Studierte Expertin Julia Nessler zu Besuch im Stall von Freundin Dorothee Brandt
So funktioniert das »Pferdeflüstern«

Stemwede (WB). »Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde«, heißt es. Aber wie lässt sich Vertrauen aufbauen – wie können Pferd und Reiter miteinander kommunizieren? Die Antwort weiß Julia Nessler.

Dienstag, 05.06.2018, 16:00 Uhr
Zwei, die sich auf Anhieb verstanden haben: Die Pferdekommunikationswissenschaftlerin und zertifizierte Pferdeverhaltenstherapeutin Julia Nessler und die zwölfjährige Island-Schimmelstute »Drottning« von Dorothee Brandt. Foto: Heidrun Mühlke
Zwei, die sich auf Anhieb verstanden haben: Die Pferdekommunikationswissenschaftlerin und zertifizierte Pferdeverhaltenstherapeutin Julia Nessler und die zwölfjährige Island-Schimmelstute »Drottning« von Dorothee Brandt. Foto: Heidrun Mühlke

Die Pferdekommunikationswissenschaftlerin und zertifizierte Pferdeverhaltenstherapeutin ist zu Gast im Pferdestall von Dorothee Brandt in Twiehausen gewesen. Die beiden Frauen kennen sich aus Studienzeiten. Die Liebe zu Pferden verbindet sie seit zwölf Jahren. Kennengelernt haben sie sich beim Studium der Pferdekommunikationswissenschaft in Bad Saarow.

Mobile Fahrpraxis

Während Dorothee Brandt sich nach dem Studium dafür entschied, mit Menschen zu arbeiten und inzwischen die Leiterin der Offenen Ganztagsschule Regenbogen in Lübbecke mit 90 Kindern und auch Fraktionsvorsitzende der SPD in Rahden ist, blieb Julia Nessler den Vierbeinern treu.

Die 29-Jährige reitet seit ihrem fünften Lebensjahr und ist mit ihrer mobilen Fahrpraxis in ganz Europa unterwegs, um problemgeplagten Pferdehaltern ihre Hilfe anzubieten. »Pferde verfügen über eine nonverbale Kommunikation, die der Mensch erlernen kann und beachten sollte, um mit dem Pferd klar, verständlich und partnerschaftlich zu kommunizieren«, erklärte die Expertin.

Im Training mit dem Tier arbeite sie stets ganzheitlich, verschaffe sich einen Überblick über Haltungsbedingungen, Equipment, Fütterung und Gesundheitszustand: »Nur so können Pferd und Reiter langfristig von einer individuellen Förderung profitieren.« Eine solide Basis für erfolgreiches und pferdegerechtes Training nennt Nessler das Wissen über Körpersprache sowie die artspezifische Motivation des Pferdes.

Großer Erfahrungsschatz

»Wichtig ist es, dass das Pferd motiviert bleibt«, sagt Nessler. Ihre Devise lautet: Stärken stärken – klare Anweisungen und klare Belohnungen. Sie sehe sich als Moderator zwischen Mensch und Pferd, damit ein gemeinsamer Weg gefunden werden könne. Als renommierte Pferdetrainerin kann Julia Nessler auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen.

»Keines der Tiere kommt als Problempferd zur Welt«, sagt sie. Lediglich das Überhören vorausgeschickter Signale bewegten ein Pferd zu so genannten »Unarten«. Besitzer müssten eine gewisse Sensibilität entwickeln und auf den spezifischen Charakter eines Pferdes eingehen.

Nessler hatte bei ihrer Stippvisite die Industriedesignerin Neele Koblitz mitgebracht. Gemeinsam sind die beiden begeisterten Reiterinnen auf Deutschland-Tour und stellen Interessierten den innovativen Trainingsanhänger »Hors«, den Koblitz als Bachelor-Arbeit entwickelt hat, vor.

Verladen von Pferden geht einfacher

»Hors« ist ein mobiles Trainingsgerät, um Pferden die Angst vor dem Anhänger schrittweise und sukzessiv zu nehmen. Die einzelnen Elemente des Verladens werden in kleine Schritte aufgeteilt. »Pferde sehen ganz anders als Menschen«, erklärte Nessler. Sie meiden Dunkelheit und enge Räume. »Mit dem Trainingsanhänger können dem Pferd positive Erlebnisse geschenkt werden, um das spätere Verladen zu vereinfachen«, sagte Nessler.

»Man muss Vertrauen aufbauen und mit dem Pferd ehrlich kommunizieren. Nur so ist es möglich, einen Weg zu finden, um nach vorne zu gehen«, machte Nessler deutlich und longierte die zwölfjährige Island-Schimmelstute »Drottning« von Dorothee Brandt problemlos auf den Anhänger. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.pferde-staerken.eu.

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