Sa., 18.05.2019

Webcam zeigt Nachwuchs des Storchenpaares am Eichenkamp Flori und Helene verzücken Dielingen

Eines der Bilder. die die Dielinger Webcam vom Storchennachwuchs im Eichenkamp gemacht hat.

Eines der Bilder. die die Dielinger Webcam vom Storchennachwuchs im Eichenkamp gemacht hat. Foto: Dielinger Runde

Von Dieter Wehbrink

Stemwede (WB). Flori und Helene machen ihren berühmten Namensgebern etwas vor, wenn es um dauerhafte Beziehungen geht: Die Dielinger Störche, von ihren Fans aus der Koppelsiedlung spaßeshalber vor vier Jahren nach Florian Silbereisen und Helene Fischer benannt, haben Nachwuchs.

Aus den fünf Eiern waren bis Mittwoch, 15. Mai, vier Küken geschlüpft. Gestern, 17. Mai, lagen offenbar nur noch drei im Nest. Die örtlichen Storchenfreunde, aber auch eine große Fangemeinde außerhalb Dielingens können sich jederzeit einen Überblick über das Geschehen hoch oben im Nest verschaffen. Dafür sorgt eine Storchen-Kamera, die fortlaufend Fotos ins Internet überträgt. Sie ist über die Web-Seite des Vereins Dielinger Runde (www.dielingen.de) zu erreichen. Dessen Vorsitzender Jürgen Gräber freut sich über den Erfolg der Webcam-Aktion und dankt allen beteiligten Helfern für ihr Engagement.

Nach Jahrzehnten der Abwesenheit wieder Störche im Dorf

»Die Küken sehen gut aus«, freut sich Anwohner Holger Reitmeyer, dessen Familie – vor allem Sohn Tobias – einer der vielen Förderer und Freunde von Flori und Helene ist.

Nachdem über Jahrzehnte hinweg kein Storch in Dielingen brütete, waren vor vier Jahren plötzlich Flori und Helene da. Sie nahmen das Nest am Rande der dicht bebauten Koppel-Siedlung an und brüteten. Im ersten und dritten Jahr gab es leider keinen Nachwuchs, dafür zog das Paar aber im zweiten Jahr ein Küken groß. 2018 war es aufgrund der Trockenheit extrem schwierig für Flori und Helene. »Wohl auch wegen der fehlenden Regenwürmer gelang die Aufzucht nicht«, vermutet Holger Reitmeyer.

Nest-Versetzung stört Störche nicht

Storchenmann Flori kehrte in diesem Frühjahr am 18. März zurück, seine Partnerin nur einen Tag später. Zwischen dem 6. und 11. Mai schlüpften die vier Jungtiere. Möglicherweise war das fünfte Ei nicht befruchtet. Das Dielinger Storchenpaar nahm es im vergangenen Frühjahr übrigens nicht übel, dass die Gemeinde Stemwede im Winter das Nest wenige Meter versetzen musste. Es hätte sonst zu dicht am künftigen Baugebiet »Am Linnebach« gestanden. Dort wäre es von den Bauarbeiten gestört worden.

Der Horst steht jetzt auf dem Gelände des Regenrückhaltebeckens der Gemeinde. Das Storchenpaar beschäftigte übrigens die Stemweder Lokalpolitik nicht nur wegen der Nest-Umsiedlung: Das Vorhaben, in der Nähe des Nestes eine öffentliche Sitzgelegenheit zum Beobachten der Störche einzurichten, stieß bei einigen wenigen Siedlungsbewohnern nicht auf Gegenliebe. Sie befürchteten, dass sich dort ein heimlicher Treffpunkt von Jugendlichen – mit viel nächtlichem Lärm, Müll und anderen unerwünschten Begleiterscheinungen – bilden könnte.

Storchen-Beobachtungsplatz

Im Gegenzug war allerdings die Zahl der lokalen Befürworter eines solchen Platzes riesengroß. Die Gemeinde entschied sich schließlich für eine etwas abgespecktere Version. Entstanden ist eine Bank samt Mülleimer (den die Gemeindearbeiter regelmäßig leeren) und eine Info-Tafel des Komitees »Rettet den Weißstorch«. Spaziergänger und Radfahrer halten dort gern an, um den Störchen eine Weile zuzusehen. Befürchtete »unschöne Vorkommnisse« sind ausgeblieben.

Ihr Futter suchen Flori und Helene oft auf dem Placken und im nahen Ochsenmoor. Bei der jetzt anstehenden Grasmahd oder bei Pflügearbeiten laufen sie hinter den landwirtschaftlichen Maschinen her, um Regenwürmer, Insekten oder Mäuse zu erbeuten. Zudem lockt das nahe naturbelassene Ochsenmoor mit seinen feuchten Wiesen das Storchenpaar an. Dort stolziert es unter seinesgleichen umher, denn auch am Schäferhof in Stemshorn sowie im Hüder Nest brüten Störche.

86 Horste im Mühlenkreis besetzt

Unter den Akteuren des Aktionskomitees »Rettet den Weißstorch« ist aktuell die Freude groß, denn mit Stand vom 13. Mai sind im Kreis Minden-Lübbecke 86 Horste paarweise besetzt. »Zur Erinnerung: 2018 hatten wir 74 brütende Storchenpaare«, weiß Tobias Reitmeyer, der die Zahlen regelmäßig auf der Internetseite des Komitees verfolgt. Positiv ist die Entwicklung auch in Stemwede. Besetzt, beziehungsweise schon bebrütet, werden neben dem Dielinger Nest ein Horst in Destel (bei Müller), drei Nester in Oppenwehe (Summann, Barkhüser, Kaspeldamm), zwei in Niedermehnen (Marten, Trafo-Tierhotel), eines in Wehdem (Becker) und eines in Levern (Niederheide).

Etwas kurios ist das Verhalten der Leverner Störche, die mehrere Jahre lang zuverlässig in der Niederheide bei Familie Pape brüteten. Am 8. April wurde ein Paar beobachtet, das den Horst am 13. April verließ und danach auf einem etwa 400 Meter entfernten Strommast ein Nest baute. Der Grund ist unbekannt. Ab dem 16. April war offenbar nur noch ein Storch vor Ort.

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