Mo., 15.01.2018

Kai Abruszat und Dominique Bougraud halten in Lardy bewegende Reden Städtepartnerschaft soll jetzt mit Leben erfüllt werden

Die Franzosen haben zur Feier der Urkunden-Unterzeichnung extra diese Schilder zusammengestellt.

Die Franzosen haben zur Feier der Urkunden-Unterzeichnung extra diese Schilder zusammengestellt. Foto: Claudia Schaaf-Gendig

Von Dieter Wehbrink

Lardy/Stemwede (WB). Die Gemeinde Stemwede ist mit der französischen Stadt Lady eine Partnerschaft eingegangen. »Die Unterzeichnung dieser Partnerschaftsurkunde ist weit mehr als bloß ein formeller Akt«, sagte Kai Abruszat während der Zeremonie in Frankreich

»Die Unterschriften haben vielmehr historischen Charakter – sowohl für Lardy als auch für Stemwede. Diese Urkunde wollen wir ganz konkret mit Leben füllen. Sie möge Grundlage für die Verbindung unserer beider Kommunen sein.«

Die Partnerschaft diene auch dazu, das Fundament für Begegnungen zwischen Menschen beider Nationen zu bilden. »Es soll für die jetzige und für nachfolgende Generationen gemeinsames, freiwilliges sowie verpflichtendes Band sein«, sagte Abruszat. Der Bürgermeister zitierte den früheren Bundespräsidenten Richard Freiherr von Weizsäcker: »Damit die Zivilisation die Herausforderungen der Zukunft bewältigen kann, muss sie gesellschaftliche Bindungen weiter stets als besonderes Symbol in Ehren halten, das geeignet ist, dauerhaft und sinnstiftend zugleich Verbindungen zu knüpfen sowie Begegnungen zu ermöglichen.«

Abruszat erinnert an den Freundschaftsvertrag von 1963

Die Stadt Lardy gab zu Ehren ihrer Stemweder Gäste auch einen Neujahrsempfang. Hier hielt Kai Abruszat sein Grußwort in französischer Sprache. Fast auf den Tag genau vor 55 Jahren, am 22. Januar 1963, seien es Charles de Gaulle und Konrad Adenauer gewesen, die den Freundschaftsvertrag zwischen Frankreich und Deutschland unterzeichnet hätten, sagte Abruszat.

»Viele von Ihnen kennen vielleicht das berühmte Foto von der Umarmung beider Staatsmänner im Moment des Vertragsschlusses. Diese symbolische Geste ist für mich bis heute ein Musterbeispiel für die Wiederannäherung, Versöhnung und Freundschaft zwischen Ländern, die sich über Jahrhunderte hinweg bis an den Rand der Erschöpfung in tiefster Feindschaft verbunden, bekriegt haben«, sagte Stemwedes Bürgermeister.

Dunkle Kapitel gemeinsamer Geschichte

Es sei die gemeinsame Geschichte beider Völker vor 1945, die immer wieder Verpflichtung sein müsse, die Erkenntnis zu erneuern, dass das Leben in Frieden und Freiheit im Zentrum Europas keine Selbstverständlichkeit sei. »Zeitzeugen von damals gibt es nicht mehr viele. So mahnen uns aber besondere Orte, an die dunklen Stunden und Kapitel der gemeinsame Geschichte zu denken«, sagte Abruszat. »Wer schon einmal einen Soldatenfriedhof besucht hat, weiß, was ich meine.«

Das gezeichnete Bild der Umarmung von de Gaulle und Adenauer bliebe aber unvollendet, wenn sich hieran – auch für die Zukunft – keine substanziellen Verbindungen der Zivilgesellschaften beider Nationen ergeben würden, betonte der Bürgermeister. »So verstanden sind Städtepartnerschaften auch heute eine echte Innovation im besten Sinn. Der gesellschaftliche Austausch zwischen Menschen, Vereinen und Institutionen aus Lardy und Stemwede ist ein unmittelbarer Beitrag zur Stärkung der deutsch-französischen Freundschaft im Zentrum Europas.«

Gerade auch vor dem Hintergrund zunehmender Europaskepsis – Abruszat erinnerte hier an den »Brexit« des Vereinigten Königreiches – mache eine Städtepartnerschaft zwischen Lardy und Stemwede den europäischen Gedanken konkret erlebbar: »Sie wirkt wie ein stabilisierendes Element und beugt vor gegen das Wiedererstarken nationalistischer Tendenzen.«

Das sagte Lardys Bürgermeisterin Dominique Bougraud

»Eine neue Partnerschaft zwischen zwei Gemeinden, ist zunächst ein fröhlicher Moment – ein Fest«, betonte Dominique Bougraud in ihrer Festansprache. Die Freundschaft gebe Lardy neue Perspektiven und Kontakt mit einer anderen Kultur. »Sie fördert unsere Jugendlichen und Vereine durch den Austausch und Kooperationen zwischen unseren Gemeinden und nimmt somit an dem europäischen Aufbauwerk teil. Als unsere deutschen Freunde im August erstmals zu uns kamen, konnten wir ganz schnell auf beiden Seite fühlen, dass eine starke Motivation da war, diese Partnerschaft einzugehen.«

Der Rat von Lardy habe dies einstimmig beschlossen. »Um diese Partnerschaft lebendig zu halten, ist ein eigens ein Komitee gegründet worden und heute möchte ich allen seinen Mitgliedern und seinem Präsident Jean Ar­mand schon mal sehr herzlich danken.«

 

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