Prüfer gewähren dem maroden Bauwerk in Stemwede-Drohne maximal zwei Jahre
Der Bahnbrücke droht der Abriss

Stemwede (WB). Jetzt ist eingetreten, was die Drohner Bürger und die Gemeinde Stemwede unweigerlich befürchten mussten: Die Bahnbrücke in der Drohner Straße „In den Wiesen” – sie überspannt die Schiene zwischen Osnabrück Bremen – ist derart marode, dass sie voraussichtlich in spätestens zwei Jahren abgerissen werden muss.

Mittwoch, 19.02.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 19.02.2020, 05:00 Uhr
Die Brücke „In den Wiesen“ muss nach Angaben des Gutachters voraussichtlich in zwei Jahren abgerissen werden. Foto: Dieter Wehbrink
Die Brücke „In den Wiesen“ muss nach Angaben des Gutachters voraussichtlich in zwei Jahren abgerissen werden. Foto: Dieter Wehbrink

Das hat eine technische Sonderprüfung ergeben. Der Zustand ist sogar schon so schlecht, dass sich die Gemeinde Stemwede anhand des Prüfungsergebnisses gezwungen sieht, ab sofort das zulässige Gesamtgewicht herabzusetzen: Fahrzeuge über 7,5 Tonnen dürfen das aus dem Jahr 1969 stammende Bauwerk nicht mehr überqueren.

Stemweder Ratsmitglieder berichteten dieser Zeitung, dass Bürgermeister Kai Abruszat die Fraktionen über das niederschmetternde Ergebnis der Sonderprüfung unterrichtet hat. Der Bürgermeister bestätigte dies auf Anfrage dieser Zeitung. „Das Ergebnis überrascht mich schon sehr. Damit war so nicht zu rechnen. Allerdings müssen wir aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht das vorliegende Ergebnis sehr ernst nehmen. Bei allem Verständnis für Enttäuschung über das Ergebnis der technischen Prüfung muss die Devise lauten: Sicherheit geht vor.“

Bekanntlich führen zwei Brücken in Drohne über die Bahnlinie. Vor sieben Jahren entbrannte ein Streit, als bekannt wurde, dass beide Bauwerke technisch angeschlagen waren. Vor allem Landwirte, aber auch andere Verkehrsteilnehmer, wiesen unter anderem mit einer Resolution darauf hin, dass auch die Brücke „In den Wiesen“ wichtig für den Verkehr sei.

Der Gemeinderat beschloss 2014, dass die Bahnbrücke „Im Ort“ erneuert werden sollte. Dies wurde später auch umgesetzt (siehe Info-Kasten). Die Brücke „In den Wiesen“, so votierte die Ratsmehrheit, solle so lange befahren werden, bis die jährlichen erfolgenden Sonderprüfungen – so wie jetzt Anfang 2020 geschehen – die Nutzung aus Sicherheitsgründen untersagen würden. „Die Gutachter sehen aktuell nicht, wie die Bahnbrücke saniert werden könnte“, sagte Kai Abruszat.

2014 wurden noch Sanierungskosten von mindestens 360.000 Euro taxiert. Davon machte die Stemweder Kommunalpolitik wegen der damals angespannten Haushaltslage keinen Gebrauch. Sie entschied sich für den Erhalt von nur einer Brücke,

Bereits 2014 wurden die Abbruchkosten für die Brücke „In den Wiesen“ auf 150.000 Euro geschätzt – ein Betrag, der sich heute, in Zeiten brummender Baukonjunktur, noch deutlich erhöhen dürfte.

„Ich beabsichtige, den gesamten Sachverhalt in der nächsten Sitzung des zuständigen Betriebsausschusses zur Diskussion zu stellen“, sagte Kai Abruszat. „Vor einigen Jahren wurde alternativ erwogen, das Bauwerk „In den Wiesen“ zumindest so zu erhalten, dass es von Fußgängern und Radfahrern genutzt werden kann.“ Fraglich ist jedoch, ob die Bahn solchen Plänen zustimmen würde.

Die Beschlusslage des Rates von 2014 gilt immer noch: Die Bahnbrücke „In den Wiesen“ soll im Falle der Unbefahrbarkeit aus Sicherheitsgründen abgerissen werden, weil die Brücke „Im Ort“ erneuert wurde. Damals, 2013, gab es gegen den möglichen Abriss Protest. Mit einer Resolution wandten sich Landwirte dagegen. Sie forderten die Umsetzung eines Ratsbeschlusses von August 2012, der eine Sanierung des Bauwerkes vorsah. Unterschrieben wurde die Resolution von allen Vorsitzenden der Landwirtschaftlichen Ortsverbände in Stemwede, von den Vorsitzenden des Landvolkverbandes in Bohmte sowie Hunteburg und dem Ortslandwirt von Drohne-Dielingen. Joachim Schmedt (Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Gemeindeverbandes Stemwede), Reinhard Holle, Thomas Winkelmann, Wilhelm Gülker und Martin Wiese übergaben die Resolution an den damaligen Bürgermeister Gerd Rybak. Der Rat entschied allerdings – auch wegen der angespannten Finanzlage der Gemeinde – anders.

1,17 Millionen Euro waren für den Neubau der Bahnbrücke „Im Ort“ in Drohne kalkuliert. 240.000 Euro übernahm die Gemeinde. Die Bezirksregierung förderte den Neubau mit 360.000 Euro. Auf die Deutsche Bahn entfielen 570.000 Euro, die die Gemeinde Stemwede allerdings vorfinanzieren musste, damit die Arbeiten schnell beginnen konnten. Die Bahn hatte mitgeteilt, diese hohe Summe wegen anderer dringenderer Investitionen erst später zahlen zu können. Die Brücken-Bauphase 2017 war auch deshalb nicht einfach, weil die Zeiten der Abbruch- und Bauarbeiten mit der Bahn abgestimmt werden mussten. So kam es – überwiegend nachts – häufiger zum Stillstand auf der Bahnlinie, um den Zugverkehr und Bauarbeiter nicht zu gefährden. Ähnliches wäre zu erwarten, wenn die Brücke „In den Wiesen“ abgerissen würde.

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