Autozulieferer reagiert auf Einschränkungen durch das Coronavirus
Bei ZF stehen die Bänder still

Stemwede (WB). Der Automobilzulieferer ZF AG (Friedrichshafen) fährt die Produktion in drei seiner fünf Werke rund um den Dümmer See vollständig herunter. In den beiden anderen Werken in Damme und Diepholz ruht die Fertigung ebenfalls weitgehend, so dass sie nur noch zu 10 bis 20 Prozent ausgelastet sind. Peter Holdmann, Leiter der ZF-Division Fahrwerktechnik, rechnet mit einem Stillstand von mindestens vier Wochen.

Freitag, 27.03.2020, 17:01 Uhr aktualisiert: 27.03.2020, 17:06 Uhr
Peter Holdmann (links), Chef der ZF-Division Fahrwerktechnik, und Entwicklungsleiter Christoph Elbers im ZF-Wer in Dielingen. Foto: Michael Nichau
Peter Holdmann (links), Chef der ZF-Division Fahrwerktechnik, und Entwicklungsleiter Christoph Elbers im ZF-Wer in Dielingen. Foto: Michael Nichau

Vorrangig sei für die etwa 3500 Beschäftigten in den genannten Werken zunächst der Abbau von Überstunden und freien Tagen. Darüberhinaus hat der Konzern für die Werke Kurzarbeit angemeldet – vorsorglich bis Ende Juli. Holdmann hofft jedoch, dass die Werke vielleicht schon im Mai wieder schrittweise angefahren werden können: „Aber da sind wir natürlich von unseren Kunden, den großen Automobilherstellern abhängig.“

Entwicklung und Verwaltung in Dielingen nicht total heruntergefahren

Was den nordrhein-westfälischen Standort von ZF im Stemweder Stadtteil Dielingen betrifft, so ruht auch hier die Zulieferproduktion für Nutzfahrzeuge. Punktuell, so Holdmann, werde die Fertigung auch wieder in Gang gesetzt, insbesondere für Kunden in Asien. In der Verwaltung, die für alle fünf ZF-Standorte in der Dümmer-Region zuständig ist, wurde die Personalstärke um 70 Prozent und in der Entwicklung um 40 Prozent reduziert.

Schon das vergangene Jahr war die Automobilbranche und damit auch für ZF nicht leicht. Der Absatz an Neuwagen ging Holdmann zufolge 2019 weltweit um sechs Prozent zurück. Insbesondere in China und den USA seien die Verkäufe gesunken. Der Bereich Fahrwerktechnik, der mit 7,7 Milliarden Euro ein knappes Fünftel des Konzernumsatzes von 36,5 Milliarden erwirtschaftet hat, musste ein Minus von 200 Millionen Euro hinnehmen. „Obwohl das kein gutes Ergebnis ist, haben wir mit minus 2,5 Prozent sogar Marktanteile gewonnen“, erklärte der Bereichsvorstand.

Vier neue Werke für Fahrwerktechnik 2019 eröffnet

Insgesamt zählt der ZF-Konzern 147.797 Beschäftige, davon 16.615 in der Fahrwerktechnik. Der Bereich eröffnete im vergangenen Jahr vier neue Produktionsstätten in Zatec (Tschechien), San Luis Potosí (Mexiko), East London (Südafrika) und Hai Phong (Vietnam). Sie produzieren vor allem für dortige Werke von BMW und Mercedes. Insgesamt zählt der Bereich Fahrwerktechnik jetzt 50 Standorte.

Trotz eines auf 1,5 Milliarden Euro gesunkenen Gewinns hat das Unternehmen 2019 nicht nur in die neuen Werke investiert. So sei das Budget für Forschung und Entwicklung um zehn Prozent auf den neuen Rekordwert von 2,7 Milliarden Euro gestiegen. Ein Schwerpunkt waren sogenannte elektromechanische Wankstabilisierungen (ERC), die auch bei Fahren Fahrsicherheit und -komfort erhöhten. Hinzu komme die Weiterarbeit an der Steuerungssoftware Cubix, die zwar auch im Hinblick auf künftiges autonomes Fahren entwickelt worden sei, aber schon jetzt den ersten Serienauftrag erhalten habe. Auch bei der Entwicklung der richtigen Fahrwerke für Elektroautos sei ZF vorn dabei.

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