Spannende Details: Auswanderer aus Oppenwehe baute einst das Anwesen in Texas
Wie George Bush zu seiner Farm kam

Stemwede (WB/weh). Crawford ist ein kleiner Ort im US-Bundesstaat Texas. Etwas mehr als 700 Einwohner leben auf rund 2,4 Quadratkilometern. Der frühere US-Präsident Georg W. Bush hat dort seit 1999 sein Anwesen: Die „Prairie Chapel Ranch“ hat den Ort bekannt gemacht, weil Bush traditionell seine Ferien dort verbrachte und auch Staatsgäste von weltweitem Renommee willkommen hieß, unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel im Jahre 2007. Die Ranch ist heute 648 Hektar groß.

Samstag, 18.07.2020, 06:00 Uhr
Sie finden die Geschichte der Stemweder Auswanderer spannend und beschäftigen sich gern damit: Wilhelm Friedrich Niermann (von links), Bürgermeister Kai Abruszat, Stephan Leonhardt und Dirk Priesmeier kennen auch die Geschichte der Farm von George W. Bush. Foto:
Sie finden die Geschichte der Stemweder Auswanderer spannend und beschäftigen sich gern damit: Wilhelm Friedrich Niermann (von links), Bürgermeister Kai Abruszat, Stephan Leonhardt und Dirk Priesmeier kennen auch die Geschichte der Farm von George W. Bush.

Kaum einer weiß, dass das Anwesen in dem erst im Jahr 1897 gegründeten Ort eine Stemweder Vorgeschichte hat. Heinrich Wilhelm Engelbrecht, 1843 in Oppenwehe geboren, gehörte zu einer zahlreichen Schar von Auswanderern in die „Neue Welt“. 1859 kam er in jungen Jahren in Texas an, ließ sich später in Crawford nieder. Georg W. Bush erwarb von den Nachfahren des Oppenwehers, die bis heute den Namen Engelbrecht tragen, das Areal, nachdem die Ranch am Ende der Prairie Chapel Road 100 Jahre im Familienbesitz verblieben war.

Areal für Baptistenkirche gestiftet

In Crawford gibt es auch heute noch Familiennamen mit vertrautem Klang – wie zum Beispiel Bohne, Mattlage, Weiss und Weber. Engelbrecht muss es in den Staaten zu einem gewissen Wohlstand gebracht haben, stiftete er doch ein Areal, auf dem 1908 eine Baptistenkirche gegründet werden konnte. Darin wurden die frühen Gottesdienste in deutscher Sprache abgehalten. Die Region um Crawford lebte überwiegend von der Landwirtschaft – heute auf riesigen Ranches

„Eher durch Zufall bin ich bei einer Recherche im Internet über Stemwedes Geschichte auf dieses bemerkenswerte Detail aufmerksam geworden,“ erklärt Stemwedes Bürgermeister Kai Abruszat. Die Tatsache, dass insbesondere Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Bürgerinnen und Bürger aus unserer heimischen Region vor Ort keine Perspektive sahen und deshalb in den aufstrebenden USA ihren eigenen Traum von Glück und Wohlstand verwirklichen wollten, sei ein wesentlicher Abschnitt der Zeitgeschichte, der nicht in Vergessenheit geraten dürfe. „Ich würde mir deshalb wünschen, dass unsere Schulen diese mit unserer Heimat verbundene Form der Migration aufgreifen und zum Beispiel im Rahmen einer Projektarbeit erlebbar machen,“ sagt der Bürgermeister.

900 Seiten im Internet

Quellen dafür gibt es in Stemwede reichlich. Besonders verdient gemacht hat sich hierbei der Wehdemer Wilhelm Friedrich Niermann. Auf fast 900 Seiten findet man im Internet unter www.stemwedegenalogy.com zahlreiche Daten und Fakten über Auswanderer aus allen Dörfern der heutigen Gemeinde Stemwede.

„Allein im Jahre 1859 versuchten aus dem „Alten Amt Wehdem“ mit den Ortschaften, Wehdem, Westrup, Oppendorf und Oppenwehe 96 Einzelpersonen ihr Glück in den Vereinigten Staaten,“ berichtet Niermann, der 1967 erstmals selbst in die USA gereist ist. In den 1840er Jahren habe es eine erste größere Auswandererwelle auch aus Stemwede gegeben. Auch heute noch zeugen zahlreiche erhaltene Briefe von Auswanderern von den Erfahrungen und Eindrücken der ehemaligen Stemweder.

Tipp: Besuch im Auswandererhaus in Bremerhaven

Stephan Leonhardt aus Wehdem, bekanntlich Verfasser mehrerer Werke zur Heimatgeschichte , wies darauf hin, dass zahlreiche Auswanderer von Bremerhaven aus auf dem Seeweg in die USA gelangten. „Das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven setzt dieses sensible Thema in seiner Konzeption gut um. Ein Besuch lohnt definitiv”, sagt Leonhardt, dessen Tochter Patricia sich wissenschaftlich an der Universität Osnabrück mit Anlässen und Hintergründen von Auswanderungen aus dem Altkreis Lübbecke beschäftigt hat und ihre Kenntnisse interessierten Akteuren heimischer Schulen gerne zur Verfügung stellt.

Dirk Priesmeier, Ortsheimatpfleger aus Oppenwehe, würde sich über pfiffige Projektideen zum Beispiel von Kindern der Grundschule in Oppenwehe freuen: „Es wäre schön, wenn mögliche Ergebnisse in geeigneter Form präsentiert und auch prämiert werden könnten.“

Heinrich Wilhelm Engelbrecht, als 16-Jähriger auf dem Auswandererschiff „Weser“ in Texas angekommen, verstarb hochbetagt im Jahre 1934 im Alter von 91 Jahren. Engelbrechts Halbbruder war Fritz Priesmeier, der 1853 in Oppenwehe zur Welt kam. Dieser wanderte zusammen mit seiner Mutter Wilhelmine Henriette, geboren 1818 in Wehdem, im Jahre 1867 übrigens ebenfalls nach Texas aus.

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