Fr., 11.01.2019

Pfarrer Michael Beenig feiert sein 25-jähriges Dienstjubiläum in Dielingen »Arbeit mit Kindern ist größte Freude«

Pfarrer Michael Beening liebt die Arbeit mit Kindern, hier 2006 bei der Adventsgeschichte mit Schaf im Kindergarten Dielingen.

Pfarrer Michael Beening liebt die Arbeit mit Kindern, hier 2006 bei der Adventsgeschichte mit Schaf im Kindergarten Dielingen.

Stemwede (WB). Viele Menschen in der Kirchengemeinde Dielingen können es kaum glauben: Am 16. Januar feiert ihr Pfarrer Michael Bee­ning bereits sein 25-jähriges Dienstjubiläum. Er ist der dienstälteste Seelsorger in Stemwede. Anlässlich des Jubiläums sprach WB-Redakteur Dieter Wehbrink mit Michael Beening.

Können Sie es eigentlich selbst fassen, dass es schon 25 Jahre her ist, als Sie als Pastor in der St. Marien-Kirche eingeführt wurden?

Michael Beening: Die Jahre sind im Rückblick schnell vergangen. Da es immer genug zu tun gab, ist mir diese lange Strecke auch gar nicht so bewusst geworden. Nur, wenn ich meine 25 Pfarramtskalender im Regel stehen sehe, wird mir klar, wie lange ich schon in Dielingen tätig bin.

 

Sie gelten in Stemwede als beliebter und lebensbezogenen Pfarrer, der gleichzeitig dafür geachtet wird, dass er Gottes Wort nachhaltig auslegen kann. Wird es also ein großes Fest geben, mit dem die Menschen ihrem Pfarrer zum Jubiläum gratulieren?

Beening: Für den 16. Januar hat das Presbyterium mich und meine Frau zum Essen eingeladen. Für den 3. März ist ein Festgottesdienst unter Beteiligung vieler Gruppen aus der Kirchengemeinde geplant.

 

Lassen Sie uns doch mal zu Ihrer Arbeit als Seelsorger kommen. Was hat sich für Sie in den vergangenen 25 Jahren geändert?

Beening: Das erste Drittel bestand aus dem Kennenlernen aller Bereiche, das zwei Drittel aus Bestandspflege und das jetzige besteht aus dem Gemeindeaufbau.

 

Gemeindeaufbau? Was meinen Sie denn damit konkret?

Beening: Dies geschieht bei mir vor allem in der Arbeit mit Kindern und deren Eltern, beispielsweise mit Bibelgeschichten im Kindergarten, mit der Kinderkirche, Projekttagen mit der Grundschule Haldem und Schulgottesdiensten.

 

Das klingt ja ganz nach Nachwuchsgewinnung und Sicherung künftiger Mitgliederzahlen der Kirche, oder?

Beening: Das ist eine willkommene Begleiterscheinung meiner Arbeit. Wenn ich die Kinder erreiche, erreiche ich auch deren Familien. Außerdem macht mir als Vater von drei Kindern speziell die Arbeit mit dem Nachwuchs viel Spaß und erhält mir auch generell die Freude an meinen Beruf.

 

Wie beurteilen Sie den Mitgliederschwund in den beiden großen deutschen Kirchen? Und wie sieht es hier eigentlich in der Kirchengemeinde Dielingen aus?

Beening: Bei uns sieht es noch positiv aus. Trotz einiger Austritte konnten wir in 2018 sogar 22 neue Gemeindeglieder hinzugewinnen. Was den Mitgliederschwund der Kirchen generell betrifft: Ich halte diese Entwicklung für sehr bedenklich und bedrohlich. Es zeigt mir, dass der christliche Glaube in unserem Land immer weniger Bedeutung hat. War er früher lebensprägend, so sind Kirche und deren Angebote heute vielfach nur noch zu familiären Anlässen gefragt. Ich befürchte, dass sich Kirche selbst abschafft.

 

Höre ich da etwa Kritik an der Kirche heraus?

Beening: Das Schlimmste ist, wenn Kirche sich aus der persönlichen Begegnung mit Menschen zurückzieht und immer größere Einheiten bildet. Wenn beispielsweise in Stemwede Pfarrstellen nicht mehr besetzt werden und die Seelsorger zunehmend regional arbeiten müssen, entsteht in den Kirchengemeinden ein Beziehungsverlust. Enttäuschung macht sich breit, weil die Gemeinden ihren vertrauten Seelsorger als Ansprechpartner verlieren. Diese Entwicklung unterstützt eine Versorgungsmentalität. Jeder meiner Berufskollegen bemüht sich selbstverständlich, weiter Nähe zu den Menschen herzustellen. Es ist aber wegen des zunehmenden Arbeitsumfangs immer schwieriger zu bewältigen.

 

In Dielingen haben Sie ja Unterstützung durch viele ehrenamtliche Helfer, etwa bei der Ausrichtung des Geburtstagskaffeetrinkens oder bei der Kinderkirche. Wird dies auch langfristig so sein, falls sich immer mehr Menschen von der Kirche abwenden sollten?

Beening: Ohne ehrenamtlich Mitarbeitende wird die Kirche weiter an Bedeutung verlieren. Ganze lieb gewonnene Arbeitsbereiche müssten dann wegfallen. Deshalb bin ich so froh und dankbar, dass ich diese Unterstützung in Dielingen habe. Das gilt auch für das Presbyterium, dass mich sehr unterstützt und meine Arbeit sehr wohlwollend begleitet.

 

Zur Aufgabe eines Pfarrers gehören auch die Trauergespräche und die Beerdigungen – für Familien Tage, in der sie den Pastor auch emotional sehr brauchen. Sind diese Momente für Sie auch persönlich eine große Herausforderung?

Beening: Bestattungen sind Herausforderung und Chance zugleich. Bei kaum einer anderen kirchlichen Veranstaltung kann ich so viele Menschen mit der Botschaft Gottes und dem Evangelium erreichen. Dazu ist eine besonders sorgfältige und zeitintensive Vorbereitung erforderlich. Ich glaube, dass die Nähe zu den Menschen gerade in Trauerzusammenhängen die Möglichkeit des Trostes durch den Glauben an Gott ermöglicht.

 

Gestatten Sie mir eine persönliche Frage: Welche Trauerfälle haben Sie in den 25 Jahren persönlich am stärksten berührt?

Beening: Es sind alle Trauerfälle, wo Sternenkinder beigesetzt werden. Es sind Kinder, die tot geboren wurden oder kurz nach der Geburt starben. Beerdigungen von Jugendlichen, jungen Eltern und Menschen, die freiwillig aus dem Leben geschieden sind. Nach 25 Jahren in der Kirchengemeinde werden leider auch viele Menschen von mir beerdigt, die mich ein Stück weit persönlich begleitet haben.

Kommen wir weg von den ernsten Themen: Was macht Ihnen in Ihrer Arbeit als Seelsorger am meisten Freude?

Beening: Die Arbeit mit Konfirmanden, Jugendlichen und Kindern.

 

Sie sind jetzt 56 Jahre alt. Haben Sie sich schon Gedanken über ihren Ruhestand gemacht?

Beening: Ich muss laut Rentenbescheid bis zum 67. Lebensjahr arbeiten, was ich mir aufgrund der zunehmenden Veränderungen in der Kirche nicht gut vorstellen kann. Ich möchte aber, wenn es meine Gesundheit zulässt, noch einige Jahre mein Beruf ausüben.

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