>

So., 03.12.2017

Viktor Merkels »Pilzwerk« in Oppenwehe kommt langsam in Gang »Pilze schmecken und können mehr«

Wenn allles funktioniert, wachsen nach etwa sieben Monaten die ersten Austernpilze aus dem Bio-Stroh-Substrat.

Wenn allles funktioniert, wachsen nach etwa sieben Monaten die ersten Austernpilze aus dem Bio-Stroh-Substrat. Foto: Michael Nichau

Von Michael Nichau

Oppenwehe (WB). Bio-Pilze züchtet Dr. Viktor Merkel in seiner Anlage – genannt »Pilzwerk« – auf dem Gelände der ehemaligen Baumschule Bierenriede (heute Concept-G) in Oppenwehe. Der promovierte Biotechnologe hat große Pläne, was hochwertige Pilze und Pilzprodukte angeht.

Seit etwa zwei Jahren werkelt der in Nowosibirsk (Russland) geborene Merkel an seiner Pilzfarm in den von ihm umgebauten Gewächshäusern. Inzwischen konnte er

Viktor Merkel zeigt Shiitake-Pilze. Foto: Nichau

die ersten Ernten auch schon anbieten, hat Imbissstände bei Stemweder Festivals und jüngst beim Lübbecker Wurstmarkt betrieben. Auch auf Märkten möchte er seine hochwertigen Produkte anbieten. »Wir stehen aber erst am Anfang«, sagt der 39-Jährige, der inzwischen einen Mitarbeiter beschäftigt.

Er hatte einst im Keller seiner Uni-Wohngemeinschaft damit begonnen, Speisepilze zu züchten. Hintergrund waren die gesundheitlichen Aspekte der Pilze. »Eine Tante war an Krebs erkrankt und da können Pilze heilende Wirkung entfalten«, berichtet Merkel, der seine Diplom- und Doktorarbeit in molekularer Biotechnologie abgelegt hat. »Eigentlich beschäftige ich mich mit Bakterien. Am Hygieneinstitut in Münster haben wir seinerzeit den EHEC-Schnelltest mit entwickelt«, sagt er.

Lohn und Brot in der Biotechnologie sollte er dennoch nicht erhalten. In diesem Bereich für Großunternehmen tätig zu werden, die etwa Pflanzenschutzmittel vermarkten, komme für ihn nicht in Frage.

Heilfunktion beeindruckt

So sei er auf die Pilze gekommen. »Sie sind in Naturheilverfahren und in der alternativen Medizin interessant. Vieles wird erst jetzt erforscht. Inzwischen kommen die Forscher dahinter, wo die Heilwirkung der Pilze tatsächlich herkommt«, sagt er.

Er baue Austernseitlinge und Shiitake-Pilze an. Beide Sorten hätten eine gute Ausbeute und auch gesundheitliche Aspekte: Der Austernseitling stelle eine hervorragende Alternative zu Fleisch – etwa für Veganer – dar. Die Shiitake-Pilze erzeugen natürliches Vitamin D, das den Menschen in der dunklen Jahreszeit fehle. »Daher kann diese Pilzart auch bei Licht im Gewächshaus gezogen werden.«

Und so kommt der Pilzfarmer in Oppenwehe langsam aus dem Versuchsstadium heraus, möchte seine Produkte regional vermarkten. »Versand scheidet bei frischen Pilzen eigentlich aus«, sagt er. Aus der Not, eben weil Pilze schnell verderben, entstand die Idee, Pilzburger, Pilzkroketten und Pilzbratwurst herzustellen. »Pilzburger-Pattys haben wir schon angeboten. Sie bestehen zu 95 Prozent aus Pilzmasse, werden tiefgefroren und sind damit lange haltbar«, sagt Merkel. Ähnliches gelte für die Kroketten. Neu sei die Entwicklung der Pilz-Bratwurst, die die ersten Kunden beim Lübbecker Wurstmarkt testen konnten. »Das war ein reiner Test, wie das geschmacklich ankommt. Die Konsistenz der Wurst ist noch nicht so, wie ich mir das vorstelle«, erklärt Merkel.

Vermarktungsweg fehlt noch

Für vieles – wie die Forschung und Produktentwicklung – fehle im derzeit einfach die Zeit. So komme die Vermarktung der Produkte zu kurz. »Pilze auf dem Wochenmarkt kommen nicht gut an. Die Kunden kennen sich nicht aus.« Er wolle einen Lieferservice in Richtung Osnabrück und Minden aufbauen, kündigt er an.

Doch: »Die Pilze sind erst der Anfang«, plaudert der Biotechnologe über seine Zukunftsvisionen.

Das »Pilzwerk«, wie er seine Firma nennt, könne als eine Art Kreislaufwirtschaft betrieben werden. »Ein Rad greift in das andere: Pilzsubstrat und Kaffeesatz etwa sind idealer Nährboden für die Züchtung von Regenwürmern, die ihrerseits zur Fischfütterung dienen können. Die Ausscheidungen der Fische wiederum seien hervorragender Dünger für Tomatenpflanzen, die ebenfalls im Gewächshaus gezogen werden können«, erläutert er. »Aquapond« nenne man dieses System.

Doch zunächst einmal müsse durch die Vermarktung der Bio-Pilze Geld hereinkommen. Mit minimalem Aufwand hat Merkel die Pilzfarm eingerichtet. Was ihm fehle seien Kunden in Gastronomie und Einzelhandel sowie ein Investor, der das Projekt voranbringen könne. »Die Höhle der Löwen« bei RTL sei da »eine sekundäre Option«, meinte er.

Am liebsten würde er eine Zucht- und Produktionsanlage in Oppenwehe neu bauen: »Das ist heute noch alles Handarbeit.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5328932?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2516093%2F2198399%2F2516045%2F