Unwetter schlägt im Kreis Minden-Lübbecke nur punktuell zu – Wasser und Schlamm strömen Berg runter – mit Video
Regen überflutet Straßen

Stemwede (WB/vw). Wie ein schmales Band ist eine Gewitterfront am Samstagabend über die Region gezogen. Die Regenmengen fielen dabei punktuell sehr unterschiedlich aus. Im Ortsteil Haldem strömten Wassermassen die Straße In der Webel runter. Schlamm und Wasser liefen in Gärten und Garagen. Ein Landwirt half mit seinem Trecker, die Straße vom Schlamm zu befreien.

Sonntag, 14.06.2020, 16:43 Uhr aktualisiert: 14.06.2020, 17:51 Uhr
In Haldem sind Wasser und Schlamm die Straße In der Webel runtergeströmt. Gärten und Garagen liefen voll. Ein Landwirt half mit einem Trecker beim Aufräumen. Foto: privat
In Haldem sind Wasser und Schlamm die Straße In der Webel runtergeströmt. Gärten und Garagen liefen voll. Ein Landwirt half mit einem Trecker beim Aufräumen. Foto: privat

Bei Stemwedes Gemeindebrandmeister Joachim Lübke zuhause in Twiehausen fielen 25 Liter Regen pro Quadratmeter. die Feuerwehr wurde zu zwei Einstätzen nach Haldem gerufen, um dort in Privathäusern Keller leer zu pumpen. „Auch in Levern mussten wir einen Keller leer pumpen, ansonsten war es ruhig“, berichtete Lübke.

108 Liter in Rahden

Metereologe Friedrich Föst aus Lübbecke hat das Unwetter am Radar verfolgt. „Der Regen ist sehr punktuell runtergekommen. Man hat dann den Eindruck, in einem Ort geht die Welt unter und ein paar Kilometer weiter gibt es nur ein paar Tropfen“, sagte er. Stemwede und Rahden seien am heftigsten betroffen gewesen. Während die offizielle Messstation des Deutschen Wetterdienstes in Kleinendorf auf etwa 35 Liter kam, ergab eine private Messung in Tonnenende 108 Liter. „Nach dem Radar zu beurteilen ist das eine glaubhafte Angabe“, sagte Friedrich Föst. Diese großen Mengen an Regen an einem Ort seien durch fehlenden Höhenwind zustande gekommen. „Die Gewitterzellen haben sich kaum von der Stelle bewegt und sich dementsprechend an einem Ort abgeregnet.“

Dass es glücklicherweise wenig Schäden gab, schiebt Föst darauf, dass es keine schweren Sturmböen oder Hagel gegeben habe. „Das sind sonst große Faktoren, die Schäden verursachen.“ Die offiziell gemeldeten 35 Liter aus Rahden entsprechen übrigens ziemlich genau der Regenmenge von April und Mai zusammen – nur dass sie dieses Mal innerhalb von zwei Stunden gefallen sind.

Die Feuerwehr Rahden hatte von Samstag, 20.42 Uhr, bis in den frühen Sonntagmorgen um 1.39 Uhr zwölf Einsätze abzuarbeiten. In allen Fällen waren die Abläufe mit den in kurzer Zeit gefallenen Regenmassen überfordert oder diese waren verstopft. Der Löschzug Rahden war an sieben Einsatzstellen, der Löschzug Preußisch Ströhen hatte einen Einsatz, die Löschgruppe Tonnenheide vier und die Löschgruppe Wehe zwei. Am aufwendigsten gestaltete sich der Einsatz an der Nuttelner Straße in Tonnenheide, dort war die Straße in Höhe des Spargelhofes großflächig überflutet, so dass die Löschgruppe dort etwa drei Stunden brauchte, um das Wasser in einen nahe gelegenen Graben zu pumpen und die Straße wieder grob zu reinigen.

Vier Einsätze in Lemförde

Auf der anderen Seite des Stemweder Berges lief der Regenmesser innerhalb einer Stunde bis zur 50-Liter-Marke voll. Zu insgesamt vier Einsätzen wurde die Ortsfeuerwehr Lemförde bei dem Unwetter alarmiert. Bei allen Einsätzen handelte es sich um Wasser im Keller. Unter anderem in der Schildstraße kam es zu einem starker Wassereinbruch in einen Keller. Das Wasser im Keller wurde mittels Eimern und einer Tauchpumpe des Nachbarn abgepumpt. Eine Tauchpumpe der Feuerwehr wurde in einen Schacht auf dem Hof und anschließend im Abwasser Schacht an der Straße eingesetzt. Nach etwa zwei Stunden konnten die 18 Feuerwehrleute nach Hause.

Land Unter in Damme

Schon früher am Abend traf das Unwetter auf Damme. Um 18.22 Uhr wurde die Feuerwehr alarmiert. Nach einem heftigen Gewitter mit sintflutartigen Regenschauern waren große Teile des Dammer Stadtgebietes sowie zahlreiche Straßen überflutet worden. Die Einsatzkräfte mussten zahlreiche Straßen absperren, vollgelaufene Keller auspumpen sowie Industrieanlagen, das Krankenhaus Damme, Schulen, Geschäfte und sonstige Gebäude vor den Wassermassen schützen. Auf Grund des anhaltenden Starkregens und der massiven Anzahl an Einsatzstellen wurden mehrere umliegende Feuerwehren zur Unterstützung nachalarmiert.

Zur Koordinierung der vielen Einsatzkräfte wurde der Einsatzleitwagen-Container des Landkreises Vechta angefordert. Ebenso wurden weitere Kräfte aus Hunteburg und die Kreisfeuerwehrbereitschaft Süd aus dem Landkreis Osnabrück angefordert. Insgesamt waren etwa 270 Feuerwehrleute im Einsatz.

Während viele Haus- und Ladenbesitzer gegen das Wasser kämpften, nutzten ein Mann die Möglichkeit und holte sein Kajak raus, um damit auf der überfluteten Straße zu fahren.

Hund entlaufen

Dass Blitz und Donner Tiere manchmal ziemlich erschrecken können, ist bekannt. Das Gasthaus Rose in Vehlage teilt am Samstagabend auf seiner Facebook-Seite mit, dass beim Gewitter ein Hund zugelaufen sei. Der Rüde mit braunem Lederhalsband wurde ins Tierheim Lübbecke gebracht.

Während die Lübbecker Feuerwehr nach Aussage von Leiter Mario Bringewatt einen ruhigen Samstagabend erlebte und keinen Einsatz zu verzeichnen hatte, berichtete eine Facebook-Userin von 75 Litern Wasser pro Quadratmeter in Obermehnen.

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