Sa., 12.01.2019

Lokalpolitiker aus den Bezirk Levern informieren und stellen sich den Bürgern – mit Kommentar Fehlende Kita-Plätze bereiten Sorgen

Am Ende eines langen Abends sind sie glücklich über den Erfolg der Premiere »Politik kompakt« gewesen: Ewald Kreienbrock (sitzend, von links), Marius Lampe, Reinhard Hemann, Bernd Harrmann und Jörg Bohne. Stehend die Landtagsabgeordnete Bianca Winkelmann und Frank Schröder.

Am Ende eines langen Abends sind sie glücklich über den Erfolg der Premiere »Politik kompakt« gewesen: Ewald Kreienbrock (sitzend, von links), Marius Lampe, Reinhard Hemann, Bernd Harrmann und Jörg Bohne. Stehend die Landtagsabgeordnete Bianca Winkelmann und Frank Schröder. Foto: Dieter Wehbrink

Von Dieter Wehbrink

Stemwede (WB). Die Uhr des benachbarten Leverner Kirchturms hatte schon längst 22 Uhr geschlagen, und trotzdem war die Diskussion bei der gut besuchten Veranstaltung »Politik kompakt« immer noch lebendig.

Besonders zum Schluss mussten die CDU-Politiker aus dem Bezirk Levern besonders eifrig Wünsche und Anregungen die Bürger mitschreiben. Da wurde deutlich, wo es in Levern »brennt«. Mütter und Mitarbeiterinnen des Kindergartens appellierten an die Stemweder Politik, wegen der enorm starken Nachfrage und der Überbelegung des AWO-Kindergartens so schnell wie möglich mehr Kita-Plätze zu schaffen. Vor allem für Kinder unter drei Jahren bestehe ein großer Bedarf, der gedeckt werden müsse. Tagesmütter seien in Stemwede rar, und es gehe um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie – und schließlich auch um die Attraktivität Leverns für junge Familien.

Auch Offener Ganztag muss erweitert werden

Am Thema Kita-Plätze ist Stemwede dran, nachdem das Kreisjugendamt im November nach heftigem Drängen der Gemeinde den Bedarf für mehr Plätze anerkannt hat. Darauf wies auch Zuhörer Jürgen Gläscher hin. Der Sozialdemokrat ist Vorsitzender des Stemweder Bildungsausschusses und verfolgte die Veranstaltung mit Interesse. Bereits am nächsten Mittwoch wird sich der Rat mit dem Thema befassen (siehe Info-Kasten). Eine Mutter appellierte an die Kommunalpolitik, bei der Schaffung von mehr Kita-Plätzen auch an die notwendige Erweiterung der Offenen Ganztagsbetreuung an der Leverner Schule zu denken. Dort sei die Nachfrage jetzt schon hoch und werde sich verschärfen, wenn die Kita-Kinder eingeschult würden.

»Wann kann man Bauplätze im Kalberkamp kaufen?«

Ein gefühlter Brennpunkt war am Donnerstag auch das Thema Bauplätze. Zuhörer Gerd Schiermeyer meinte, dass es hier trotz neuer Baugebiete in Stemwede noch eine große Nachfrage gebe. Eine andere Zuhörerin wollte wissen, wann man denn im geplanten Wohnquartier am Kalberkamp einen Bauplatz kaufen könne. Nicht nur Kreistagsabgeordneter Frank Rabe wünschte sich bei diesem Projekt Tempo von der Gemeinde. Der Ratsherr und Referent Frank Schröder erläuterte, für die Planungen habe die Gemeinde eigens einen Arbeitskreis eingerichtet, denn man werde in diesem Baugebiet »etwas ganz Besonderes, Schönes schaffen«, das sich von der Konkurrenz in Nachbarkommunen abheben solle.

Und schließlich gab es ein weiteres Thema, das intensiver diskutiert wurde. Den Anstoß dazu gab Zuhörer Dietrich Spreen-Ledebur. Er wünschte sich, dass sich die Gemeinde so intensiv wie möglich mit dem Thema »Ärztliche Versorgung« auseinandersetzt. Hier dürfe Stemwede nicht den Anschluss verlieren. Auch mit diesem Thema wird sich der Rat am kommenden Mittwoch beschäftigen.

Für das neue Format »Politik kompakt« hatte sich jeder Referent auf ein wichtiges Thema aus der Kommunalpolitik vorbereitet und trug es – auch für Laien verständlich – in Kurzform vor. Der Beamer unterstützte dabei mit gut aufbereiteten und gut lesbaren Grafiken sowie komprimierten Zusammenfassungen.

