Di., 11.02.2020

Sorge vor Ausbruch der ASP-Seuche – Landwirte befürchten schlimme Auswirkungen Übung mit „infiziertem“ Wildschwein

Das Tier ist für diese Schweinepest-Übung im Landkreis Nienburg nicht für die Übung getötet worden, sondern war Opfer eines Verkehrsunfalls. Sie begutachten das Wildschwein vor dessen Bergung: (von links): Dr. Christiane Mamarvar (Landkreis Nienburg), Dr. Rebekka Fuhrmann (Landkreis Nienburg), Hubert Wichmann (Forstamt Nienburg), Dr. Kay Schimansky (Landkreis Nienburg), Claus Reimann (Revierförsterei Rehburg), Anne Brauer (Landkreis Nienburg) und Marcus Büsching (Landkreis Nienburg).

Das Tier ist für diese Schweinepest-Übung im Landkreis Nienburg nicht für die Übung getötet worden, sondern war Opfer eines Verkehrsunfalls. Sie begutachten das Wildschwein vor dessen Bergung: (von links): Dr. Christiane Mamarvar (Landkreis Nienburg), Dr. Rebekka Fuhrmann (Landkreis Nienburg), Hubert Wichmann (Forstamt Nienburg), Dr. Kay Schimansky (Landkreis Nienburg), Claus Reimann (Revierförsterei Rehburg), Anne Brauer (Landkreis Nienburg) und Marcus Büsching (Landkreis Nienburg). Foto: Landkreis Nienburg

Von Dieter Wehbrink

Landkreis Nienburg/Stemwede (WB). Sie ist auch im Kreis Minden-Lübbecke der Albtraum der Schweinemäster und Sauenhalter: Greift die gefürchtete Afrikanische Schweinepest (ASP) auf Deutschland über, drohen enorme wirtschaftliche Schäden. Besorgniserregend für Deutschland ist die Lage in Polen. Dort wurde kürzlich ein ASP-infiziertes Wildschwein nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze gefunden.

Joachim Schmedt, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Gemeindeverbandes Stemwede, warnte in dieser Zeitung bereits im November 2017 vor den Auswirkungen eines Seuchenzugs: »Ich bin davon überzeugt, dass ein Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest Betriebe und Arbeitsplätze gefährden wird – und das nicht nur in der Landwirtschaft«, befürchtete der Dielinger. »Es wird Jahre dauern, bis sich die Situation wieder stabilisiert hat. Wir werden massivste wirtschaftliche Einbrüche auf allen Ebenen der Produktion erleben. Wahrscheinlich in einem Umfang, den sich viele zurzeit nicht vorstellen können.«

„Die Ställe werden überquellen“

Für die Vermarktung von Schweinen bestehe maximal nur ein Zeitfenster von einer Woche. Das gelte für Ferkel und Mastschweine, um die Tiere im entsprechenden, vom Abnehmer gewünschten Gewicht zu vermarkten, sagte Schmedt: »Wo sollen die Ferkel und Schweine bleiben? Die Ställe werden überquellen. Das hat mit Tierschutz nichts mehr gemein.«

Sei eine betroffene Region schweinefrei, würden vor- und nachgelagerte Wirtschaftsbereiche dies mit aller Härte zu spüren bekommen. »Landhändler und Futtermittelhersteller verkaufen kein Futter, Spediteure brauchen es nicht zu transportieren. Wird kein Futter verkauft, braucht auch kein Getreide eingekauft zu werden«, sagt Schmedt. »Für Reparaturen in den Ställen wird auch kein Handwerker benötigt. Der Tierarzt ist ebenfalls überflüssig und auch der Schlachter. Wo nicht geschlachtet wird, braucht nicht zerlegt und verpackt zu werden.«

Mit Interesse verfolgen die heimischen Landwirte daher Vorsorgemaßnahmen der Behörden, die sich seit langer Zeit mit dem möglichen Ernstfall befassen. So führte der Kreis Minden-Lübbecke bereits im November 2018 eine Krisenstabsübung durch. Im nahen Landkreis Nienburg – er grenzt direkt an den Kreis Minden-Lübbecke – hat jetzt der Fachbereich Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung des Landkreises Nienburg in Kooperation mit dem Forstamt Nienburg der Niedersächsischen Landesforsten nun die Bergung von Schwarzwild unter Praxisbedingungen geprobt.

„Übungsschwein“ war Verkehrsunfallopfer

„Vorweg ist anzumerken, dass es sich im Rahmen der Übung bei den Wildschweinen um Unfalltiere handelte“ betont die Behörde. „Es wurde kein Schwarzwild für diesen Anlass getötet.“

Die Ausgangslage der Übung war, dass vom Forstamt Nienburg ein verendetes Wildschwein mit Verdacht auf ASP im Wald in Rehburg gefunden wurde. Den Bergungstrupp leitete Dr. Christiane Mamarvar, Veterinärin beim Landkreis. Die Aufgabe lautete: Beprobung und Bergung des verendeten Wildschweins.

Doch bevor von dem Tier im Dickicht eine Blutprobe gezogen werden konnte, waren aufgrund der hohen Infektiosität wichtige Sicherheitsmaßnahmen zu treffen. Ein erster Schutzanzug musste angezogen werden, dann ein zweiter. Dass Gummi- und Einmalhandschuhe getragen wurden, war eine Selbstverständlichkeit.

Verschließbarer Kadaversack

Dann hieß es, mit einem Tupfer eine Blutprobe zu nehmen. Im Anschluss musste das Tier geborgen werden. Infizierte und sterbende Tiere ziehen sich in ihrem fiebrigen Zustand oftmals unter Bäume oder in Mulden zurück. Um möglichst sicher bei einem potenziell infizierten Tier die Weiterverbreitung von ASP-Viren zu verhindern, ist es erforderlich, das Wildschwein umgehend in einen eigens dafür vorgesehenen verschließbaren Kadaversack aus speziellem Kunststoff zu stecken und diesen äußerlich zu desinfizieren. Der Transport des Kadavers aus unwegsamen Waldgelände ist schwierig und kraftraubend. Der Fundort wurde umgehend desinfiziert.

Dr. Mamarvar unterstreicht: „Diese Übung hat aufgezeigt, wie bei dieser Tierseuche zu reagieren ist.“ Nach der Übung wurde das Wildschweine einem Spezialbetrieb zur Kadaverbeseitigung zugeführt.

Kontakt mit totem Wildschwein vermeiden

Die ASP ist eine für Menschen vollkommen ungefährliche Viruserkrankung. Ausschließlich Haus- und Wildschweine können sich infizieren. Andere Tierarten, wie zum Beispiel Hunde oder Katzen, sind nicht empfänglich. Eine Übertragung durch Kleidung, Gegenstände und Fahrzeuge ist möglich, sofern sie mit dem Virus in Kontakt gekommen sind.

Passanten, die beispielsweise am Straßenrand ein Wildschwein als Fallwild entdecken, werden darum gebeten, dieses nicht zu berühren. Der Kontakt eines Hundes mit dem Wildschwein ist ebenfalls zu vermeiden, um gegebenenfalls eine Weiterverbreitung von Krankheitserregern zu vermeiden. Sofort sollte die Veterinärbehörde des Kreises Minden-Lübbecke oder das Ordnungsamt der Kommune verständigt werden. Notfalls kann auch die Polizei angerufen werden, die dann die zuständigen Personen informiert.

 

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