Ferdinand Jobusch und Rüdiger Meyer-Pilz beteiligen sich an bundesweiter Aktion
Mit leeren Stühlen demonstriert

Stemwede-Niedermehnen/Levern (WB/fs). Auf den Stühlen in den Restaurants von Ferdinand Jobusch und Rüdiger Meyer-Pilz haben seit mehr als einem Monat schon keine Gäste mehr Platz genommen. Für die beiden Gastwirte ist das ein großes Problem. Denn wenn sie ihre Betriebe wegen der aktuellen Corona-Beschränkungen nicht öffnen dürfen, bleiben auch die Einnahmen weg. Deshalb haben sie sich nun an der Aktion „Leere Stühle“ beteiligt.

Dienstag, 28.04.2020, 07:00 Uhr
Die beiden Stemweder Gastronomen Ferdinand Jobusch (links) und Rüdiger Meyer-Pilz haben sich am vergangenen Freitag an der Aktion „Leere Stühle“ beteiligt. Ein Tisch mitsamt Stühlen und etwas Deko wurde vor dem Hotel Meyer-Pilz aufgestellt. Foto:
Die beiden Stemweder Gastronomen Ferdinand Jobusch (links) und Rüdiger Meyer-Pilz haben sich am vergangenen Freitag an der Aktion „Leere Stühle“ beteiligt. Ein Tisch mitsamt Stühlen und etwas Deko wurde vor dem Hotel Meyer-Pilz aufgestellt.

„Seit dem 17. März ist das gesamte Hotel- und Gaststättengewerbe zum Erliegen gekommen“, schildert Rüdiger Meyer-Pilz, der das Landgut Hotel Meyer-Pilz in Levern betreibt. Im Januar und Februar sei das Jahr für ihn noch mit einem Umsatzplus gestartet. Und auch für die kommenden Monate seien sein Restaurant, der Saal und auch das Hotel eigentlich sehr gut gebucht gewesen. Mit den Beschränkungen und Schließungen wegen der Corona-Gefahr seitens der Bundes- und Landesregierung sei das alles nun jedoch auf unbestimmte Zeit weggebrochen, sagt Meyer-Pilz.

Situation der Gastronomen ist prekär

Gemeinsam mit Ferdinand Jobusch, der das gleichnamige Gasthaus in Niedermehnen betreibt, habe er sich deshalb nun am vergangenen Freitag an der bundesweiten Aktion der Initiative „Leere Stühle“ von Gastronomen, Hoteliers und Veranstaltern in Deutschland beteiligt und ebenfalls leere Stühlen vor dem Hotel Meyer-Pilz platziert. Das Ziel der Aktion ist es, zum einen auf die Not der Gastronomen aufmerksam zu machen, zum anderen aber die Forderung zu untermauern, dass es auch für Restaurants und Co. zeitnah Pläne zur Wiederaufnahme unter konkreten Voraussetzungen geben muss. „Wir machen uns deshalb bereits jetzt schon viele Gedanken und stellen uns auf, bevor es wieder losgeht“, sagt Meyer-Pilz.

Konkrete Pläne müssen jetzt gemacht werden

Konkrete Pläne zum Schutz der Gäste und Mitarbeiter würden bereits ausgearbeitet, sagt der Hotelier, der auch Mitglied im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) ist. Dabei gelte es auch bei ihm und seinem Kollegen Ferdinand Jobusch, dass beispielsweise die Stühle in den Restaurants den Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten, dass Mundschutze getragen werden oder ausreichend Desinfektionsspender vorhanden sind. Zudem würden Plexiglasscheiben an der Rezeption und den Theken abgebracht, die Böden mit Wegeführungen markiert, damit sich die Menschen in den Lokalen nicht entgegen kommen sowie getrennte Ein- und Ausgänge geplant. „Dazu kommt aber auch noch die Frage: Wie servieren wir das Essen in der Zukunft? Mit einer Glocke? Und wie laufen Frühstücks-, Mittags- und Abendbüffets ab? Mit noch mehr Spuckschutz und Personal? Über all das machen wir uns schon jetzt viele Gedanken“, beschreibt Rüdiger Meyer-Pilz die aktuelle Planung. Und: „Es werden bei uns einfach einige Veränderungen frühzeitig umgesetzt, damit wir wieder öffnen dürfen.“

Während der aktuellen Schließung hat Rüdiger Meyer-Pilz, der normalerweise vier Festangestellte und 18 Aushilfen beschäftigt, die Zeit genutzt, um sein Hotel auf Vordermann zu bringen. „Wir haben das Haus komplett umgekrempelt, es ausgiebig gepflegt und zum Teil auch renoviert“, berichtet er. So habe er seine Aushilfen zumindest noch etwas weiterbeschäftigen können. Denn anders als seine fest angestellten Mitarbeiter bekämen die Aushilfen kein Kurzarbeitergeld.

Das sagt der Dehoga dazu

„Es ist schön zu sehen, dass in Zeiten der Not alle, denen die Branche am Herzen liegt, an einem Strang ziehen, um auf die besondere Betroffenheit von Gastronomie und Hotellerie hinzuweisen“, kommentiert Bernd Niemeier, Präsident des Dehoga Nordrhein-Westfalen, die Aktion „Leere Stühle“. Dadurch sei die Diskussion um eine vorsichtige Wiedereröffnung von gastronomischen Betrieben in Gang gekommen, meint er. „Wir brauchen aber ein Rettungspaket und einen klaren Fahrplan für die Wiedereröffnung“, fordert Niemann in einer Mitteilung an die Dehoga-Mitglieder.

„Das Gastgewerbe in Nordrhein-Westfalen und deutschlandweit befindet sich seit Ausbruch der Corona-Krise im freien Fall. Die Umsätze sind binnen weniger Tage auf annähernd Null gesunken. Stühle, Tische, Küchen, Betten bleiben leer; Restaurants, Cafés, Kneipen, Clubs, Gaststätten, Hotels, Pensionen faktisch geschlossen, Caterer ohne Aufträge“, verdeutlicht Bernd Niemeier.

Besonders auffällig sei, dass die Gastronomiebranche als erste geschlossen wurde und als letzte wieder öffnen werde. „Die wirtschaftlichen Auswirkungen für die 51.000 Betriebe in Nordrhein-Westfalen mit ihren über 400.000 Beschäftigten und rund 10.000 Auszubildenden sind verheerend. Das Aus von Zehntausenden Betrieben könnte bittere Realität werden. Genauso leer wie unsere Betriebe fühlen sich unsere Gastronomen und Hoteliers und ihre Mitarbeiter“, so Niemeier weiter.

Der Dehoga geht davon aus, dass Lockerungen nicht alle Betriebe betreffen werden und weist darauf hin, dass sie kein Allheilmittel sind, weil viele Stühle, Tische und Betten weiterhin leer bleiben dürften: Mindestabstände in Gaststätten, erhöhte Hygiene-Anforderungen, ausfallende Großveranstaltungen, ein lahmender Geschäftsreiseverkehr und verunsicherte Gäste würden auf viele Monate hinaus dafür sorgen, dass selbst Umsätze von 50 Prozent des „normalen“ Niveaus eine Illusion bleiben.

 

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