Mi., 25.03.2020

Buschmann: „Aktion des Landwirtschaftsverbandes kann kleinen Betrieben helfen“ Ernte-Jobbörse hat Vor- und Nachteile

Das Spargelstechen ist harte körperliche Arbeit. Die Anbaubetriebe bezweifeln, ob freiwillige Saisonarbeiter dem gewachsen sind.

Das Spargelstechen ist harte körperliche Arbeit. Die Anbaubetriebe bezweifeln, ob freiwillige Saisonarbeiter dem gewachsen sind. Foto: dpa

Von Dieter Wehbrink

Stemwede (WB). Die rasante Ausbreitung des Coronavirus führt dazu, dass in vielen heimischen Bauernhöfen Arbeitskräfte wie Saisonarbeiter auf den Gemüse-, Obst-, und Kartoffelbetrieben fehlen. „Aufgrund der zahlreichen Medienberichte hierüber haben sich in den vergangenen Tagen zunehmend Menschen gemeldet, die wegen der Coronavirus-Krise derzeit keine Arbeit haben und den Landwirten helfen möchten“, sagt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke, Rainer Meyer. Er betont, gerade in ungewöhnlichen Zeiten müsse man flexible und ungewöhnliche Wege gehen.

Um Hilfswillige und Landwirte zusammenzubringen, bietet der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband nun aktuell eine Jobbörse an unter https://www.wlv.de/erntehelfer. „In der schwierigen Situation kommt der Sicherung der Ernährung eine besondere Bedeutung zu, um die Bevölkerung mit hochwertigen und gesunden Lebensmitteln zu versorgen“, erklärt der Landwirte-Vorsitzende. Höfe, die beim Auspflanzen, der Pflege und der Ernte von Gemüse-, Kräuter- oder Obstkulturen auf Saisonarbeitskräfte angewiesen sind, stehen aufgrund von Einreiseschwierigkeiten beziehungsweise -beschränkungen für osteuropäische Erntehelfer vor besonderen Herausforderungen. „Wir möchten Bewerber, zunehmend deutsche Arbeitskräfte aus anderen Branchen und Landwirte, denen Arbeitskräfte fehlen, zusammenzubringen“, erläutert Meyer.

Körperlich anstrengende Arbeiten

Der Vorsitzende weist allerdings auch darauf hin, dass es sich bei den Arbeiten vorwiegend um körperlich anstrengende Arbeiten handele. Wer sich dieses zutraute, könne sich gerne melden.

Was erwartet die Bewerber? Vorstellbar sind beispielsweise Arbeiten beim Pflanzen, der Pflege, beim Ernten, Wiegen, Sortieren und Verpacken des Erntegutes auf den Spargel-, Erdbeer-, Gemüse- und Kartoffelbetrieben in der Region. Ebenso sind logistische Arbeiten, der Transport und das Beschicken beispielsweise der Verkaufsstände und Verbrauchermärkte gefragt. „Über die genau anfallenden Arbeiten informieren die Betriebe“, erläutert der Vorsitzende.

Helfen können zum Beispiel Studierende, Selbstständige und Kleinunternehmer. Sie können kurzfristig, das heißt ohne Sozialabgaben, für bis zu drei Monate beschäftigt werden. Auch für Minijobber, also 450-Euro-Kräfte, bietet eine Beschäftigung in der Landwirtschaft eine Möglichkeit für einen Hinzuverdienst.

„Die Idee der Jobbörse ist grundsätzlich lobenswert“, sagt Michael Aping, Obstbauer und Direktvermarkter aus Westrup, der als Anbieter auf den Wochenmärkten Levern, Lübbecke, Rahden und Hann. Ströhen bekannt ist. „Ich habe aber Bedenken, ob das Angebot in Zeiten von Corona zahlreich angenommen wird. Ich vermute, dass so mancher Angst haben dürfte, mit vielen anderen Helfern auf ein Spargelfeld zu gehen und sich womöglich anzustecken. Hinzu kommt, dass wir vor Jahren gemeinsam mit der Agentur Pro Arbeit versucht haben, Menschen aus dem zweiten Arbeitsmarkt in Lohn zu bringen. Das war nicht von Erfolg gekrönt.“ Erntearbeit sei schließlich kein Zuckerschlecken, weiß Aping: „Sie ist körperlich sehr anstrengend. Beim Spargelstechen ist stundenlange gebückte Haltung, womöglich noch bei großer Hitze, gefordert. Der Enthusiasmus vieler, die helfen möchten, ist da schnell verpufft.“

Sorge vor Ansteckung

Und wenn man die leichteren Arbeiten wähle, etwa am Sortierband, stünden fremde Leute nebeneinander, die ebenfalls die Sorge hätten, sich anzustecken, sagt der Westruper. Er selbst sieht für seinen Betrieb keine Probleme: „Für mich war es in den vergangenen Jahren wichtig, etwas unabhängiger von ausländischen Saisonkräften zu werden. Ich konnte einen relativ guten Bestand an hiesigen Aushilfskräften aufbauen.“

Bei Jörg Buschmann vom bekannten Oppendorfer Spargelhof beginnt jetzt die Ernte. Seine Helfer kommen vorwiegend aus Polen. „Der erste Spargel wächst, erste Erntehelfer sind da. Uns fehlen für die Hauptzeit der Ernte zwar noch Leute, aber weil Corona in Polen noch nicht so fortgeschritten ist, gehe ich nicht davon aus, dass Deutschland die Grenzen für Erntehelfer schließt.“

Dass die polnischen Helfer erst nach und nach in Oppendorf eintreffen würden, hänge auch mit dem Wetter zusammen: „Wenn es kalt ist und der Spargel nicht wächst, können wir nicht alle Mitarbeiter für längere Zeit in die Unterkunft stecken.“ Jörg Buschmann hält die Jobbörse des Landwirtschaftsverbandes für eine gute Idee, von der vor allem kleinere Anbaubetriebe profitieren könnten. „Wir haben bereits Bewerbungen von Leuten, die wegen der Krise keine Arbeit haben“, sagt der Spargelbauer. Allerdings sieht auch Buschmann den Einsatz beim anstrengenden Spargelstechen kritisch. Er kann sich aber durchaus Verwendung der Saisonarbeitssuchenden beim Sortieren auf dem Hof, beim Verkauf in Ständen oder als Kraftfahrer für die Zulieferung zu den Verkaufsständen vorstellen. „Ein Vorteil ist, dass diese Bewerber alle Deutsch sprechen“, betont der Oppendorfer. „Und das Spargelsortieren kann man schließlich lernen.“

Strenge Vorsorgemaßnahmen

Mit Blick auf die Corona-Krise gelten bei Buschmann strenge Regeln, um ein Anstecken der Erntehelfer oder ein Hinaustragen der Krankheit zu verhindern. Neben den bekannten Sicherheitsmaßnahmen wie Händewaschen sollen die Erntehelfer Kontakte außerhalb des Hofes möglichst vermeiden und unter sich bleiben. „Wir wollen selbstverständlich, dass unsere Mitarbeiter gesund bleiben und niemand angesteckt wird“, betont Jörg Buschmann. „Die Felder müssen allerdings bewirtschaftet werden – auch wenn die Erntehelfer da zwangsläufig in Gruppen unterwegs sein müssen. Die Arbeit in den Firmen ist ja nicht verboten. Das wäre auch alles andere als gut.“

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