Do., 08.11.2018

Gemeindeverwaltung lädt zur Bürgerversammlung ein (mit Kommentar) Wie wird das Ehrenmal restauriert?

So sah das Haldemer Ehrenmal aus, als mutmaßliche Kupferdiebe den Adler noch nicht zerstört hatten.

So sah das Haldemer Ehrenmal aus, als mutmaßliche Kupferdiebe den Adler noch nicht zerstört hatten. Foto: Dieter Wehbrink

Stemwede (WB/weh). Es ist ein nicht ganz einfaches Thema in der Haldemer Dorfgemeinschaft: Wie soll mit dem Haldemer Ehrenmal auf dem künftigen Dorfplatz verfahren werden?

Ein nicht aufgeklärter Kupferdiebstahl-Versuch , bei dem der Adler des Denkmals zerstört wurde, hat die kontroverse Diskussion noch verschärft. Den Gegnern einer teureren Wiederbeschaffung eines Adlers stehen Stimmen im Ort gegenüber, die eine vollständige Wiederherstellung fordern. Deshalb wird eine öffentliche Bürgerversammlung am Donnerstag, 15. November, mit Spannung erwartet. Die Stemweder Gemeindeverwaltung lädt dazu alle interessierten Haldemer Bürger ein. Diskutiert wird von 17 bis 18.30 Uhr im Gasthaus Rosengarten, Haldemer Straße 5.

Die Vorgeschichte

Zur Vorgeschichte: Nach der Sanierung der denkmalgeschützten Heilig-Kreuz-Kapelle und dem damit einhergehenden Abriss des angrenzenden privaten Gaststättengebäudes waren aus der Mitte der Haldemer Bürgerschaft Pläne zur Gestaltung der zentral im Ort gelegenen Freifläche entwickelt worden. Der gefundene Konsensvorschlag, der als Grundlage für einen Förderantrag zur Umgestaltung der Freifläche diente, beinhaltet den Verbleib des Ehrenmals am jetzigen Standort.

Die Untere Denkmalbehörde hatte 2015 das Verfahren zur Unterschutzstellung des als Kulturgut verzeichneten Ehrenmals als Denkmal eingeleitet, war aber gescheitert. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, zuständig für Denkmalspflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen, beschied diesen Antrag negativ. »Die Gemeinde Stemwede sieht sich aber auch ohne Denkmalstatus nach wie vor in der Pflicht, das Ehrenmal in einem der Bedeutung angemessenem Zustand zu erhalten«, schreibt die Gemeindeverwaltung.

In der Nacht vom 7. auf den 8. März hatten dann unbekannte Täter versucht, die Kupferabdeckungen des Ehrenmals zu stehlen. Dabei zerstörten sie die Abdeckung und den auf dem Ehrenmal thronenden Adler aus Zinkguss. Die Kripo wurde eingeschaltet, aber die Täter konnten nicht ermittelt werden.

Ausschuss bewilligt 10.000 Euro

Der Ausschuss für Gemeindeentwicklung, Wirtschaftsförderung und Tourismus beauftragte im September die Gemeindeverwaltung, im Dialog mit Ortsheimatpfleger Hans Möller-Nolting, der Bürgerstiftung Haldem-Arrenkamp, den Ratsmitgliedern aus Haldem sowie Interessierten aus der Bevölkerung ein Konzept zu erarbeiten, das die Restaurierung des Ehrenmals zum Gegenstand hat. Ein Kostenbudget von 10.000 Euro brutto Gemeindeanteil dürfe nach Vorgabe des Ausschusses nicht überschritten werden. Die Verwaltung solle prüfen, ob und in welcher Weise aus Mitteln insbesondere der Heimatförderung des Landes NRW eine finanzielle Unterstützung bei der Finanzierung erfolgen kann. Details werden während der Bürgerversammlung bekannt gegeben.

Gesichtspunkte einer angemessenen Erinnerungs- und Gedenkkultur in Verbindung mit Aspekten zur Mahnung an die Erhaltung des Friedens und die Weiterentwicklung des europäischen Gedankens sollen in das Konzept einfließen.

Dazu ein Kommentar von Dieter Wehbrink:

Es ist schade, dass sich beim Dorfplatz-Projekt in Haldem ausgerechnet an dem Ehrenmal die Geister scheiden. So bitter es ist, dass Diebe den Adler beschädigt haben: Die Kosten für eine Wiederherstellung des Vogels müssen im vertretbaren Verhältnis bleiben. Wenn die Gemeinde aufgrund der kontroversen Diskussionen bereit ist, dafür immerhin bis zu 10.000 Euro Steuerzahler-Geld auszugeben, ist dies »nur für den Vogel« eine ziemlich hohe Summe. Das sollten auch die Befürworter einer Eins-zu-Eins-Wiederherstellung des Adlers anerkennen. Niemand will ja, dass das Ehrenmal auf dem neuen Dorfplatz zu einem ungeliebten Objekt verkommt – im Gegenteil! Der bloße Adler selbst erinnert nicht an die Opfer der Kriege. Und wenn es gelingt, das Ehrenmal nicht nur als Zeichen der Trauer, sondern als Mahner für Frieden und Freundschaft unter Völkern aufzuwerten, dann profitiert davon das gesamte Dorfplatz-Vorhaben.

Der Streit um das Ehrenmal (wie groß ist in Haldem eigentlich die tatsächliche Zahl der kompromisslosen Adler-Befürworter?) muss aufhören. Sonst nimmt der Dorfplatz Schaden, bevor der erste Spatenstich erfolgt. Und auf den Beginn der Arbeiten warten wohl alle Haldemer schon mit Freude.

 

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