Wiedersehen mit Stefan Thünemann – Referat über Tätigkeit in Jugendstrafanstalt
Wenn ein Gefängnis-Seelsorger erzählt

Stemwede (WB). Einen besinnlichen vorweihnachtlichen Adventsnachmittag haben die Stemweder Landfrauen im Berggasthof Wilhelmshöhe in Haldem verbracht. Viel Applaus spendeten die Landfrauen den „Lüttgen Kloogschieters“ der Oppenweher Laienspielschar. Unter der Leitung von Andrea Melcher sorgten die Jungen und Mädchen mit allerlei plattdeutschen Anekdoten für Spaß. Die Tischdekoration wurde von den Ortsgruppen Arrenkamp und Oppenwehe angefertigt.

Donnerstag, 05.12.2019, 10:00 Uhr
Der Landfrauenvorstand, hier Anke Hesekamp (von links), Gudrun Nobbe, Anke Wichering begrüßte Stefan Thünemann. Foto:
Der Landfrauenvorstand, hier Anke Hesekamp (von links), Gudrun Nobbe, Anke Wichering begrüßte Stefan Thünemann.

Als Referent war Pastor Stefan Thünemann eingeladen, der seit 2013 als Gefängnisseelsorger in der Jugendstrafanstalt Herford arbeitet. Der in Dielingen aufgewachsene Seelsorger ist im heimischen Raum sehr bekannt, denn er war viele Jahre lang Gemeindepfarrer in der evangelischen Kirchengemeinde Rahden. Natürlich kannte Thünemann in seiner alten Heimat Stemwede auch viele Frauen unter seinen Zuhörerinnen und freute sich darüber: „Es war ein Heimspiel für mich. Fast die ganze alte Nachbarschaft war da.“

Klare Tagesstruktur

Stefan Thünemann erzählte von seinem Arbeitsalltag im Jugendstrafvollzug. Er betreut dort seelsorgerisch 260 junge Straftäter im Alter von 14 bis 24 Jahren. Der Schwerpunkt des Tagesablaufes für die Insassen liegt in der Ausbildung in unterschiedlichsten handwerklichen Gewerken. „Ziel ist es, dass die Gefangenen zumindest das erste Ausbildungsjahr in der JVA absolvieren und danach im Zuge der Resozialisierung in Betriebe in Westfalen vermittelt werden, um dort ihre Ausbildung möglichst abzuschließen“, sagte Thünemann. „Für andere Jugendliche geht es eher darum, ihnen eine klare Tagesstruktur zu vermitteln. So falle es manchen Verurteilten schwer, morgens pünktlich aufzustehen, den vorgegebenen Tagesablauf einzuhalten, und so überhaupt erst in einen normalen Tag-Nacht-Rhythmus zurück zu finden.

Delikte gehen hin bis zum Mord

“Im Wesentlichen besteht meine Arbeit aus Gesprächen mit den Jugendlichen. Darin geht es etwa um die Beziehung zu den Eltern, den Großeltern oder zu der Freundin während der Haftzeit“, sagte Thünemann. Die Haftdauer der Jugendlichen in Herford betrage zwischen 1,5 bis 2 Jahre. Von 100 Jugendlichen, die vor einem Richter oder einer Richter landen würden, kämen am Ende nur 6 bis 7 in den geschlossenen Vollzug – so wie in Herford. Etwa 60 Prozent von ihnen würden nach offiziellen Erhebungen nach ihrer Haft nicht mehr straffällig.

Wie der Gefängnisseelsorger erläuterte, erstreckt sich der Deliktbereich der Herforder Insassen von der Beschaffungskriminalität wie Einbruch und Diebstahl über Körperverletzung bis hin zum Mord. Für eine Mord-Tat gelten allerdings Haftzeiten von bis zu zehn Jahren.

Stefan Thünemann ist nicht nur für die Gefangenen da, sondern auch für die Bediensteten, wenn diese einen Seelsorger benötigen.

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