Fr., 24.01.2020

Tierhalter in Stemwede verbessert Schutz nach Schafsrissen – nun wurde der Zaun beschädigt Wer zerschnitt den wolfsicheren Zaun?

Unbekannte Täter haben den eigens vom Schafhalter aufgestockten Zaun auf der Obstbaumwiese mehrfach mutwillig durchschnitten.

Unbekannte Täter haben den eigens vom Schafhalter aufgestockten Zaun auf der Obstbaumwiese mehrfach mutwillig durchschnitten. Foto: dpa

Von Dieter Wehbrink

Aschen/Landkreis Diepholz (WB). Der Schafbesitzer aus dem südlichen Kreis Diepholz (Name ist der Redaktion bekannt) ist immer noch traurig. Der Schock saß tief, als Ende September 2018 zehn seiner 18 Tiere auf einer gepachteten und ökologisch bewirtschafteten Streuobstwiese in Aschen, Landkreis Diepholz, Wölfen zum Opfer fielen.

Sie waren vermutlich unter dem hohen Schutzzaun hindurch gekrochen und so auf das Areal gelangt. Um die verbliebenen Schafe besser zu schützen, hatte der Tierfreund den Zaun verstärkt – zunächst auf eigene erhebliche Kosten. „Er ist jetzt wolfsicher”, sagte der Schafhalter dieser Zeitung. „Wir haben ihn mit Hilfe von Erdankern auf 1,60 Meter aufgestockt. Zudem ist demnächst zusätzlich ein neuer Elektrozaun geplant – mit fünf Reihen Litzen und 1,30 Meter hoch. Er soll den vorhandenen Zaun ergänzen – und dies auf einer Länge von 1000 Metern.“

Die Wölfe kamen nicht wieder

Die Wölfe kamen seit der Erhöhung des alten Zaunes nicht wieder. Doch dafür hat der Schafhalter jetzt ganz anderen Ärger: Unbekannte Täter haben zum wiederholten Mal den wolfsicheren Zaun durchschnitten. „Was denken sich diese Leute dabei“, fragt sich der frustrierte Schafhalter. Er hat wenig Hoffnung, dass eine Anzeige gegen Unbekannt zur Ermittlung der Zaun-Zerstörer führt. „Das verläuft vermutlich im Sande“, befürchtet er. „Auch der geplante Elektrozaun wird gegen mutwillige Zerstörung durch Menschen nicht gefeit sein.“

Noch immer wirken die Schafsrisse aus 2018 bei seiner Familie nach. Sie ist sehr naturverbunden und wollte der Natur etwas Gutes tun, indem sie die Schafe zur Landschaftspflege zur Verfügung stellte.

Keine Entschädigungen

Die Untersuchungen der gerissenen Tiere, vorgenommen vom zuständigen Wolfsberater des Landkreises Diepholz, Dr. Marcel Holy, und einem Gen-Labor, bestätigten die Vermutung: Es waren Wölfe. Der Fall ist auch auf der Internetseite des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz offiziell dokumentiert.

Ein gerissenes Schaf.

Marcel Holy hatte dem Schafhalter allerdings noch während der Untersuchung auf der Obstbaumwiese wenig Hoffnung auf Entschädigung gemacht. »Wenn es Wölfe waren, kann er in diesem Fall leider nicht mit Entschädigungszahlungen des Landes Niedersachsen rechnen«, sagte Holy damals dieser Zeitung. »Geld gibt es nur, wenn die getöteten Schafe mit einem Strom führenden Zaun mit Unterschlupf-Schutz eingezäunt waren.« Doch derart wolfssicher war der Zaun damals noch nicht.

Holy schloss nicht aus, dass die Raubtiere eine Möglichkeit gefunden hatten, unter dem Zaun der Streuobstwiese hindurch zu kriechen. »Der Zaun hatte eine Gesamtlänge von 965 Metern – bei etwa vier Hektar Fläche. Würde man dieses Areal komplett mit Strom einzäunen, wäre der Unterhaltungsaufwand riesig. Man müsste den Zaun zudem regelmäßig von Bewuchs befreien, damit er den Strom auch leitet«, sagte Holy.

Sorge vor weiteren Attacken

Der Schafhalter entschied sich trotzdem dazu, einen solchen Zaun zu errichten und dafür Fördermittel zu beantragen. „Jetzt steht die Montage zwar kurz bevor, doch das mutwillige Zerschneiden der vorhandenen Einzäunung lässt nichts Gutes erwarten“, sagte der Schafhalter dieser Zeitung.

Die Vorfälle in Niedersachsen, etwa in Aschen oder Drebber, liegen nicht allzu weit von der Stemweder Grenze entfernt. In Stemwede, wo es noch viel Weideviehhaltung gibt, ist die Sorge vor Attacken groß, zumal erst im November ein Wolf ein Schaf in Kleinenbremen, Porta Westfalica, gerissen hat. Bei Mahnfeuern in Dielingen und Drohne hatten sich bereits Nutztierhalter, Landwirte und Vertreter landwirtschaftlicher Organisationen zusammengetan, um »vor der unkontrollierten Ausbreitung des Wolfes« zu warnen.

Der Fall von Aschen, der sich ausgerechnet auf einer ökologisch wertvollen Streuobstfläche ereignete hatte, wurde seinerzeit im Internet rege diskutiert. Wolfsgegner, Jäger und Vertreter der Naturschutzverbände beteiligten sich daran. Der geschädigte Schafhalter bitten jedoch trotz der Schafsrisse und des jetzt zerstörten Zaunes weiterhin um eine sachlich geführte Diskussion zum Thema Wolf.

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