Fr., 11.01.2019

Altersstruktur der Mediziner bereitet mittelfristig Sorgen – Gemeinderat berät Künftig zu wenig Ärzte in Stemwede?

Noch ist Stemwede gut mit Hausärzten versorgt, aber mittelfristig deutet sich ein Problem an.

Noch ist Stemwede gut mit Hausärzten versorgt, aber mittelfristig deutet sich ein Problem an. Foto: dpa

Von Dieter Wehbrink

Stemwede (WB). In Stemwede sind laut Stand Mai 2018 derzeit zehn Arztsitze auf etwa 13.350 Einwohner besetzt. Dies entspricht für die Menschen der Gemeinde anhand der Vorgaben der Kassenärztlichen Vereinigung eine hausärztliche Versorgungsgrad-Quote von 124,8 Prozent. Doch dieser Wert kann sich mittelfristig verschlechtern.

Wie den Unterlangen für die nächste Ratssitzung zu entnehmen ist, wird das Alter der Stemweder Mediziner auf mittlere Sicht ein Problem. In der Gemeinde (Stand Mai 2018) sind 10 Prozent der Ärzte im Alter bis 49 Jahren, 40 Prozent im Alter von 55 bis 59 Jahren, 30 Prozent im Alter von 60 bis 64 Jahren und 20 Prozent bereits über 65 Jahre alt.

Als problematisch bewertet die Gemeindeverwaltung auch die künftige hausärztliche Versorgung im so genannten »Mittelbereich Espelkamp«, der von vielen Stemweder Patienten aufgesucht wird. Auch hier ist das Alter der Ärzte ein Problem. Dieser Mittelbereich, bestehend aus Espelkamp, Rahden und Stemwede, hat derzeit eine Versorgung von 99,6 Prozent. (Soll: 32,5, Ist: 32 Hausarztsitze).

Hier sei bereits jeder zweite Hausarzt über 60 Jahre alt, in Westfalen-Lippe insgesamt etwa jeder dritte, schreibt die Gemeindeverwaltung. »Ob es diesen Medizinern in den nächsten Jahren gelingen wird, einen Nachfolger für ihre jeweilige Praxis zu finden, dürfe aufgrund der schwierigen Nachwuchssituation bezweifelt werden.« befürchtet die Verwaltung. Sie warnt »Damit liegt für Stemwede auf mittlere Sicht eine Gefährdung der hausärztlichen Versorgung vor.«

Dieses Thema steht deshalb auf der Tagesordnung der nächsten Ratssitzung. Sie beginnt am kommenden Mittwoch, 16. Januar, um 17 Uhr im Saal des Hotels Meyer-Pilz in Levern und ist öffentlich. Die Verwaltung möchte – wie schon in den Vorjahren – regelmäßig über dieses wichtige Thema informieren, damit die Kommunalpolitik reagieren kann.

Die Verwaltung schreibt zum aktuellen Stand in der Gemeinde Stemwede: »Zur Entwicklung ist feststellbar, dass die Praxis Dres. Hafer in Dielingen derzeit vier Sitze hält (ab 01.01.2019 ein weiterer angestellter Arzt) und dort für die nächsten 10 Jahre von gesicherter Existenz auszugehen ist. Der Arzt Hermsmeier in Dielingen wird seine Praxis voraussichtlich ebenfalls mittelfristig weiterbetreiben. Dr. Schmalge in Westrup befindet sich auf gutem Weg, seine Nachfolge voraussichtlich durch bereits vorhandene Kraft regeln zu können. Dr. Kurtz in Wehdem hat mit der Ärztin Wider seit Oktober eine Nachfolgerin. Die Leverner Ärzte Dr. Stroh und Bussmann befinden sich in einem Alter, das eine Nachfolge in den nächsten zwei bis fünf Jahren erwarten lässt.«

Bisheriger Standpunkt in Stemwede war, dass sich die Gemeinde nicht in der notwendigen Lage sah, ein Ärztehaus zu bauen und den Betrieb zu finanzieren. »Hier war ja auch zu beachten, keine Konkurrenz zu ansässigen Ärzten zu erzeugen«, stellt die Gemeindeverwaltung klar. Initiativen für einen Ärztehaus-Bau gab es deshalb nur im privaten Bereich. Unabhängig hiervon sind die Kommunen des Umlands aktiv. Die Stemweder Gemeindeverwaltung verweist hier auf Ärztehäuser in Preußisch Oldendorf, Rahden und Espelkamp.

Zur Gewinnung junger Ärzte für die hausärztliche Versorgung im ländlichen Raum bietet die dafür zuständige Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) auf Antrag bestimmte Fördermöglichkeiten an. Dazu zählen etwa eine Umsatzgarantie zum Aufbau und zur Aufrechterhaltung einer Praxis, Umzugs-, Einrichtungs oder Kooperationskosten, Darlehen zum Aufbau oder die Übernahme einer Praxis. Auch darüber will der Rat beraten.

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