Sa., 11.08.2018

Abruszat bestätigt: In Levern entsteht ein »Wohnquartier am historischen Ortskern« – mit Ortskern »Unsere Antwort auf Lemförder Pläne«

Die rote Fläche markiert in etwa den 30.000 Quadratmeter großen Bereich in Levern, in dem das moderne »Wohnquartier am historischen Ortskern« entstehen soll.

Die rote Fläche markiert in etwa den 30.000 Quadratmeter großen Bereich in Levern, in dem das moderne »Wohnquartier am historischen Ortskern« entstehen soll.

Von Dieter Wehbrink

Stemwede (WB). »400 neue Wohneinheiten zwischen Stemshorn und Lemförde« – diese Nachricht erwischte die Stemweder Kommunalpolitik kalt. Doch nun setzt die Gemeinde ein Zeichen gegen den für sie unglücklichen »Zuzugtrend Richtung Lemförde«.

In Levern soll ein neues großes – und hochmodernes – Baugebiet entstehen. Die Gemeinde hat die Fläche bereits gekauft und wird sie selbst vermarkten. Bürgermeister Kai Abruszat bestätigte auf Nachfrage dieser Zeitung Details, die bislang nur in nichtöffentlichen Sitzungen der Fachausschüsse und des Gemeinderats erörtert wurden.

Das 30.000 Quadratmeter große Gelände liegt an der Leverner Straße, unmittelbar zwischen der Siedlung Kalberkamp und dem historischen Ortskern. Schon in früheren Jahren hatte die Gemeinde versucht, das Areal zu erwerben – bislang vergeblich. Doch jetzt, so erfuhr diese Zeitung aus gut unterrichten Kreisen, war es Kai Abruszat persönlich gelungen, gemeinsam mit den Grundstücksbesitzern den Knoten durchzuschlagen.

Abstimmung mit Bürgerschaft und Politik

Und der Bürgermeister hat gleich viele Ideen für die Umsetzung des Baugebietes. Er möchte sie mit den Bürgern und der Politik abstimmen.

Dass es kein gewöhnliches Baugebiet werden soll, davon kündet bereits der Titel »Wohnquartier am historischen Ortskern«. »Nicht lediglich Ein bis Zweifamilienhäuser, sondern auch Wohnformen, die es so in Stemwede noch nicht gibt, könnten dort entstehen«, regt der Bürgermeister an. »Wenn ältere Menschen in großen Häusern leben und die Kinder woanders wohnen, wollen sich Senioren aus Altersgründen gern platzmäßig verkleinern. Sie könnten in Levern vielleicht Eigentumswohnungen bis 90 Quadratmeter – möglichst barrierefrei – beziehen.«

Es sei auch denkbar, mit strategischen Partnern begleitende Angebote wie Hausnotrufsysteme und Pflegeleistungen zu ermöglichen. »Es wäre einfach schön, wenn Senioren dadurch möglichst lange selbstbestimmt in ihrer eigenen Wohnung leben könnten. Das soll auch für alleinstehende ältere Menschen gelten«, sagt Abruszat.

Den Kindergarten im Blick

Er denkt allerdings auch an junge Familien, die im Wohnquartier ein ideales Lebensumfeld finden könnten. Schließlich verfügt Levern über eine Kindertagesstätte. »Wir müssen allerdings über deren aktuellen baulichen Zustand nachdenken«, sagt Abruszat. »Das Kita-Gebäude stammt aus den 70er Jahren. Es ist nicht mehr auf aktuellem Stand. Gleichzeitig gibt es in Levern aber einen großen Bedarf an Kindertagesbetreuung. Es ist zu früh, jetzt von Neubauten zu sprechen, aber diese Option sollte die Gemeinde ganz bewusst bei dieser Quartiersplanung einbeziehen«, betont Abruszat.

Er möchte das neue Wohngebiet mit viel Grün ausgestalten. Man könne auch über Flächen  für gemeinsame Begegnung nachdenken. »Ich kann mir auch einen städtebaulichen Wettbewerb vorstellen, um unterschiedliche Ansätze zu bekommen. Auf alle Fällen wollen wir die Planungen und Vorschläge ergebnisoffen und ohne Denkverbote im Dialog mit Bürgerschaft und Gemeinderat diskutieren.« Rat und Verwaltung hätten sich verständigt, eine Arbeitsgruppe einzurichten, um erste Skizzen und Ideen zu diskutieren. Die Gruppe tagt erstmals nach den Sommerferien.

