Mi., 17.04.2019

Friedhelm Riemeyer bildet Trüffel-Suchhunde aus und betreibt Plantage in Haldem Wer schnüffelt und wühlt, der findet

Friedhelm Riemeyer demonstriert, wie er mit diesem Spezial-Eisen den Trüffel vorsichtig aus der Erde holen würde. Voraussetzung wäre natürlich, dass Terrier »Sammy« den Edelpilz unter der Erde aufgespürt hätte.

Friedhelm Riemeyer demonstriert, wie er mit diesem Spezial-Eisen den Trüffel vorsichtig aus der Erde holen würde. Voraussetzung wäre natürlich, dass Terrier »Sammy« den Edelpilz unter der Erde aufgespürt hätte. Foto: Dieter Wehbrink

Von Dieter Wehbrink

Stemwede (WB). Man ahnt, was diese Vierbeiner gerade denken: »Stoßen wir vielleicht doch auf das, was Herrchen sucht, und bekommen als Belohnung Leberwurst?« Es ist ein ziemlich ungleiches Hundetrio, das hier oben am Stemweder Berg in Haldem intensiv auf einer eingezäunten Natur-Ausgleichsfälle mit geschulten Nasen im Gras schnüffelt.

Herrchen Friedhelm Riemeyer lässt Rottweiler »Mützemann« (7), Terrier-Mix »Sammy« (7) und Retro-Mops »Tussi« (3, ein Hund mit etwas längerer, atemfreundlicher Mops-Nase) gewähren. »Sie finden die Dinger hier sowieso nicht, weil sie keinen Geruch ausströmen und die Plantage noch viel zu jung ist«, sagt der Hunteburger.

In freier Natur geschützt

»Die Dinger« – das sind Trüffel, die teuersten Speisepilze überhaupt. Was viele nicht wissen: Auch hier, im kalkhaltigen Stemweder Berg, sind die unterirdischen Edelpilze zu finden. Ernten darf man sie in freier Natur allerdings nicht – sie sind streng geschützt und stehen seit 1986 auf der roten Liste. Anders jedoch im gezielten Anbau, so wie ihn Rentner Friedhelm Riemeyer (68) auf mehreren Plantagen in der Region betreibt.

400 Laubbäume gepflanzt

Auf der einen Hektar großen Fläche in Haldem – eine behördlich genehmigte Ausgleichsfläche für eine Biogasanlage unten im Dorf – hat Pächter Riemeyer 400 junge Bäumchen gepflanzt. Es sind allerdings keine normalen Laubbäume, denn sie wurden vor der Pflanzung mit Trüffelsporen präpariert. Damit Trüffel überhaupt entstehen können, gehen diese Pilze eine Verbindung mit den Feinwurzeln von Laubbäumen ein. Vermutlich wirkt sich diese Verbindung zum beiderseitigen Nutzen aus. Sie spenden sich gegenseitig Nährstoffe im Austausch, die lebenswichtig für beide sind – für die Trüffel und den Baum.

Die feine Nase der Hunde

Im Idealfall könnten sich in Haldem bis 15 bis 20 Trüffel im Erdreich um einen Baum bilden – in einer Tiefe von maximal 30 Zentimetern. Die richtigen Stellen zu finden – das ist dann Aufgabe von »Mützemann«, »Sammy« und »Tussi«, denn sie sind von Friedhelm Riemeyer, einem ehemaligen Hundeschule-Betreiber, als Trüffelsuchhunde ausgebildet worden. »Nur wenn der Trüffel reif ist und sich vermehren möchte, strömt er diesen speziellen Geruch aus, den die guten Nasen der Hunde mühelos riechen können«, sagt Riemeyer. In anderen Ländern bildet man Hausschweine als Trüffelsucher aus. »Hunde können das aber genau so gut«, betont Riemeyer.

Wild frisst den Trüffel

In der freien Wildbahn würde ein solcher Trüffel von Wildtieren aufgespürt. Sie wühlen die Erde auf und fressen den stark riechenden Trüffel, der in dieser Zeit voller Pilzsporen ist. Die Tiere scheiden die Sporen über ihren Kot wieder aus. Durch den Regen dringen die Sporen ins Erdreich ein, haben aber nur dann die Chance, neue Trüffel zu bilden, wenn sie auf Laubbaum-Wurzeln treffen. Erst dann beginnt der Kreislauf aufs Neue.

Leberwurst aus der Tube

Finden Riemeyers Hunde einen Edelpilz, sucht ihr Herrchen mit einem speziellen Grabeeisen vorsichtig danach. »Mützemann«, »Sammy« und »Tussi« sind so ausgebildet, dass sie die Trüffelstelle anzeigen, den Pilz selbst aber nicht beschädigen – er soll ja heil in der Küche landen. Die beiden kleinen Hunde dürfen den Trüffel allerdings spielerisch anstupsen – sie zerstören ihn nicht. Die Vierbeiner werden mit Leberwurst aus der Tube belohnt, wenn sie fündig geworden sind.

Riemeyer hat seine Vierbeiner extrem gut im Griff – auch, als plötzlich der sonst so gutmütige Rottweiler den kernigen Terriermix ziemlich heftig in die Schranken weist. Der dreiste Kleine hatte es gewagt hat, dem Großen das geliebte Stöckchen wegzunehmen. Ein lautes Wort, ein unerschrockener Griff von Riemeyer ins Rottweiler-Fell, und schon ist wieder Ruhe. Davon unbeeindruckt erzählt der Hunteburger weiter.

Preise ab 100 Euro pro Kilo

»15 bis 20 Trüffel bilden etwa ein Kilo«, sagt Riemeyer. Er verkauft die Erdpilze auf Wochenmärkten, aber auch an Häuser der gehobenen Gastronomie. »Etwa 100 Euro und aufwärts kann ich pro Kilo erzielen.« Speziell in der Haute Cuisine wird geriebener Trüffel als geschmackliche Verfeinerung edler (und teurer) Gerichte geschätzt. »Pasta, Eier, Reis, Fisch und Fleisch – alles kann mit Trüffel geschmacklich aufgewertet werden«, erzählt Riemeyer. Er selbst bevorzugt aber lieber gängige Speisepilze.

Ein Video auf Youtube

Erntezeit der Trüffel ist zwischen Juli und März – abhängig davon, wie die Wasserversorgung in der Natur oder auf den Plantagen war. Die Plantage selbst braucht viel Aufmerksamkeit. Notwendig ist eine intensive Bewässerung. Und damit Feld- und Wühlmäuse nicht die jungen Bäumchen schädigen, hat Friedhelm Riemeier Ansitzstangen für Raubvögel sowie Mäuse-Lockkästen gebaut. Die Nager nisten sich in den Kästen ein, wissen aber nicht, dass das Einschlupfloch so groß ist, dass auch das Mauswiesel hineinkommt und die Schädlinge fängt – sie sitzen in der Falle.

Trüffel kommen weltweit vor. Die größten Produzenten sind Frankreich, Italien und Australien. »Früher war Deutschland ebenfalls ein Trüffel-Exportland«, weiß Riemeyer. »Das galt nachweislich auch für die Gegend am Stemweder Berg.«

Wer sich im Internet anschauen möchte, wie Riemeyers Hunde Trüffel suchen, kann bei Youtube den Betriff »Trüffeltussi« eingeben und findet ein Video.

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