Leser aus Rahden hinterfragt Handhabung in Lebensmittelgeschäften – Experten klären auf
In Zeiten von Corona: Wie läuft’s bei den Supermärkten?

Rahden/Levern (WB). Wie läuft das eigentlich mit den so genannten Non-Food-Artikeln in Supermärkten, wo doch die Fachgeschäfte geschlossen bleiben müssen? Und wie ist es um die Sicherheit der Mitarbeiter in den Supermärkten bestellt, wenn sich der Kundenansturm nur noch auf diese konzentriert? Diese Fragen hat Leser Ewald Thielemann an das WESTFALEN-BLATT gerichtet und dazu Kritik geäußert. Wir haben nachgefragt.

Mittwoch, 25.03.2020, 07:00 Uhr
Die Mitarbeiter im E-Center in Levern sitzen zur eigenen Sicherheit hinter Plexiglas-Scheiben. Diese hat Marktbetreiber Stefan Hartmann anbringen lassen. Foto:
Die Mitarbeiter im E-Center in Levern sitzen zur eigenen Sicherheit hinter Plexiglas-Scheiben. Diese hat Marktbetreiber Stefan Hartmann anbringen lassen.

In einem Brief an die Redaktion schreibt Thielemann: „Geöffnet bleiben Lebensmittelmärkte, die dürfen auch weiterhin Non-Food Artikel verkaufen, das heißt, weil diese Artikel in den Spezialgeschäften nicht mehr verkauft werden, erhöht sich die Kundenzahl in den Märkten, sprich Kauf- und Warenhäuser. Hier erhöht sich also das Kundenaufkommen und der Umsatz steigt, doch die kleinen Läden können Insolvenz anmelden?“ Thielemann hinterfragt damit die derzeitige Regelung der Bundes- und Landesregierung. Diese hatten nämlich am vergangenen Mittwoch entschieden, dass der Einzelhandel zum Schutz vor der Weiterverbreitung des Coronavirus bis auf Weiteres geschlossen bleiben muss. Davon ausgenommen sind unter anderem Drogerien, Apotheken und natürlich Lebensmittelhändler, die ihre Waren weiterhin vertreiben dürfen.

Non-Food gehört dazu

In vielen Supermärkten können die Kunden neben Lebensmitteln häufig aber auch weitere Artikel für den täglichen Gebrauch, wie Haushalts- oder Spielwaren sowie gelegentlich Bekleidung, kaufen. Stefan Hartmann, Betreiber des E-Centers in Levern, erklärt: „Diese Waren gehörten schon immer zu unserem Sortiment dazu. Zudem sind es Artikel des täglichen Bedarfes, die viele Menschen weiterhin brauchen“. Mirco Bohn, Filialleiter des Combi-Marktes in Rahden, ergänzt: „Noch dürfen wir diese Waren verkaufen, halten uns aber an die behördlichen Vorgaben.“

Martin Wlecke, Vorsitzender des Gewerbebundes Rahden, hat eine gemischte Meinung zu dieser Vorgehensweise des Verkaufes dieser Produkte und sagt: „Natürlich ist die Situation für viele Einzelhändler, die ihre Geschäfte jetzt geschlossen halten müssen sehr dramatisch. Und bestimmt profitieren die Vollsortimenter davon, dass nur sie die Waren jetzt verkaufen dürfen.“ Man könne ihnen den Verkauf aber nicht verbieten und irgendwo müssten die Leute auch in diesen Zeiten ihre Waren noch kaufen können, meint Wlecke. „Wenn man jetzt den Supermärkten verbieten würde, die Non-Food Artikel zu verkaufen, müsste man aber auch so konsequent sein und den Online-Handel dieser Artikel verbieten“, sagt der Vorsitzende des Gewerbebundes.