Darüber informierten die Politiker:

Frank Schröder aus Levern erläutere den Haushalt der Gemeinde, zeigte Chancen und Probleme auf. Bernd Harrmann aus Destel stellte den Bau der fünf neuen Feuerwehrgerätehäuser vor – unter Berücksichtigung des ÖPP-Modells (10 Millionen Festpreis für den Bau der Häuser, 15 Jahre Übernahme der Gebäudeunterhaltung durch Bauunternehmer Depenbrock).

Jörg Bohne aus Niedermehnen trug Aktuelles aus der Gemeindeentwicklung vor (darunter neue Bauplätze und Dorfgemeinschaftshaus-Projekte in Niedermehnen und Oppendorf). Reinhard Hemann aus Twiehausen erwies sich als Experte für das Gemeindewegenetzkonzept, während Marius Lampe als einziger Nicht-Ratsherr, dafür aber als Vertreter der jungen Generation, einen Überblick über Bevölkerungsstruktur, Kitas und Schulen in Stemwede gab.

Ewald Kreienbrock aus Sundern erläuterte den Zuhörern Interessantes aus der Historie, etwa die heute für selbstverständlich gehaltene Investition in eine flächendeckende Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung. Beides war seinerzeit eine enorme finanzielle Kraftanstrengung für die Gemeinde. Und er beschrieb den damals nach der kommunalen Neuordnung so heftigen Streit über ein gemeinsames Rathaus (wir berichten noch).

»Experiment gelungen«

Nach jedem Vortrag bei »Politik kompakt« gab es eine teilweise angeregte Diskussion zu den Themen. Genau dies hatten die Lokalpolitiker auch bezwecken wollen. Frank Schröder zeigte sich in seinem Schlusswort – es war bereits 22.30 Uhr – absolut begeistert von der Resonanz auf »Politik kompakt« und kündigte eine Wiederholung an. Er räumte offen ein, dass man unsicher gewesen sei, wie viel Leute an diesem Abend ins Hotel Meyer-Pilz kommen würden. Es sei den Rednern ausdrücklich darum gegangen, die Bürger zu informieren und sie unabhängig von Partei-Präferenzen für kommunalpolitische Themen zu interessieren. Dieses Experiment sei gelungen, freute sich der Leverner unter dem Applaus der Zuhörer. Das neue Konzept kam auch bei der Landtagsabgeordneten Bianca Winkelmann gut an. Sie sprach ein Grußwort und blieb angesichts der spannenden Themen bis zum Schluss.

Dazu ein Kommentar von Dieter Wehbrink

Dieser Abend hat gut getan! Den Akteuren von »Politik kompakt« in Levern war es anzumerken, dass es ihnen nicht um Parteipolitik ging. Es ist schließlich Wahlkampf-Pause, und das Wort »CDU« fiel während der dreistündigen Veranstaltung nicht ein einziges Mal. Die Referenten achteten penibel darauf, diesen Abend nicht für Parteizwecke auszuschlachten und schon gar nicht hitzige Polemik aufkommen zu lassen.

Man nahm es Frank Schröder, Reinhard Hemann, Bernd Harrmann, Marius Lampe, Ewald Kreienbrock und Jörg Bohne gern ab, dass sie sich mit den Problemen ihrer Heimatorte befassen und nach Lösungen suchen. Ihre sehr intensive Vorbereitung, die gut verständliche Darstellung der Themen sowie das offene – und auch genutzte – Angebot an die Bürger, zu diskutieren, zu kritisieren und auch Vorschläge zu unterbreiten, haben sich bezahlt gemacht. Die Premiere von »Politik kompakt« war ein voller Erfolg und verdient Nachahmung. Auch in den Bezirken Wehdem und Dielingen sollte man über dieses neues Format mal nachdenken.

Es verdient Anerkennung, dass auch Jürgen Gläscher als SPD-Mann diese vermeintliche »Konkurrenz-Veranstaltung« besuchte und sich aktiv in die Diskussion einbrachte. Wenn es Kommunalpolitikern glaubhaft um die Sache und nicht um die Parteizugehörigkeit geht, ist dies nur zu begrüßen.

Und noch eine gute Idee verdient Lob: Wer am Donnerstagabend mit seiner Frage oder Anregung nicht zum Zuge kam oder sich nicht zu melden traute, konnte sie auf ausgelegten Zetteln notieren, die eingesammelt wurden. Bei Angabe der Telefonnummer oder E-Mail-Adresse wurde eine unbedingte Rückmeldung der Referenten versprochen. Das ist Bürgernähe!

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6312360?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516045%2F