Sa., 17.08.2019

Viele, auch die NSDAP, verwarfen erste Entwürfe – heute ein vertrautes Motiv Wehdemer Wappen war schwere Geburt

An einer der schönsten und markantesten Stellen im Ort zeigt Stephan Leonhardt das vertraute Wehdemer Wappen. Es ist auf dem Stein im Heitkampsort angebracht worden, der an die 1000-Jahr Feier Wehdems erinnert. In diesem Jahr wird am 28. September das 1050-jährige Bestehen Wehdems gefeiert – mit einem großen Fest rund im den Stemweder Hof (www.wehdem.de).

An einer der schönsten und markantesten Stellen im Ort zeigt Stephan Leonhardt das vertraute Wehdemer Wappen. Es ist auf dem Stein im Heitkampsort angebracht worden, der an die 1000-Jahr Feier Wehdems erinnert. In diesem Jahr wird am 28. September das 1050-jährige Bestehen Wehdems gefeiert – mit einem großen Fest rund im den Stemweder Hof (www.wehdem.de). Foto: Dieter Wehbrink

Von Dieter Wehbrink

Stemwede (WB). Es ist auf den Uniformen des Schützenvereins zu sehen und ziert den 1000-Jahr-Stein am Heitkamps­ort. Doch nur wenige wissen, wie schwierig, holprig und sogar brisant die Entstehungsgeschichte des Wehdemer Wappens war.

Stephan Leonhardt aus Wehdem beschäftigt sich in seiner Freizeit intensiv mit Heimatforschung. Der Stemweder Ratsherr hat bei einem Besuch im Stemweder Archiv in Lübbecke Erstaunliches über das Wehdemer Wappen erfahren. Die Archivmitarbeiterinnen Christel Droste und Bettina Rohlfing zeigten ihm die entsprechenden Unterlagen.

»Die Zeitreise beginnt zunächst Anfang des Jahres 1935 mit einer Verordnung, die es den Gemeinden und Ämtern ermöglichte, eigene Wappen zu gestalten und als Institution in den Amtsgeschäften zu führen«, hat Leonhardt recherchiert. »Bereits am 11. Oktober 1935 schrieb der damalige Oberpräsident der Provinz Westfalen einen Brief an alle Landräte und Amtsbürgermeister, so auch an den damaligen Amtsbürgermeister in Dielingen. Er wies darauf hin, dass – wenn ein Wappen beantragt würde – mindestens vier Entwürfe beizulegen seien und dass eine Wappen-Beschreibung jeweils dazu gehöre. Ferner solle eine Stellungnahme des Preußischen Staatsarchivs angefordert werden.

Erste Entwürfe erstellt

Diesem Brief folgte eine gut eineinhalbjährige Zeit, in der man sich auf Amtsebene daran machte, Wappenentwürfe zu erstellen. In diese Zeit fiel auch ein Vorschlag aus Diepholz, der darauf hinwies, dass in einem altem Wappen der damaligen Gografschaft Stemwede ein »geteilter, halber Adler« im Schilde geführt worden war. »Dieser Vorschlag wurde ergänzt mit dem Hinweis, die andere Hälfte des Schildes mit dem Abbild der Wehdemer Kirche zu versehen. Dieser Vorschlag stammte vom 10. Juli 1936«, sagt Leonhardt.

Als Antwort erhielt der Absender eine kurze Mitteilung der Amtsführung in Dielingen, dass man »wegen der Einstellung der evangelischen Kirche zum Dritten Reich« von der Hinzufügung der Wehdemer Kirche Abstand nehme. Stattdessen machte man den Gegenvorschlag, ein westfälisches Bauernhaus mit beiden Pferdeköpfen abzubilden.

Vor diesem Hintergrund wurde dann auch das Preußische Staatsarchiv eingeschaltet. Es schlug vor, aus historischen Gründen den alten Rittersitz – das Schloss Haldem – in die Entwurfswahl einzubeziehen, genauer gesagt das Wappen derer von Wede, das einen »mit Federn geschmückten Ring« zeige.

Heimatforscher Heinrich Strangmeier

In der weiteren Korrespondenz zu einem möglichen neuen Wappen wurde dann auch der in Oppendorf geborene, aber in Hilden lebende Verwaltungsbeamte und Heimatforscher Heinrich Strangmeier einbezogen. Man bat auch ihn um eine Stellungnahme und Vorschläge. Strangmeier lehnte die Darstellung der Symbole historischer Rittergeschlechter ab – mit dem Hinweis, dass darüber eine Identifikation der Bevölkerung nur schlecht möglich sei und die mittelalterliche Bevölkerung ja nur wenige Kontakte und damit ein distanziertes Verhältnis zum Adel hatte.

Der Experte schlug dagegen vor, ein niedersächsisches Bauernhaus abzubilden, das Wappenschild ferner anzureichern mit der Farbe Grün, um auf diese Weise die grünen Wiesen zu symbolisieren. Das Preußische Staatsarchiv lehnte Strangmeiers Vorschlag aber ab und schlug vor, das Wappen anzulehnen an ein Siegel eines Gorichters »auf dem Stemwede« namens Gerke Wedeham, der 1441 in Erscheinung trat. Dieses Siegel beinhalte ein schräg abwärts gerichtetes Schwert. Zudem könne man sich vorstellen, dass die Mindener Schlüssel des Bistums ebenfalls gut auch auf das Wappenschild passen würde. Diese Mitteilung ging dann im Mai 1937 an den Amtsbürgermeister in Dielingen.

Gauleitung ist nicht begeistert

1937 schaltete sich erstmals offensichtlich die Gaukreisleitung der NSDAP in diese Angelegenheit ein. Sie lehnte den bis dahin beschriebenen Entwurf mit den Mindener Schlüssel ab, mit der Begründung, dass »dadurch kirchliche Erinnerungen wachgerufen werden«. »Das kann man dem Inhalt eines Schreibens entnehmen, das dem Amtsbürgermeister am 23. Februar 1938 als Antwort übermittelt wurde«, sagt Stephan Leonhardt.

1938 schlug erstmals ein Grafiker aus Münster vor, den sogenannten Dreiberg (Hinweis auf die Stemweder Berge) als heraldisches Element in das Wappen einzusetzen. »Der Dreiberg wie das Schwert fanden später dann tatsächlich Verwendung und wir können diese heraldischen Element noch heute im Stemweder Wappen sehen«, weiß Leonhardt.

schräg abwärts gerichtetes Kurzschwert

Der Grafiker machte auf der Basis Dreiberg in Kombination mit dem Schwert sowie dem Giebel eines Bauernhauses mehrere Vorschläge. »Das Amt Dielingen-Wehdem hatte in den folgenden Wochen und Monaten des Jahres 1938 noch einigen Schriftverkehr, in den auch die Kreisleitung der damaligen Machthaber einbezogen war«, sagt Leonhardt. »Fast fertig war das Wappen im November 1938, als eine Kombination der Wappensymbole beschrieben wurde, die dem späteren Wappen annähernd entsprach.« Im Februar 1938 konnte man dann die endgültige Fassung festhalten: »Im silbernen Schild ein schwarzes, schräg abwärts gerichtetes Kurzschwert, im silbernen Schildeshaupt ein roter Dreiberg.«

Diese Version wurde am 3. März 1939 durch Gauleitung der NSDAP genehmigt und am 1. Juli 1939 im »Amtsblatt der Preußischen Regierung in Minden« veröffentlicht. So entstand das Wappen des alten Amtes Dielingen-Wehdem.

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