Fr., 12.10.2018

Affäre auf Hunte – Höckerschwan und Trauerschwan unzertrennlich Ein ungewöhnliches Liebespaar

Ein heimischer Höckerschwan und ein Trauerschwan-Dame, eine australische Art, mögen sich offenbar sehr. Hier schwimmen sie auf dem Fluss Hunte am Dümmer.

Ein heimischer Höckerschwan und ein Trauerschwan-Dame, eine australische Art, mögen sich offenbar sehr. Hier schwimmen sie auf dem Fluss Hunte am Dümmer. Foto: Martin Nobbe

Von Dieter Wehbrink

Stemshorn/Stemwede (WB). Viele Stemweder, die gern die Natur im Ochsenmoor zwischen Dielingen und Stemshorn erkunden, kennen ihn seit langem: den prächtigen weißen Höckerschwan, der majestätisch auf der Hunte oder im Dümmerrandgraben schwimmt. Doch seit ein paar Tagen ist alles anders.

Der Schwanen-Mann, ein stolzer Vertreter der heimischen Wasservogelart, hat ungewöhnliche Gesellschaft bekommen: ein pechschwarzes Gegenstück der Gattung Trauerschwan. Es ist vermutlich ein Weibchen. Eng an eng ziehen die beiden Tiere ihre Kreise über die Gewässer – so, als würden sie sich schon ewig kennen.

Tatsächlich verhalten sie sich wie ein »altes Ehepaar«. Unterstützt wird dieser Eindruck auch von ihrem synchronen Verhalten: Wenn sie am Grund des Flusses nach nahrhaften Wasserpflanzen und Algen suchen, tauchen Schwarz und Weiß wie auf Kommando ganz nach Schwanenart ihre langen Hälse unter Wasser.

Wohl ein Tier aus Gefangenschaft

Doch das, was da im Moment zusammenwächst, gehört nicht zusammen. Der Trauerschwan (Cygnus atratus) ist in Europa in der freien Wildbahn ganz selten anzutreffen. Sein natürliches Vorkommen liegt in Australien und Neuseeland. Wenn solche Exemplare in heimischen Gewässern gesichtet werden, handelt es sich fast immer um Tiere, die aus einer privaten Hobbyhaltung oder aus Parks stammen und schlicht ausgebüxt sind. So dürfte es auch beim schwarzen Hunte-Schwan sein. Naturfreunde, die den ungewöhnlichen Gast mit dem Fernglas gemustert haben, berichten dieser Zeitung, dass das Tier einen nummerieren Fußring tragen soll. Auch dies wäre ein klarer Hinweis darauf, dass der Trauerschwan einst in Gefangenschaft gehalten wurde.

Ungeachtet dessen scheint sich das Weibchen auf der Hunte pudelwohl zu fühlen und schätzt die Gesellschaft seines weißen Partners. Dieser ist als Höckerschwan (Cygnus olor) Vertreter einer Gattung, die in ganz Europa sehr häufig vorkommt. Deshalb gehört diese Art auch per Gesetz zum jagdbaren Wild.

Kein großes Problem

Wer nun hofft, dass es im nächsten Frühjahr eine Schwanenfamilie mit gemischt weißen und schwarzen, womöglich sogar schwarz-weiß-gescheckten Küken gibt, muss seine Hoffnung begraben. Zwar sind sowohl Höcker- als auch Trauerschwäne äußerst liebevolle Eltern, die ihren Nachwuchs bei Gefahr aggressiv verteidigen. Doch Nachwuchs entsteht aus solchen »Liebesaffären« nach Angaben von Wissenschaftlern so gut wie nicht – und wenn, dann wären solche Hybriden unfruchtbar. Deshalb sind Naturschützer beim Auftauchen eines Trauerschwans in der freien Wildbahn auch nicht allzu besorgt, dass dieser »Einwanderer« das natürliche Gleichgewicht unter den Arten negativ beeinflussen könnten.

Hinzu kommt, dass viele in Gefangenschaft aufgewachsene Trauerschwäne ihren alten australischen Brutrhythmus beibehalten. Ihre innere Uhr orientiert sich an der dortigen Regenzeit (etwa von November bis April). Sie brüten deshalb in Deutschland gern im Winter. Gut zu beobachten ist dies im Tierpark Ströhen, wo Trauerschwäne selbst bei Schnee und Eis Küken aufziehen. Höckerschwäne hingegen nutzten das europäische Frühjahr für ihr Brutgeschäft.

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