfahrener Jäger aus Stemwede machen müssen, der die Wehrhaftigkeit des Schwarzwilds eigentlich bestens kennt.

Der Mann ist bei einer Wildschweinjagd in Drohne von einem Keiler überrascht und angegriffen worden. Das wütende Tier, dass über messerscharfe Hauer verfügt, schlitzte das Bein des Jägers auf. Der Schwerverletzte musste mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden. Dort wurde die klaffende Wunde genäht.

Jagd auf Wildschweine aus fachlicher Sicht dringend geboten

Henrich Meyer zu Wichhausen, Hegeringleiter in Dielingen, schilderte dieser Zeitung auf Anfrage den Vorfall. Weil die Wildschweinbestände stark zugenommen haben, deshalb große Schäden in den Kulturen verursachen und zudem die gefürchtete Afrikanische Schweinepest auf Hausschweinbestände übertragen können, sei eine starke Bejagung aus fachlicher Sicht dringend geboten, erklärte der Haldemer.

Weil sich die Wildschweine tagsüber in hohen Maiskulturen sicher fühlen, postierten sich am Montag in Drohne vier Jäger um ein Maisfeld, während der Häcksler Runde um Runde den Pflanzenbereich so verkleinerte, bis die Schweine ihre Deckung verloren. Tatsächlich erlegten die Jäger auch sieben Exemplare – zwei davon allerdings mit unerwarteten Hindernissen.

Angeschossenes Wild muss tierschutzgerecht vom Leiden erlöst werden

»Eines der Tiere, ein nur 20 Kilo leichtes Jungschwein, wurde nur angeschossen und verschwand in einem Dickicht«, sagte Meyer zu Wichhausen. »Zwei Jäger gingen sofort hinterher, denn wir legen selbstverständlich größten Wert darauf, dass angeschossenes Wild tierschutzgerecht erlöst wird, damit es nicht weiter leiden muss.«

Womit der Schütze nicht rechnete: Im Dickicht befand sich noch ein zweites – deutlich größeres – Wildschwein. Es war ein junger Keiler, mit 70 Kilo zwar längst noch nicht ausgewachsen (150 Kilo-Exemplare sind möglich), aber schon extrem wehrhaft. »Vermutlich war auch dieses Tier angeschossen worden«, glaubt Meyer zu Wichhausen. »Der Keiler griff blitzschnell einen der beiden überraschten Jäger an und schlitzte ihm mit seinen messerscharfen Hauern die Wade auf.« Dem anderen Jagdkollegen, der dem Opfer in wenigen Metern Abstand folgte, gelang es, den tobenden Keiler zu erschießen. Auch das kleinere Schwein wurde erlegt.

Drückjagden sind aus Sicherheitsgründen zu gefährlich

»Solche Unfälle mit Schwarzwild passieren immer wieder mal«, erläuterte der Hegeringsleiter. »Man konnte nicht damit rechnen, dass dieser Keiler im undurchsichtigen Dickicht saß. Normalerweise schickt man in diesem Fall einen Hund vor, doch der Jäger hatte keinen Vierbeiner dabei, und das angeschossene Jungschwein, dass er von seinem Leiden erlösen wollte, war wirklich nicht groß.«

Henrich Meyer zu Wichhausen berichtete, wie schwierig die Bejagung der Wildschweine im Raum Stemwede sei. Die Maisernte biete hier eine relativ effektive Methode – anders als so genannte Drückjagden, bei denen die Schweine mit Hunden und Treibern aus der Deckung gedrängt werden. »Drückjagden können wir in unserer Region mit ihren speziellen Strukturen aus Sicherheitsgründen nicht durchführen«, sagte der Hegeringsleiter. »Es wäre viel zu gefährlich, in der Fläche mit großen Kalibern auf die Schweine zu schießen.«

Jagd vom Hochsitz erfordert viel Sitzfleisch

Außerdem bestehe die Gefahr, dass die so getriebenen Tiere am helllichten Tag über Straßen flüchten und Verkehrsunfälle verursachen würden.

Deshalb gebe es wenig Chancen, den heimischen Bestand richtig effektiv zu bejagen, sagte Meyer zu Wichhausen. Eine Möglichkeit sei noch der zeitraubende nächtliche Ansitz auf dem Hochsitz. Doch die »Schwarzkittel« seien misstrauisch und schlau: »In Jägerkreisen sagt man, dass man pro Kilo Wildschwein etwa eine Stunde auf dem Hochsitz verbringen muss.«

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