Abruszat ist überzeugt davon, dass der Standort nahe des historischen Ortskerns auch dank der Arztpraxen, Therapieangebote sowie guter Einkaufsmöglichkeiten für Nachfrage nach den Quartier-Bauplätzen sorgen wird. »Es ist mein Bestreben als Bürgermeister, dass Erschließung und Vermarktung in Eigenregie der Gemeinde bleiben. Deshalb bevorraten wir diese Fläche und üben zudem selbst Planungssicherheit aus.«

Bezirksregierung reagiert positiv

Das Areal ist auch deshalb für eine Bebauung so gut geeignet, weil es eine Siedlungsverdichtung darstellt. Dies kommt den Vorgaben der NRW-Landespolitik sehr entgegen. Es gibt bereits erste positive Rückmeldungen von der Bezirksregierung Detmold.

Der Bürgermeister freut sich, dass man mit den Quartier-Plänen auf einen guten Weg ist. »Von diesem Angebot profitiert übrigens ganz Stemwede«, betont Abruszat. »Wenn dieses Konzept Resonanz findet, wollen wir auch für andere Siedlungsschwerpunkte in Stemwede überlegen, ob wir Komponenten aus der Leverner Quartiersentwicklung übertragen können. »Das Objekt ist gewissermaßen unsere Antwort auf die Pläne der niedersächsische Nachbarn.« Außerdem solle das neue Baugebiet in Lemförde und Stemshorn sehr geballt auf einer große Fläche entstehen. In Stemwede verteilen sich solche Flächen auf die Gemeinde.

Die Entwässerung des geplanten »Wohnquartiers am historischen Ortskern« ist aufgrund der örtlichen Gegebenheiten nicht einfach. »Das wird für die Gemeinde Stemwede sehr kostenintensiv«, räumt Bürgermeister Kai ­Abruszat ein. Entwässerung in Levern – das ist im Ort dank mehrerer negativer Starkregen-Vorkommen in den vergangenen Jahrzehnten ein heikles Thema.

Noch weitere Baumöglichkeiten in Stemwede

Abruszat weist darauf hin, dass es demnächst neue Baugebiete in Dielingen, »Am Linnebach«, in Wehdem am Schulzentrum und in Oppenwehe in Nähe der Grundschule (Bockhorn) gibt. Zudem existierten in Haldem Planungsideen zur Ortsinnenentwicklung. Zur Verfügung stehen in Stemwede – zumindest theoretisch – weitere bebaubare Plätze als so genannte Baulücken entlang von Straßen. Die Gemeindeverwaltung erteilt Interessenten gern Auskunft, wo die Flächen liegen und ob sie verfügbar sind. Verfügbarkeit ist aber ein Problem, denn viele Besitzer wollen diese Bauplätze für ihre eigenen Kinder aufgewahren oder sie verkaufen prinzipiell nicht. Einige wollen keine neuen Nachbarn haben. Andere wissen in Zeiten von Niedrigzinsen nicht, wie sie ihren Verkaufserlös gewinnbringend anlegen können, hieß es in Ausschüssen..

Dazu ein Kommentar von Dieter Wehbrink

Zugegeben: Eine »Antwort auf Lemförde« – dieser Satz mag mit Blick auf die enorm rasante Bautätigkeit im niedersächsischen Nachbarort ein wenig zu ambitioniert klingen. Dennoch sind der Kauf der Fläche in Levern und die modernen Pläne für ein »Wohnquartier am historischen Ortskern« ein Glücksfall für die Gemeinde. Levern bietet nun mal aufgrund seiner kompletten Infrastruktur, seines historischen Ortskerns und dem schönen grünen Umland ein ideales Wohnumfeld – für Jung und Alt gleichermaßen. Nicht umsonst ist das Dorf schon immer ein bedeutender Siedlungsschwerpunkt gewesen. Wenn sich in bescheidenerem Rahmen auch Bauplätze in Dielingen, Wehdem, Oppenwehe oder Haldem ergeben, kann dies doch nur gut für ganz Stemwede sein.

Sehnlichst, so war der Eindruck während der Bürgermeister-Gesprächsrunde in den kleineren Dörfern wie Arrenkamp, Destel und Co, wünscht man sich auch dort Bauplätze. Zwar nicht im Umfang der Siedlungsschwerpunkte, aber doch so viele, dass junge Familien, die sehr an ihrem Heimatort hängen und sich von fehlender Infrastruktur nicht abschrecken lassen, dort bauen dürfen. Dies sollte das Land NRW der Gemeinde stärker als bisher ermöglichen.

 

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