Wenn möglich, sollten Wleckes Meinung nach alle Bürger Dinge, die man jetzt vielleicht nicht unbedingt sofort brauche, nicht im Internet bestellen. „Die Leute sollten zur Unterstützung der Fachgeschäfte vor Ort einfach warten, bis diese wieder geöffnet sind“, meint Wlecke.

Keine Sonntagsöffnung geplant

Ewald Thielemann kritisiert neben dem Verkauf von Non-Food Artikeln aber auch, dass die Supermärkte weiterhin mit Angeboten werben würden. So würde ein Supermarkt damit werben, einen „verkaufsoffenen Sonntag“ anzubieten, um allen Kunden 10 Prozent Rabatt zu gewähren. Dazu meint Thielemann: „Die armen Mitarbeiter sind sowieso schon am Limit und müssen jetzt noch Sonntags ran. Wieso wird so etwas genehmigt und wer ist dafür verantwortlich?“

Auf Nachfrage bei Uwe Trentelmann, Ordnungsamtsleiter der Stadt Rahden, erklärt dieser, dass es Lebensmittelhändlern derzeit gesetzlich erlaubt sei, auch sonntags zu öffnen. Eine Verordnung dazu hatte das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium am vergangenen Sonntag herausgegeben, die besagt: „Geschäfte des Einzelhandels für Lebensmittel, Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste sowie Geschäfte des Großhandels dürfen über die bestehenden gesetzlichen Regelungen hinaus an Sonn- und Feiertagen von 13 bis 18 Uhr öffnen; dies gilt nicht für Karfreitag, Ostersonntag und Ostermontag.“

Stefan Hartmann und Mirco Bohn erklären dazu, dass Sonntagsöffnungen weder im E-Center noch im Combi geplant seien. „Der Sonntag ist den Mitarbeitern vorbehalten, damit sich alle mal ausruhen können. Und bislang halten auch alle Mitarbeiter super zur Stange“, sagt Stefan Hartmann. Das bestätigt auch Mirco Bohn und ergänzt: „Wir behalten unsere normalen Öffnungszeiten bei. Und die sind schon von montags bis samstags von 7 bis 22 Uhr.“

Zu Werbeprospekten anderer Märkte, die neben Sonderangeboten auch eine Sonntagsöffnung bewarben, (wie Thielemann es missfällt), erklären Hartmann und Bohn, dass solche Prospekte einen langen Vorlauf hätten. Die Angebote würden bereits viele Wochen im Voraus geplant und die Prospekte früh in Druck gegeben.

Schutz für Mitarbeiter ist gegeben

Im Combi in Rahden ist Abstand halten angesagt. Filialleiter Mirco Bohn hat dafür Hinweisschilder und Klebestreifen platziert.

Im Combi in Rahden ist Abstand halten angesagt. Filialleiter Mirco Bohn hat dafür Hinweisschilder und Klebestreifen platziert.

Sowohl im Combi als auch im E-Center hätten laut den beiden Marktleitern die Kundenanstürme mittlerweile aber etwas nachgelassen und sich die Situation etwas beruhigt. „Die Leute werden entspannter und halten sich auch an die Vorgaben“, sagt Hartmann. Im E-Center gibt es seit Samstag Plexiglasscheiben vor den Kassen sowie Bodenaufkleber, die die Kunden auf das Einhalten von Abständen hinweisen. Solche Aufkleber gebe es jetzt auch im Combi, sagt Mirco Bohn. „In dieser Woche bekommen wir ebenfalls Plexiglasscheiben vor den Kassen. Die sollen dann auch dauerhaft dort bleiben.“

Auch Hamsterkäufe würden langsam abnehmen. „Wir haben aber beschlossen, gefragte Produkte pro Kauf auf zwei Pakete zu beschränken. Wir wollen schließlich möglichst viele Menschen weiterhin versorgen“, sagt Bohn. Und auch im E-Center hat Hartmann Schilder angebracht auf denen er seine Kunden bittet: „Denken Sie auch an Ihre Mitmenschen“.

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