Fr., 24.01.2020

Grüne Kreistagsfraktion informiert sich über Oppenweher Areal „Klimawandel verändert Moor“

Ort für seltene Pflanzen und Rückzugsmöglichkeit für die Tierwelt: Das Oppenweher Moor ist eine wilde Landschaft.

Ort für seltene Pflanzen und Rückzugsmöglichkeit für die Tierwelt: Das Oppenweher Moor ist eine wilde Landschaft. Foto: Dieter Wehbrink

Stemwede (WB). Die Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen Minden-Lübbecke hat mit Umweltdezernent Lutz Freiberg, Umweltamtsleiterin Dr. Beatrix Wallberg, der Naturschutz- Arbeitsgruppenleiterin Martina Vortherms und Kerrin Obracy vom BUND Diepholzer Moorniederung das Naturschutzgebiet Oppenweher Moor besucht. Die Grünen informierten sich über die Pflegemaßnahmen im Moor und über die Entwicklung der Kranichbestände.

Das Naturschutzgebiet liegt in der naturräumlichen Einheit „Diepholzer Moorniederung“ und besteht aus Hochmoorflächen, Moorwäldern und in den Randbereichen Grünland- sowie einigen Ackerflächen. Seit etwa 30 Jahren werden Maßnahmen zur Wiedervernässung und Renaturierung durchgeführt. Dieses Hochmoor wurde früher lediglich im bäuerlichen Handtorfstichverfahren abgetorft – nie industriell. So zeigten sich in den vergangenen Jahren in den gut vernässten Torfstichen eindrucksvolle Erfolge, die durch die Trockenheit der vergangenen beiden Sommer bedroht sind. Einige Torfstichsenken enthielten nur wenig Wasser.

Kranichbestände entwickeln sich gut

Ziel ist es, das etwa 460 Hektar große Oppenweher Moor mit gezielten Pflegemaßnahmen in seiner ursprünglichen Form zu erhalten. Das konkurriert oftmals mit den Interessen der Vögel, die nach entsprechenden Nistplätzen suchen. Die Kranichbestände entwickeln sich jedoch sehr gut.

Die Kranichzähler melden vom Großraum Dümmer, dem südlichen Niedersachsen und dem angrenzenden NRW für den Oktober 2019 einen Durchzug von etwa 35.000 Kranichen. Die offenen Moorflächen dienen diesen Vögeln als Rastplatz, doch zum Schlafen ziehen sie sich in die nördlicheren Geestmoore zurück – in Gewässer mit Flachwasserbereichen.

„Kerrin Obracy leitet und koordiniert mit ihrem Team vom BUND Diepholzer Moorniederung die Pflegemaßnahmen im Oppenweher Moor mit hohem Engagement und meistert die unterschiedlichen Ansprüche des Moores als Vogelschutzgebiet und Überlagerungen von Flora-Fauna-Habitat-Schutzgebieten hervorragend“, lobte Cornelia Schmelzer, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag Minden-Lübbecke, die Biologin. „Allerdings sind wir der Auffassung, dass für diese vielfältigen Aufgaben und durch den Klimawandel verursachten umfangreichen Pflegemaßnahmen zum Schutz des Oppenweher Moores mehr EU-Fördermittel benötigt werden“.

Probleme durch warme Sommer

Die warmen Sommer machten dem Moor besonders durch den Klimawandel in den renaturierten Flächen zu schaffen und so versuche man zum Beispiel durch den Bau von Spundwänden, das Wasser im Moor zu halten. Auch die Arbeitseinsätze zur Entfernung von unerwünschten jungen Birken, die dem Moor das lebensnotwendige Wasser entzögen und die Moorpflanzen unterdrückten, würden immer umfangreicher, sagten die Experten vor Ort.

Zur Unterstützung der Pflegemaßnahmen besteht eine naturschutzfachliche Betreuung für eine Landschaftspflegeschäferei. Dazu gibt es jährlich aktualisierte Beweidungspläne. Zum Erhalt und zur Verbesserung des Moores werden Mäh-, Mulch- und Entbirkungsmaßnahmen durchgeführt, teils mit eigenen Maschinen des BUND Diepholzer Moorniederung, aber auch mit Landwirten, die mit Planern, Biologen, Landschaftsplanern und Umweltwissenschaftlern Hand in Hand arbeiten.

Moore mindern CO2

Vor allem Vogelarten wie Kranich, Raubwürger, Brachvogel und Wiesenweihe sowie hochmoortypische Pflanzenarten der Roten Liste – etwa Rosmarinheide, Moosbeere oder Sonnentau – profitieren davon.

„Der globale Klimawandel hat erhebliche Auswirkungen auf die biologische Vielfalt. Die heimische Tier- und Pflanzenwelt wird sich im Moor stark verändern und auch die Zusammensetzung von Lebensgemeinschaften ist davon betroffen“, ist sich auch Herbert Vollmer, grünes Mitglied im Kreisumweltausschuss, sicher. „Denn kein Tier und keine Pflanze lebt für sich allein. Es geht in Zukunft darum, zum Schutz des Oppenweher Moores die Pflegemaßnahmen widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels auszurichten.“

Denn Moore minderten CO2, sagte Vollmer. „Sie machen nur drei Prozent der weltweiten Landfläche aus, speichern aber doppelt so viel Kohlenstoffdioxid wie alle Wälder der Erde zusammen.“

Kommentare

Kranichrastplatz Oppenweher Fladder

Die Renaturierungen im NSG Oppenweher Moor sind zu begrüßen. Es darf aber nicht das Umland - insbesondere der Oppenweher Fladder - vergessen werden. Gerade dieser Bereich wird von den Kranichen in erster Linie auf ihrer Reise in die Überwinterungsgebiete als Rast- und Nahrungsfläche benötigt. Der Oppenweher Fladder bedarf dringend einer Optimierung als Rast- und Nahrungsbiotop für Kraniche und auch für Feuchtwiesenvögel. Warum schweigt sich der Bericht über
diese wichtige - bisher weitgehend unbewältigte - Aufgabe des behördlichen Naturschutzes völlig aus? Gerade die Politik hat doch sicherlich ein Interesse daran, über diese Schattenseiten des behördlichen Naturschutzes aufgeklärt zu werden.

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