Eichenprozessionsspinner befällt Bäume nahe der Schule – Gemeinde handelt
Gefährliche Raupen auch in Stemwede

Stemwede (WB). Die Raupen mit ihren gefährlichen Brennhaaren bereiten seit Jahren in vielen Regionen Deutschlands große Probleme – und nun sind sie nach Preußisch Oldendorf und Espelkamp auch in Stemwede angekommen.

Freitag, 26.06.2020, 05:00 Uhr
Die Beseitigung der Raupen und der Nester sollte ausschließlich durch Fachbetrieben erfolgen. Die Brennhaare reizen die Oberhaut und die Schleimhäute. Fotos: dpa

Werner Bahnemann, Fachbereichsleiter in der Gemeindeverwaltung für Ordnung und Soziales, berichtete in der Stemweder Ratssitzung, dass der Eichenprozessionsspinner bereits mehrere Bäume in Stemwede befallen hat. So seien Eichen in der Nähe des Wehdemer Schulzentrums betroffen gewesen. Vorsorglich habe die Gemeinde die Busspur abgesperrt. „Allerdings war dies nur eine kurzfristige Aktion, weil die Nester am nächsten Morgen aus den Bäumen entfernt werden konnten“, sagte Bahnemann.

Auf Sicherheit achten

Eine allzu hohe Gefahr für die Stemweder sieht der Ordnungsamtsleiter derzeit nicht. Allerdings müssten sich die Bürger darüber bewusst sein, dass man von den Brennhärchen der Raupen getroffen werden könne „Es ist auch deshalb sinnvoll, etwas gegen die Raupennester zu unternehmen, um die Vermehrung dieser Tiere zu bremsen“, sagte Bahnemann. Er rät Bürgern unbedingt, auch auf privaten Grundstücken gegen den Eichenprozessionsspinner vorzugehen – aus Sicherheitsgründen durch einen Fachbetrieb. „Die Gemeinde unternimmt das Ihrige in ihrem Verantwortungsbereich. Wir gehen dazu allen Hinweisen aus der Bevölkerung nach“, versprach Bahnemann. „In der kommenden Woche werden alle Nester, die uns genannt wurden, komplett von Fachunternehmen eliminiert.“

Die Brennhaare der Raupen können durch Wind weit in das Umfeld des Nestes getragen werden. Mit jedem Entwicklungsstadium der Raupen steigt die Gesundheitsgefährdung. Eine Altraupe besitzt bis zu 700.000 Brennhaare, die leicht in die Haut und Schleimhaut eindringen und sich dort mit ihren Häkchen festsetzten.

Starker Juckreiz

Gefahr besteht vor allem beim direkten Kontakt mit den Raupen, aber auch mit den Häutungsnestern, selbst wenn sich darin kein Leben mehr befindet. „Die Brennhaare bleiben an Kleidung und Schuhen haften, die bei Berührung immer neue toxische Redaktionen auslösen. Das Toxin der Brennhaare ist über mehrere Jahre aktiv. Sogar Brennholz aus diesen Gebieten stellt einen Risikofaktor dar“, warnt die Internetseite der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. „Gesundheitliche Beschwerden durch den Eichenprozessionsspinner können daher während des gesamten Jahres entstehen. Die eindringenden Brennhaare reizen die Oberhaut und die Schleimhäute und können Knötchen, Quaddeln und eine Hautentzündung verursachen. Die Hautreaktionen halten (unbehandelt) oft ein bis zwei Wochen an. Meist sind alle Hautbereiche betroffen, die nicht bedeckt waren. Die Haut- und Schleimhauterscheinungen können mit Kortisolpräparaten behandelt werden. Gegen den Juckreiz helfen Medikamente mit antiallergenen Wirkstoffen. Reizungen an Mund- und Nasenschleimhaut durch Einatmen der Haare können zu Bronchitis bis hin zu Asthma führen.“

Chemie-Einsatz umstritten

Auch das NRW-Umweltministerium warnt, dass die Raupen schwere gesundheitliche Risiken mit sich bringen Ganz abgesehen davon werden die Eichen durch Laubfraß massiv geschädigt. In einem eigens verfassten Leitfaden empfiehlt das Ministerium die Förderung von Vögeln und anderen natürlichen Gegenspielern, den Einsatz von Fallen, das Entfernen der Gespinstnestern und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Bioziden.

Naturschützer kritisieren allerdings, dass der Einsatz von Chemie nicht nur den Eichenprozessionsspinner tötet, sondern auch andere nützliche Falterarten, die auf den Eichen leben – in Zeiten des Insektensterbens mehr als unerfreulich.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7467951?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516045%2F
Ein Stück aus dem Tollhaus
Symbolbild. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker