Sa., 25.05.2019

Am Dümmer entstehen 253 Ferienhäuser und 223 Wohnungen Erste Urlauber für August erwartet

253 Ferienhäuser in diesem Stil, aber in unterschiedlicher Größe, sollen entstehen. 80 Baugenehmigungen hat der Kreis schon erteilt.

253 Ferienhäuser in diesem Stil, aber in unterschiedlicher Größe, sollen entstehen. 80 Baugenehmigungen hat der Kreis schon erteilt. Foto: Christian Althoff

Von Christian Althoff

Lembruch (WB).  Der »Marissa-Ferienpark« am Dümmer nimmt Formen an. »Im August erwarten wir die ersten Urlauber«, sagt Sprecherin Sandra Zietlow. Das Projekt polarisiert. Vor allem Besitzer benachbarter Ferienhäuser halten die  Anlage für zu groß.

Seit Jahrzehnten ist der 1200 Hektar große See kurz hinter der Landesgrenze Wassersportrevier und Rückzugsort vieler Camper und Ferienhausbesitzer aus Ostwestfalen und dem Ruhrgebiet. »Schon Mitte der 60er Jahre hatten meine Eltern hier einen Wohnwagen. Später haben sie auf einem Erbpachtgrundstück ein Häuschen gebaut«, sagt Sigrid Linkenbach-Engelhardt aus Enger (Kreis Herford).

Seit ihrer Kindheit verbringt sie die Wochenenden hier und erinnert sich gerne an früher: »Samstags musste die ganze Familie Unkraut zupfen und alles in Ordnung bringen. Sonntags konnten wir dann mit unserer Jolle segeln.« Auch heute noch fährt die Frau übers Wochenende nach Lembruch, aber die Idylle von damals gibt es in ihren Augen nicht mehr: »Gucken Sie sich das doch mal an. Vierstöckige Flachdachklötze mit hellem Klinker – das passt doch nicht in die Landschaft!«, sagt Si­grid Linkenbach-Engelhardt und zeigt über ihre Hecke.

Früher war dort der Schoddenhof, ein Campingplatz mit 500 Parzellen. Nun wächst hier auf 180.000 Quadratmetern der »Marissa-Ferienpark«. »Hier entsteht etwa Großes«, verkündet ein Werbeschild am Bauzaun, und in der Tat: 253 Ferienhäuser und 36 Appartementhäuser mit 223 Ferienwohnungen sollen hier bis Ende 2021 am Ostufer stehen.

253 Ferienhäuser in diesem Stil, aber in unterschiedlicher Größe, sollen entstehen. 80 Baugenehmigungen hat der Kreis schon erteilt. Foto: Christian Althoff

Die kleinsten Ferienhäuser haben 84 Quadratmeter und kosten komplett eingerichtet 270.000 Euro. Die kleinste möblierte Wohnung (37 Quadratmeter) gibt es für 170.000 Euro. Zehn Wochen im Jahr dürfen die Besitzer ihre Immobilie selber nutzen, in der übrigen Zeit wird sie vom Ferienhaus-Unternehmen Novasol für die Besitzer vermarktet. Bauherr ist die 2011 gegründete »Wald & Welle GmbH«. Geschäftsführer Erik Winther rechnet mit bis zu 500.000 Übernachtungen pro Jahr.

Rüdiger Scheibe, Bürgermeister der Samtgemeinde Lemförde, freut sich auf die Fertigstellung: »Damit kommt endlich frischer Wind an den Dümmer!« Früher, sagt Scheibe, hätten 3000 Segelboote am See gelegen. »Da gab es Wartelisten für Stegplätze.« Mit der Wende seien viele Segler auf ostdeutsche Binnengewässer abgewandert, und auch das Freizeitverhalten sei heute ein anderes. »Jetzt haben wir noch 600 Boote am Dümmer. Das ist symptomatisch.« Es sei Zeit gewesen für etwas Neues, sagt der Bürgermeister, der sich nicht nur Einnahmen für die örtliche Wirtschaft erhofft, sondern auch Impulse für die gesamte Region. »Wer hier Urlaub macht, wird auch mal Ausflüge in den Zoo Osnabrück oder ins Varusschlachtmuseum Kalkriese unternehmen.«

Bereits Ende der 90er Jahre wollten Investoren auf dem Schoddenhof-Gelände etwas Groses schaffen: das sogenannte Schweizer Dorf, eine von Kanälen durchzogene Ferienhausanlage im Stil alpenländischer Häuser. Damals gab es eine sehr aktive Bürgerinitiative, die das Projekt verhindern wollte. Letztlich scheiterte es aber wohl aus finanziellen Gründen. »Diesmal gibt es keine Proteste«, sagt der Bürgermeister. »Natürlich gibt es den ein oder anderen, dem das Vorhaben nicht gefällt, aber das ist ja bei allen Projekten so.«

Siegrid Linkenbach-Engelhardt aus Enger am Wochenendhaus ihrer Familie: Sie stören die geplanten 36 vierstöckigen Appartementhäuser. Foto: Christian Althoff

Der »Marissa-Ferienpark« richtet sich nicht nur an Investoren und Urlauber, seine Einrichtungen sollen auch Tagestouristen offenstehen. Es soll ein Wellness-Haus mit Wasserbecken und Saunalandschaft geben, einen Indoor-Spielplatz, zwei Restaurants und einen aufgeschütteten Badestrand. »Außerdem haben wir gerade die Baugenehmigung für einen Surfclub und eine See-Sauna am Ufer erteilt«, sagt Jens-Hermann Kleine vom Kreis Diepholz. Mit dem Ferienpark steige die Attraktivität der Dümmer-Region erheblich, sagt er. »Davon werden viele Menschen profitieren.«

Auch Naturschützer können mit dem Ferienpark leben. Frank Apffelstaedt, Geschäftsführer des Naturschutzrings Dümmer: »Die Bauten sind kein Problem. Fast das gesamte Ostufer ist ja bebaut. Die Nistplätze vieler Vögel liegen in anderen Bereichen.« Es sei zu begrüßen, wenn mehr Menschen die Natur am Dümmer erleben könnten, sagt Apffelstaedt. »Ich frage mich nur, ob es wirklich eine so große Nachfrage nach Unterkünften gibt.«

Diese Frage treibt auch Henner Hartmann aus Bielefeld um. Das hölzerne Wochenendhaus, das seine Eltern 1963 gebaut haben, liegt unmittelbar neben der Baustelle. »Mir ist das viel zu groß, aber man muss ja auch einsehen, dass die Zeit weitergeht und es immer etwas Neues gibt.« Er habe nur die Sorge, sagt Hartmann, dass die Anlage nicht die erhoffte Nachfrage finde. »Schließlich gibt es genug Großprojekte, die als Bauruinen endeten.«

Diese Angst teilen die Investoren nicht. Sprecherin Sandra Zietlow: »Mehr als 100 Einheiten sind schon verkauft. Damit liegen wir über den Erwartungen.«

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