Fr., 08.11.2019

Emotionaler Gottesdienst der heimischen Landwirte: Predigt mit Applaus belohnt »Den Bauern gilt meine Hochachtung«

Dominik Schmedt, Marc Gülker, Michael Schumacher, Joachim Schmedt, Rainer Meyer (Kreisverbandsvorsitzender) und Pfarrer Michael Beening beim bewegenden Bauerngottesdienst in der Dielinger St. Marienkirche.

Dominik Schmedt, Marc Gülker, Michael Schumacher, Joachim Schmedt, Rainer Meyer (Kreisverbandsvorsitzender) und Pfarrer Michael Beening beim bewegenden Bauerngottesdienst in der Dielinger St. Marienkirche. Foto: Heidrun Mühlke

Von Heidrun Mühlke

Stemwede (WB). »Weil die Trecker Trauer tragen« – mit diesen Worten hat Pfarrer Michael Beening seine Predigt im Bauerngottesdienst in der Dielinger St. Marien-Kirche begonnen. Ein Gottesdienst, der gefeiert wurde, »weil traurige Trecker und deren Besitzer den Beistand und das Gebet gut gebrauchen können«, wusste der Seelsorger.

»Meine Hochachtung gilt den Bauern und ihren Familien, die sich der Herausforderung Landwirtschaft stellen«, sagte der Geistliche. Bauern würden im Einklang mit den Jahreszeiten und in Achtung vor dem Tier- und Menschenwohl ihre Arbeit tun und eine reiche Vielfalt an heimischen Produkten anbieten, die das ganze Volk ernähren könne. Michael Bee­ning appellierte an die Verbraucher: »Nur billig, billig kann nicht sein – hier muss ein Umdenken erfolgen!«

Schlechte Stimmung

Zu dem besonderen Bauerngottesdienst hatte der Pfarrer gemeinsam mit den Landwirtschaftlichen Ortsverbänden Dielingen und Drohne für Mittwochabend in das Gotteshaus eingeladen. Das Thema: die überall zu sehenden »Grünen Kreuze« am Wegesrand und die derzeitige Stimmung in der Landwirtschaft.

Hintergrund waren auch die vielen Protestaktionen im Oktober in ganz Deutschland, aufgerufen durch die Bewegung »Land schafft Verbindung«, initiiert vor allem von jungen Landwirten. Auch im Kreis Minden-Lübbecke erfolgte ein Schlepperkorso (wir berichteten). Am 14. November wollen die Landwirte anlässlich der Umweltministerkonferenz in Hamburg ihre Kritik an der aktuellen Politik deutlich machen und zum Dialog einladen.

»Die Landwirte fühlen sich an den Rand der Gesellschaft gedrückt«, sagte Beening. In sozialen Medien oder bei Stimmungsmache in der öffentlichen Meinung – es sei einfach, den Bauern für alles die Schuld zu geben. Da laufe doch etwas schief! Dass die Bauern täglich, auch an Wochenenden und Feiertagen, für Nahrungsmittel in höchster Qualität sorgen, sei bei vielen leider in Vergessenheit geraten.

Suche, Halt, Trost und Mutmachen

Die Zukunftsangst, die die Bauernfamilien umtreibe, sei groß. »Wir müssen diese Sorgen ernst nehmen«, sagte der Pfarrer. Er sehe seine Aufgabe und die der Kirche auch als seelsorgerische Aufgabe. Im Gottesdienst ging es auch um Suche, Halt, Trost und Mutmachen für die Zukunft.

Und dann geschah etwas ganz Besonderes in der St. Marien-Kirche: Die 250 gerührten Gottesdienstbesucher spendeten Michael Beening Beifall für dessen beeindruckende Predigt. »So etwas habe ich in 26 Jahren hier in der Kirche noch nie erlebt« zeigte sich der Pfarrer bewegt.

»Politik macht Betriebe kaputt«

Beim anschließenden Gedankenaustausch im benachbarten Gemeindehaus wurde immer wieder deutlich, dass es die heimische Landwirtschaft im globalen Wettbewerb mit Umweltdumping und Billiglöhnen nicht leicht habe. »Wir sind nicht gegen Naturschutz, aber wir müssen unsere Familien ernähren können. Wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen«, machte Junglandwirt Dominik Schmedt deutlich. Doch die Politik mache gerade die kleinen und mittleren Betriebe systematisch kaputt.

Die Landwirte seien es leid und wollen nicht mehr der Sündenbock für alles in der Gesellschaft und Politik sein, unterstrich auch Michael Schumacher, Ortsverbandsvorsitzender aus Drohne. »Wir wollen das Gespräch und den Austausch«, machte Joachim Schmedt, Dielinger Gemeindeverbandsvorsitzender, deutlich. »Wir sind gerne Landwirte und wollen es auch in Zukunft weiter sein«, betonten die Initiatoren. Damit erhielten sie viel Verständnis, auch von den nicht landwirtschaftlichen Teilnehmern.

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