Do., 12.04.2018

Rinderhalter in Sorge wegen möglicher Übertragung des Bovinen Herpesvirus (BHV1) Seuchengefahr: Kreistierschau fällt aus

Der Landwirtschaftliche Kreisverband Minden-Lübbecke und die Kreistierzüchtervereinigung Minden-Lübbecke haben sich in Absprache mit der Familie Aping entschlossen, den Tag des offenen Hofes mit der Kreistierschau für den 24. Juni in Westrup abzusagen. Von links: Joachim Schmedt, Wilfried Aping und Sohn Julian Aping, Rainer Meyer und Konrad Kanning.

Der Landwirtschaftliche Kreisverband Minden-Lübbecke und die Kreistierzüchtervereinigung Minden-Lübbecke haben sich in Absprache mit der Familie Aping entschlossen, den Tag des offenen Hofes mit der Kreistierschau für den 24. Juni in Westrup abzusagen. Von links: Joachim Schmedt, Wilfried Aping und Sohn Julian Aping, Rainer Meyer und Konrad Kanning. Foto: Dieter Wehbrink

Von Dieter Wehbrink

Stemwede (WB). Erst im März hatten sich bei einem Treffen auf dem Hof Aping in Westrup viele Organisatoren und Unterstützer auf die Kreistierschau gefreut, die dort am 24. Juni veranstaltet werden sollte. Doch am Donnerstag kam das Aus für die Großveranstaltung.

Anlass ist die Sorge vor der Übertragung der gefürchteten Rinderkrankheit Bovines Herpesvirus (BHV1). Zwei Fälle der hoch ansteckenden Seuche wurden jüngst im Landkreis Osnabrück bekannt, einer in Bramsche und einer in Ostercappeln, nur zehn Kilometer Luftlinie von der Stemweder Grenze entfernt.

800 Rinder betroffen

Insgesamt 800 Rinder sind betroffen. Die sichtbar schwer erkrankten Tiere werden nach Angaben des Landkreises eingeschläfert. Rinder, die auf den gesperrten Höfen keine Krankheitsanzeichen zeigen, sind trotzdem Infektionsträger. Sie müssen geschlachtet werden. Ihr Fleisch darf aber in den Handel gelangen, weil die Seuche für Menschen ungefährlich ist.

Die Kreistierschau in Westrup, war erstmals gemeinsam mit einem Tag des offenen Hofes auf dem Kälberaufzuchtbetrieb der Familie Aping geplant. Weil viele der Besucher auch aus Rindviehbetrieben gekommen wären, hätte die Gefahr der Einschleppung beziehungsweise der Weiterverbreitung der Seuche bestanden.

Zu großes Risiko

Der Betrieb in Ostercappeln liege gerade mal etwa 20 Kilometer von dem Hoftag-Betrieb Aping in Stemwede-Westrup entfernt, sagte Kreisverbandsvorsitzender Rainer Meyer dieser Zeitung. »Unter Abwägung aller Risiken haben wir uns – der Kreisverband und die Kreistierzüchtervereinigung gemeinsam mit der Familie Aping – entschieden, den Hoftag und die Tierschau in diesem Jahr nicht durchzuführen.«

Die Krankheit BHV 1 kann über einzelne, unerkannt infizierte Tiere eingeschleppt und im Bestand weiter verbreitet werden. »Das Risiko einer Verbreitung , insbesondere durch die Tierschau, ist uns einfach zu hoch«, erläutert Konrad Kanning von den hiesigen Tierzüchtern. Bei der Westruper Veranstaltung würden aus dem ganzen Kreis Minden-Lübbecke Milchkühe und Fleischrinder zur »Schau der Besten« aufgetrieben. Die Erkrankung BHV 1 sei nicht neu und bereits seit 1997 anzeigepflichtig. Sie könne zu hohen wirtschaftlichen Verlusten in den Rinderbeständen führen, warnte Kanning.

»Wir bedanken uns für den enorm großen Einsatz und den erbrachten Aufwand, insbesondere bei der Familie Aping«, sagte der stellvertretender Kreisverbandsvorsitzende Joachim Schmedt aus Dielingen. »Dieses Engagement verdient hohe Anerkennung. Ebenso bedanken wir uns bei allen Beteiligten, wie den Landfrauen, Akteuren und Helfern« betonte Schmedt. »Wir bedauern die Entscheidung sehr und bitten um Verständnis.«

Die Organisatoren hoffen auf eine Beruhigung des Krankheitsgeschehens und versprechen: »Wir werden die Veranstaltung zu einem späteren Zeitpunkt durchführen.«

»Uns ist die Entscheidung nicht leicht gefallen«, betont Rainer Meyer. »Das Anliegen und Bestreben unserer heimischen Höfe ist es, den Dialog mit der Bevölkerung zu suchen. Wir geben gern Einblicke in unser Tun, unsere Arbeit und Wirtschaftsweise auf den Höfen.« Transparenz, Offenheit und Kommunikation seien die Wege, um in einer kritischer werdenden Gesellschaft über den grünen Berufszweig zu informieren, aufzuklären und Verständnis zu wecken.

 

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