Sunderner stellen Info-Tafeln auf – Um 1850 existierten Schächte – Bagger sacken ein
Spannendes über Kohle und Ziegeleien

Sundern (WB). Wer über den Sunderner Hügel wandert oder ihn durchfährt, dem wird klar: Hier, im Westen der Gemeinde, liegt eines der schönsten Fleckchen von ganz Stemwede. Doch für die Idylle hatten die Menschen dort vor 150 Jahren und früher wohl eher selten einen Blick: Harte Arbeit prägte ihr Leben.

Mittwoch, 06.02.2019, 16:00 Uhr
Reinhard Greger hat viel über Kohleförderung recherchiert. Solche Info-Tafeln informieren jetzt über den Abbau in Sundern, aber auch über die Ziegelei. Foto:
Reinhard Greger hat viel über Kohleförderung recherchiert. Solche Info-Tafeln informieren jetzt über den Abbau in Sundern, aber auch über die Ziegelei.

Davon zeugen Einblicke in die Geschichte Sunderns, die das ehrenamtliche Autorenteam im viel beachteten Heimatbuch »Sundern – gestern und heute« festgehalten hat. Dort oben auf dem Hügel gab es mal mindestens sechs Steinkohlegruben, dazu auch eine – nicht mehr vorhandene – Ziegelei auf »Engelkes Wiese« am Hegerfelder Ort. Um diesen historischen Abschnitt aus der Dorfgeschichte zu dokumentieren, haben Heimatfreude jetzt drei große Info-Tafeln auf Privatgrundstücken des Hügels aufgestellt.

Wissenswertes über Ziegeleiwesen

Umfassend erfährt der Betrachter die Geschichte des Kohle-Abbaus, die der gebürtige Sunderner Reinhard Greger (70) aus Westrup in aufwändiger Arbeit recherchiert hat. Ortsheimatpflegerin Gertrud Premke, deren elterliches Anwesen direkt neben der einstigen Ziegelei liegt, hat die dortige Info-Tafel mit Wissenswertem über das Ziegeleiwesen versehen. Die beiden Hinweistafeln zum Kohleabbau stehen in der Nähe des Glockenturms an der Straße »Glockenbrink« sowie in der Straße »Sunderner Hügel«. Ungefähr an diesen Stellen hat es damals Kohlegruben gegeben. Reinhard Greger, der in jungen Jahren Geografie und Biologie studiert hat, berichtet, dass sich am Sunderner Hügel, aber auch in Levern, Niedermehnen und Destel dicht an der Oberfläche kohlehaltige Tonsteine befinden.

Vor 65 Millionen Jahren, im Tertiär, sei es zum verstärkten Zusammenprall von Afrikanischer und Eurasischer Platte gekommen. Dies habe auch im heutigen Stemweder Raum die Schichtgesteine verbogen, schreibt Greger im Sundern-Buch. Auf dem Sunderner Hügel befinden sich zwischen den festen Sandsteinschichten Schieferschichten mit Muscheln und palmartigen Pflanzenresten, die durch den Druck zu Kohle wurden und mehr oder wenige mächtige Flöze bildeten – etwa 10 bis 50 Zentimeter stark.

Etwa Mitte des 19. Jahrhunderts begann in Sundern und Umgebung der Kohleabbau von Menschenhand. Aus dem Jahr 1854 gibt es amtliche Lagepläne des Oberbergamtes Dortmund mit Eintragungen von vier Steinkohle-Zechen. Auch aus Levern sind zwei Zechen bekannt, aus Destel eine.

Harte körperliche Arbeit

Klar ist, dass der Abbau eine enorme Schufterei gewesen sein muss. »Die Menschen dürften mit der Schaufel begonnen haben, Schächte in die Erde zu buddeln«, sagt Reinhard Greger. »Leider konnten wir über die Arbeitsbedingungen so gut wie nichts in Erfahrung bringen. Es gibt auch keine Aufzeichnung darüber, wo die abgebaute Kohle geblieben ist oder wer sie gekauft hat. Es war aber das Zeitalter, in dem der Steinkohlebergbau in Deutschland seine Anfänge hatte und mit zunehmender Industrialisierung enorm Fahrt aufnahm.«

Überraschung auf Bauplatz

Heute sind die Stemweder Kohlegruben längst zugeschüttet oder als solche nicht mehr erkennbar. Dass es sie mal gab, machen sie manchmal auf ziemlich unliebsame Art klar. So erzählen sich die Bewohner der Straße »Sunderner Hügel«, dass dort vor Jahren einmal ein Baggerfahrer zu weit auf den Seitenrand geriet und das schweres Fahrzeug erheblich einsackte. Dort musste also eine Kohlegrube gewesen sein.

Eine ungeahnte Überraschung erlebte im vergangenen Jahr ein Bauherr, der an der Leverner Buchhofstraße auf einem Grundstück ein Haus bauen wollte. Beim Ausschachten sackte auch dort der Bagger in ein tiefes Loch. Recherchen ergaben, dass an dieser Stelle im 19. Jahrhundert nach Kohle gegraben wurde.

Reinhard Greger dankt der Stemweder Werbeagentur »Creativ Impuls« von Daniela Niermann, die das Vorhaben »Info-Tafeln« tatkräftig unterstützte, sowie allen ehrenamtlichen Helfern und der Bezirksregierung, die Geld für die Schilderaktion bereitstellte. »Wir Sunderner Heimatfreunde wollen zukünftig ergründen, was die zahlreichen Steinkuhlen auf dem Hügel mit den Kohleschächten zu tun haben«, verspricht der 70-Jährige.

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