Di., 21.08.2018

Dürre: Landwirte betrachten Forderungen kritisch – Bianca Winkelmann informiert sich »Nicht gleich nach Geld schreien«

Bianca Winkelmann zu Besuch auf dem Ilweder Betrieb. Grundfutter für die Kühe des Hofes ist auf dem Hof von Cord Lilie i genug vorhanden. Die Qualität erreicht aber bei weitem nicht das Vorjahresniveau.

Bianca Winkelmann zu Besuch auf dem Ilweder Betrieb. Grundfutter für die Kühe des Hofes ist auf dem Hof von Cord Lilie i genug vorhanden. Die Qualität erreicht aber bei weitem nicht das Vorjahresniveau. Foto: Dieter Wehbrink

Von Dieter Wehbrink

Stemwede (WB). Es sind normalerweise riesengroße Silomengen, die Milchviehhalter Cord Lilie aus Ilwede hinter den Ställen lagert, um seine 250 Kühe zu füttern. Doch einer dieser abgedeckten Haufen ist im Vergleich zu den anderen geradezu mickrig.

»Hier liegt der einzige Grasschnitt, den wir in diesem Dürresommer ernten konnten«, erklärt der Bauer seinen Gästen, unter ihnen die CDU-Landtagsabgeordnete Bianca Winkelmann aus Preußisch Ströhen. Die Politikerin wollte sich vor Ort über die Lage der unter Trockenheit leidenden Betriebe informieren. »Normalerweise schneiden wir pro Saison bis zu fünf Mal Gras. Dieses Jahr führte die Trockenheit dazu, dass wir bislang nur einmal mähen konnten.«

Getreideernte ist eingebrochen

Einbußen von 30 Prozent beim Mais – und der geerntete noch dazu in schlechter Qualität: Das Dilemma des Hofes Lilie durchleben derzeit speziell in Stemwede, wo es seit dem Frühjahr nicht nennenswert geregnet hat, viele Bauern. Ein Leidtragender ist Bauer Joachim Schmedt aus Dielingen. Er berichtete, dass in Stemwede auch die Getreideernte aufgrund der Dürre um 20 bis 30 Prozent eingebrochen sei.

Schmedt ist wie Stefan Schmidt aus Bad Oeynhausen-Eidinghausen stellvertretender Vorsitzender des landwirtschaftlichen Kreisverbandes. Beide nahmen gestern an dem Gespräch in Ilwede teil, wie auch Dr. Oliver Vogt (stellvertretender CDU-Kreisvorsitzender), der Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden, Klaus-Günther Huebert, sowie Dirk Langelahn vom Landwirtschaftlichen Gemeindeverband Stemwede.

Mais konnte zugekauft werden

Cord Lilies Betrieb hat gewissermaßen Glück im Unglück. Er konnte in den vergangenen Tagen viel Mais kaufen, der viel zu früh geerntet werden musste. Dieser Mais seiner Berufskollegen sollte eigentlich bis in den Herbst stehen bleiben, um ihn zu dreschen und Körner zu gewinnen. Doch daraus wurde nichts: Die Pflanzen vertrockneten frühzeitig, sie bildeten erst gar keine Kolben, geschweige denn Körner. »Mir fehlt wegen der minderwertigen Maissilage leider die Eiweißkomponente im Futter«, sagte Lilie. »Soja darf ich bei meinen Kühen nicht verfüttern. Bleibt nur der Raps, aber der leidet ja auch unter der Dürre.« Die Landwirte müssten deshalb mit stark steigenden Futterpreisen rechnen, befürchtet Lilie: »Da kommt eine sehr negative Welle auf uns zu.«

Wer jedoch erwartet hatte, dass sich die Runde gestern für Geldzahlungen an von Dürre betroffene Landwirte ausgesprochen hätte, sah sich getäuscht. »Uns würde es viel mehr helfen, wenn unsere Höfe eine steuerfreie Einkommensrücklage für solche schlechten Jahre bilden dürften«, betonte Joachim Schmedt. »Wir sind schließlich landwirtschaftliche Unternehmer. Wir müssen und wollen auch mit solchen Extremsommern klar kommen und sollten nicht gleich nach Geld schreien. Viel wichtiger als Sonderzahlungen für Dürre wären gesicherte äußere Rahmenbedingungen für unsere Höfe.«

»Steuerfreie Risikoausgleichsrücklage« gefordert

Die Forderung nach der »steuerfreien „Risikoausgleichsrücklage«, erwirtschaftet in guten Jahren, erhebt auch der deutsche Bauernverband. Auch Bianca Winkelmann findet eine solche steuerliche Regelung gut: »Man darf landwirtschaftliche Betriebe nicht mit Industriebetrieben vergleichen. Die Bauern erzeugen immerhin unser tägliches Brot.«

Cord Lilie fand deutliche Worte: »Ich bin Unternehmer und kann nicht immer nach dem Staat rufen. Landwirte müssen auch bei solchen Dürren vorsorgen. Wenn sie das nicht können, sind sie schlechte Unternehmer.«

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