Fr., 18.01.2019

Kitaplätze und Verwaltung: Stemweder Rat hört Professor aus Münster »Neubau billiger als Sanierung«

Prof. Uwe Rotermund beim Vortrag im Saal Meyer-Pilz. Er ist Ingenieur, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger und lehrt an der Fachhochschule in Münster.

Prof. Uwe Rotermund beim Vortrag im Saal Meyer-Pilz. Er ist Ingenieur, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger und lehrt an der Fachhochschule in Münster. Foto: Dieter Wehbrink

Von Dieter Wehbrink

Stemwede (WB). Die Botschaft von Prof. Uwe Rotermund an den Stemweder Rat war klar: Ein Rathaus-Anbau an das Alte Amtshaus in Levern kostet deutlich weniger Geld als die Sanierung des benachbarten Verwaltungs-Alttrakts in der ehemaligen Schule (siehe auch Info-Kasten).

Mit dem renommierten Experten hatte Bürgermeister Kai Abruszat einen Referenten eingeladen, der mit seinem Vortrag zu einem durchaus heiklen Thema sichtlich beeindruckte. Rotermund ist Ingenieur, Berater, öffentlich bestellter und

Das sagt der Experte

Laut Prof. Uwe Rotermund kostet die Sanierung des Verwaltungs-Alttraktes gegenüber einem Neubau höhere Anfangsinvestitionen von 813.000 Euro. Ein Neubau verursacht zudem geringere Nutzungskosten. Er geht hier von 42,83 Euro pro Quadratmeter aus, während im sanierten Alttrakt 46,54 Euro anfielen. Ein wesentlicher Grund für den Vorteil des Neubaus läge in der geringeren Grundfläche. Der Alttrakt habe 1070 Quadratmeter, der Neubau nur 750 Quadratmeter. Außerdem senke die energetisch bessere Dämmung im Neubau die Heizkosten: 6,27 Euro pro Quadratmeter im Altbau, 4,08 Quadratmeter im Neubau. An den genannten Fakten werde in der Relation auch eine mögliche Preissteigerung nichts ändern, sagte Rotermund.

vereidigter Sachverständiger für Facility Management. Zudem lehrt und forscht er an der FH Münster/»münster school of architecture«. Er zeigte dem Rat deutlich auf, dass ein Neubau billiger kommt.

Käme es dazu, könnte auf Vorschlag von Kai Abruszat der Kindergarten Levern in dem frei werdenden und noch zu sanierenden Verwaltungs-Altbau Platz für zwei dringend benötigte weitere Kita-Gruppen bekommen. Doch sofort nach dem Vortrag des Professors fragte Andrea Herrmann (Grüne) provokativ: »Dann bekommt also der Kindergarten das schlechtere Gebäude?« Und auch ihr Parteifreund Hermann Gesenhues wiederholte seine frühere Kritik an den Plänen. Für ihn steht fest: Das jetzige Verwaltungsgebäude ist groß genug für beide: für die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung und die Kita. Abruszat begründete aus seiner Sicht, warum er die Neubauvariante befürwortet.

1. Die Gemeinde könnte das Altgebäude an den Kita-Träger AWO vermieten. Sie erziele monatlich Einnahmen von 8,72 Euro pro Quadratmeter. Dies sei für 20 Jahre garantiert – inklusive dynamisch steigender Mieten.

2. Für die Umnutzung des Alt-Traktes gebe es Landeszuschüsse aus Mitteln der Dorferneuerung in Höhe von 250.000 Euro, weil das Objekt als ehemalige Schule ortsbildprägend für Levern sei. Diese Zuschüsse würden nicht gezahlt, wenn man es lediglich saniere und die Gemeindeverwaltung dort bleibe. Entscheidend für Zuschüsse sei das Wort »Umnutzung«. Für Abruszat steht fest: »Wir sollten uns für die Neubauvariante entscheiden. Wir wollen Kita-Plätze schaffen und können in der Gemeindeverwaltung Reibungsverluste vermeiden, die wir jetzt wegen der zwei Standorte haben. Wir bekommen eine bessere, digital und ökonomisch sinnvoll verzahnte Gemeindeverwaltung an nur einem Standort.«

Andreas Weingärtner, Fraktionsvorsitzender der CDU, schlug vor, dass die Gemeindeverwaltung konkrete Fakten auf den Tisch legen soll, darunter konkrete Zahlen und Pläne zu einem möglichen Neubau und zur Sanierung des Alttraktes. Man möge dabei auch berücksichtigen, dass die Grundschule eventuell noch mehr Platz benötige, etwa für die jetzt schon zu kleine Mensa, sagte Weingärtner. Jürgen Gläscher (SPD) ergänzte, man müsse auch deshalb an die Grundschule und OGS denken, weil die steigende Zahl Kita-Kinder ja künftig dort eingeschult werde.

Im Wesentlichen lautete dann auch der Ratsbeschluss wie vorgeschlagen. Die Verwaltung erhielt den Auftrag, konkrete Fakten für beide Varianten vorzulegen, aber auch das personelle Konzept für die Modernisierung der Gemeindeverwaltung vorzustellen. Außerdem soll sich die Verwaltung um finanzielle Förderung seitens des Landes kümmern.

Ein externes Gutachten zum Personalbedarf der Gemeindeverwaltung, wie von Dietmar Meier vorgeschlagen, lehnte Kai Abruszat ab: »Wir sind nur eine kleine schlanke Personalverwaltung. Ich traue mir zu, dass ich den Personalbedarf selbst festlegen kann.«

Ein Kommentar von Dieter Wehbrink

Nach der Ratssitzung deutet vieles darauf hin, dass die Kita-Gruppen ins jetzige Leverner Verwaltungs-Altgebäude ziehen und die Verwaltungsangestellten einen Anbau ans Alte Amtshaus bekommen. Viele Stemweder dürften wegen des jahrzehntelangen Streits um die Rathaus-Standorte ein wenig murren. Doch den Vorschlägen von Bürgermeister Kai Abruszat und den Ausführungen des vereidigten Sachverständigen Prof. Uwe Rotermund ist sachlich nur schwer etwas entgegenzusetzen.

Außerdem ist der Leidensdruck betroffener Eltern wegen fehlender Kita-Plätze in Levern groß. Kein Politiker hat deshalb ernsthaft Interesse daran, wie vor fünf Jahren beim Umbau des Alten Amtshauses eine neue zähe Rathausdiskussion vom Zaun zu brechen.

Über den Vorschlag, provisorische Kita-Plätze einzurichten, bis die Baumaßnahmen abgeschlossen sind, sollte man in Levern mal nachdenken. Womöglich bremsen komplizierte Entscheidungswege und bürokratische Vorschriften ein solches Vorhaben aus, aber den Versuch ist es wert.

Es gibt in Levern durchaus Leerstände, die man mit etwas gutem Willen ziemlich schnell nutzen könnte. Die Eltern, die dringend eine Betreuung für ihre U-3 Kinder brauchen und wirklich in Not sind, würden sich über eine unkomplizierte Übergangslösung garantiert freuen.

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