Fr., 11.10.2019

Nach der Trockenheit: Gemeinde erwägt weiteren Brunnen und Filteranlage Vorsorge gegen Trinkwasser-Notstand

Das Becken des Wasserwerks Destel. In den Dürresommern war der Verbrauch enorm hoch, teilweise sogar kritisch

Das Becken des Wasserwerks Destel. In den Dürresommern war der Verbrauch enorm hoch, teilweise sogar kritisch Foto: Dieter Wehbrink

Von Dieter Wehbrink

Stemwede (WB). Nach den Regenfällen der vergangenen Tage ist ein großes Problem der vergangenen zwei Sommer nicht mehr ganz so stark präsent. In der Stemweder Gemeindeverwaltung wirken die Trockenheit und ihre Folgen allerdings nach.

Neben dem notwendig gewordenen Fällen vieler vertrockneter Bäume auf Gemeindegrund geht es auch um die Trinkwasserversorgung der Bürger. Im Falle weiterer Hitzesommer sollen Engpässe wie 2018/2019 vermieden werden. Wiederholt hatte die Gemeinde im Sommer die Bürger auffordern müssen, mit dem Trinkwasser sparsam umzugehen und vor allem die Gartenbewässerung mit Wasser aus der öffentlichen Leitung zu reduzieren beziehungsweise ganz einzustellen.

Zu Verboten kam es nicht

Der Appell erfolgte zunächst höflich, dann aber – mit fortschreitendem Regenmangel – auch mal energischer. Zu einem Verbot der Gartenbewässerung mit gleichzeitiger Androhung von Konsequenzen bei Nichtbeachtung kam es nicht.

Die Verantwortlichen um Wasserwerksleiter Ulrich Hüffmann schmieden jetzt Pläne, wie die Gemeinde auf einen vergleichbaren Wassermangel besser vorbereitet sein kann. »Abends um 18 Uhr, wenn alle zuhause waren, wurde der Rasen gesprengt«, berichtete Dieter Lange von der Gemeindeverwaltung während der jüngsten Sitzung des »Betriebsausschusses. »Dann gab es Probleme mit dem Trinkwasser-Vorrat in den Hochbehältern der Gemeinde. Es war in diesem Sommer in ein oder zwei Momenten ganz schön eng.«

Enormer Mehrverbrauch

In den Sommern 2018/2019 mussten erhebliche Mengen Trinkwasser an die Haushalte geliefert werden. »Der Verbrauch war aufgrund der trockengefallenen Brunnen in der Landwirtschaft, Bewässerung der Gärten und einer Vielzahl privater Pools zeitweise extrem gestiegen«, resümiert die Gemeindeverwaltung.

Aus dem Wasserwerk Dielingen würden an »normalen« Sommertagen etwa 1800 Kubikmeter abgegeben. Im Sommer 2019 wären es jedoch bis zu 2700 Kubikmeter gewesen. Die Gemeindeverwaltung sucht nach Lösungen, um solche erhöhten Verbrauche zu bewältigen: »Um diese hohen Abnahmemengen in das Verteilungsnetz fördern zu können, wird ein zusätzlicher Förderbrunnenstandort in Dielingen erkundet.« Bei einer nachgewiesenen akzeptablen Förderleistung solle ein solcher Brunnen ausgebaut werden, schlägt die Verwaltung vor.

Doch lediglich mehr Wasser aus einen zusätzlichen Brunnen aus der Tiefe zu fördern, löst das Problem nicht allein. Das aufwendige Aufbereiten mittels Filteranlagen kostet Zeit. Oft waren es in den Wasserwerken der Region die Filteranlagen, die dem hohen Verbrauch nicht schnell genug folgen konnten. Dabei stand zumeist genügend Wasser in der Tiefe zur Verfügung. »Zusätzlich ist deshalb geplant, im Wasserwerk Dielingen eine zweite Filterstraße zu errichten, um eine höhere Betriebssicherheit zu gewährleisten. Damit kann beim Rückspülen einer Filterstraße weiterhin Wasser in das Verteilernetz gefördert werden«, schreibt die Verwaltung. Entsprechende Ausgaben seien bereits im Wirtschaftsplan des Wasserwerks 2020 vorgesehen.

»Trinkwasser ist ein Lebensmittel«

Im Wasserwerk Destel werde die Filteranlage optimiert, um die Filterspülintervalle zu reduzieren. Darüber hinaus würden Rohrnetzverbindungen nach Rahden, Preußisch Oldendorf und zur Samtgemeinde Lemförde geprüft, verspricht die Verwaltung. Solche Rohrnetzverbindungen zu den Nachbarn können im Notfall geöffnet werden, wenn die Stemweder Trinkwasserförderung mal gestört ist. Dies kann in normalen Zeiten bei einem Großbrand in der Gemeinde der Fall sein, wenn die Feuerwehr aus den Hydranten extrem viel Löschwasser entnehmen muss – aber neuerdings wohl auch, wenn es im Sommer extrem trocken ist.

Dieter Lange richtete zum Schluss einen Appell an die Bürger: »Das Stemweder Trinkwasser ist ein Lebensmittel. Damit den Rasen zu sprengen – das passt nicht so ganz.«

Kommentare

Die Wasserknappheit in OWL rührt wohl auch aus nicht so gut ausgebauter Wasserversorgungsinfrastruktur her. Ganz anders im Ruhrgebiet, wo es keine Wasserengpässe gab. Dies wird z.B. in der WDR-Sendung Quarks vom 24.09.2019 berichtet. (Link: https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/quarks-und-co/video-hitze-und-duerre-wie-wir-uns-dem-klimawandel-anpassen-100.html )

Von daher ist es löblich, dass die Gemeinde Stemwede hier die Kapazitäten ausbauen will.

Wenn Landwirte durch den Klimawandel demnächst vielleicht gezwungen sind, ihre Felder zu bewässern, dann kommt das durchaus den Lebensmitteln zu Gute!

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