Gemeindeverwaltung ist in Sorge: Jakobskreuzkraut breitet sich aus
Giftpflanze bedroht das Vieh

Stemwede (WB/ni/weh). Wer in diesen Tagen mit offenem Blick durch die Stemweder Landschaft geht, kann sie an mehreren Stellen entdecken. Sie blüht gelb und ist optisch hübsch – aber sie ist eine Mörderpflanze.

Freitag, 23.08.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 23.08.2019, 10:16 Uhr
Vor allem an Wegesrändern, aber auch auf extensiv genutzten Flächen bereitet sich das gefährliche Jakobskreuzkraut aus. Es ist für Tiere hochgiftig, selbst noch als Heu. Die beiden vergangenen trockenen Jahre haben der Pflanze nichts anhaben können. Foto: dpa
Vor allem an Wegesrändern, aber auch auf extensiv genutzten Flächen bereitet sich das gefährliche Jakobskreuzkraut aus. Es ist für Tiere hochgiftig, selbst noch als Heu. Die beiden vergangenen trockenen Jahre haben der Pflanze nichts anhaben können. Foto: dpa

Der Baubetriebshof der Gemeinde Stemwede hat in den vergangenen Tagen darauf hingewiesen, dass sich das gefährliche Jakobskreuzkraut in weiten Teilen Stemwedes ausgebreitet hat.

»Betroffen sind auch Straßenränder und offene Flächen«, gab Bürgermeister Kai Abruszat bekannt. Das Kraut könne lebensbedrohlich für Pferde, Rinder, Schafe und Ziegen sein, wenn es von ihnen gefressen beziehungsweise beim Mähen mit ins Heu gerate. Es enthält ein starkes Lebergift, das bei massenhafter Aufnahme zum Tod der Tiere führen kann.

Auch für Menschen gefährlich

»Als Gemeinde im Schulterschluss mit Landwirten und Umweltamt werden wir alles tun, damit es sich nicht weiter ausbreitet und es zur Blüte beziehungsweise Samenbildung kommt«, meinte der Bürgermeister.

Das Jakobskreuzkraut, eine eher unscheinbare, gelb blühende Pflanze, sei sehr anpassungsfähig und produziere etwa 150.000 Samen pro Pflanze. Es bestehe beim Mähen bei Hautberührung eine Vergiftungsgefahr auch für Menschen und auch die Wurzeln sollten beim Ausgraben nicht berührt werden, also Handschuhe tragen«, zitierte Abruszat aus einem Ratgeber der Landwirtschaftskammer.

Kompostieren ist ausgeschlossen

Auch müsse immer eine komplette Entsorgung der Pflanzen, am besten durch Verbrennen erfolgen. Ausgeschlossen sei die Kompostierung. Dann würden sich die Samen noch weiter ausbreiten. Aktuell seien derartige Pflanzen in Arrenkamp, Westrup und Sundern gefunden worden. »Der Bauhof der Gemeinde hat Fachpersonal und kümmert sich um die Identifizierung der Kräuter. Da sie gefährlich sein können, rate ich dazu, dass sich Bürger sich beim Fachpersonal oder beim Bauhof melden sollten«, sagte Abruszat. Wegen des Krautes könnten sich Bewirtschaftungsprobleme besonders auf den in Stemwede vorkommenden sandigen Böden ergeben. Man verzeichne in den vergangenen zehn Jahre eine vermehrte Ausbreitung der Pflanze in Deutschland.

Seit ungefähr 2004 entwickelt sich die Ausbreitung der Giftpflanze Jakobskreuzkraut in Nordrhein-Westfalen zum Problem.

Pflanze liebt Stilllegungsflächen

Anders als bei Ambrosia oder Bärenklau handelt es sich nicht um einen Neophyten, sondern um eine alte heimische Pflanze, Das Jakobskreuzkraut mit botanischem Namen Senecio jacobaea tritt in Nordrhein-Westfalen inzwischen in allen Regionen verstärkt auf. Verbreitet ist es besonders auf Stilllegungsflächen, extensiv genutzten Weiden, insbesondere Pferdeweiden, Extensivgrünlandflächen, Wegrändern und Böschungen. In intensiv genutzten Rinderweiden wird es bislang zwar noch seltener, jedoch auch zunehmend angetroffen.

Gift reichert sich in Tierleber an

Die Giftigkeit des Jakobskreuzkrauts beruht auf der Wirkung verschiedener Pyrrolizidin-Alkaloide, die zu chronischen Lebervergiftungen führen. »Die Gefahr ist deshalb nicht zu unterschätzen, da die Auswirkungen der Vergiftung kumulativ sind und dadurch chronische Erkrankungen auftreten können«, warnt die Landwirtschaftskammer. »Die Giftstoffe reichern sich in der Leber langsam an und führen dann zu den chronischen Krankheitsprozessen. Die Pflanze ist nicht nur im frischen Zustand giftig, die Alkaloide werden auch nach Heu- und Silagebereitung nicht abgebaut.«

Die Gefahr sei erheblich, wenn man sich vor Augen führe, dass ein einzelner ausgewachsener Trieb im Mittel etwa 70 Gramm wiege. 15 Triebe würden zusammen bereits ein Kilo wiegen. »Wird einer 700 kg schweren Kuh diese Menge einhundert Mal angeboten, ist bereits die tödliche Dosis erreicht. Jegliche Verfütterung sollte daher konsequent vermieden werden, denn erste Schäden sind bei einem chronischen Krankheitsgeschehen bereits nach Aufnahme erheblich geringerer Futtermengen zu erwarten«, warnt die Landwirtschaftskammer.

Dazu ein Kommentar von Dieter Wehbrink:

Es ist ein Fluch, der über die Weidevieh-Halter hereingebrochen ist. Sie beobachten mit Schrecken, dass die Ausbreitung des Jakobskreuzkrautes in diesem Spätsommer besonders schlimm ist. Ein zusätzliches Riesenproblem für die Tierhalter, denen auch der trockenheitsbedingte Futtermangel mit Blick auf den nächsten Winter Kummer bereitet.

Das Giftkraut effektiv zu bekämpfen ist nahezu unmöglich. Zwar besteht die Möglichkeit der Chemiekeule, doch der enthaltene Wirkstoff wird nur sehr langsam abgebaut und kann deshalb noch lange nach der Ausbringung Schäden an nicht behandelten Kulturen verursachen. Außerdem müssen mit Chemie abgetötete Pflanzenteile von der Fläche entfernt werden, damit Weidetiere dieses Material nicht aufnehmen. Bliebe also nur das mühsame manuelle Ausstechen jeder einzelnen Pflanze. Doch das ist mühsam und höchstens auf sehr kleinen Flächen machbar. Außerdem ist diese Handarbeit ein aussichtsloser Kampf gegen die unheimliche Verbreitung der Giftpflanze.

 

 

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