Landwirte übergeben Resolution für Ministerium – Abruszat sagt Unterstützung zu
Sauenhalter fürchten um ihre Existenz

Stemwede (WB). Dieses Treffen der betroffenen Stemweder Landwirte in Drohne zeigte es am Mittwoch deutlich: Die kürzlich verabschiedete und verschärfte Nutztierhaltungsverordnung für Sauen in Deutschland trifft bei den landwirtschaftlichen Betrieben auf Unmut , Unverständnis und auch auf Verzweiflung. Mit dem Aus der Kastenstände stelle sich die Frage nach der Zukunft der Schweinezucht, hieß es.

Donnerstag, 23.07.2020, 05:00 Uhr
Carsten Mattelmeyer hat für die Stemweder Sauenhalter eine Resolution wegen der Verschärfung der Nutztierhaltungsverordnung an Kai Abruszat (rechts) übergeben. Der Bürgermeister wird sie nun nach Berlin an die zuständigen Stellen weiterleiten. Foto: Heidrun Mühlke
Carsten Mattelmeyer hat für die Stemweder Sauenhalter eine Resolution wegen der Verschärfung der Nutztierhaltungsverordnung an Kai Abruszat (rechts) übergeben. Der Bürgermeister wird sie nun nach Berlin an die zuständigen Stellen weiterleiten. Foto: Heidrun Mühlke

Die Stemweder Sauenhalter fordern nun das Bundeslandwirtschaftsministerium in Berlin zum Handeln und Überdenken der neuen Haltungsbedingungen auf. Am Mittwochvormittag überreichten sie auf dem Hof Quebe in Drohne dem Stemweder Bürgermeister Kai Abruszat eine entsprechende Resolution – mit der Bitte, diese weiter an das zuständige Ministerium in Berlin zu leiten.

Kastenstände

Ihrer Meinung nach könne die neue Gesetzeslage insbesondere mit Sicht auf Tierschutz, Arbeitsschutz und aktuellem Baurecht nicht in Einklang gebracht werden, heißt es in dem Papier.

Die Stemweder Sauenhalter fordern das Landwirtschaftsministerium zum Handeln und Überdenken der neuen Haltungsbedingungen auf. Besonders umstritten ist das Verbot der sogenannten Kastenstände, die nach einer Übergangsfrist nicht mehr zulässig sind. In den Kastenständen werden die Muttertiere kurz vor dem Abferkeln und während des Säugens untergebracht. „Doch genau dieser Produktionsablauf ermöglicht es uns jedoch, die Tiere in erster Linie voreinander zu schützen, denn Zuchtsauen tragen untereinander heftige Kämpfe aus, um die Rangfolge klären. Außerdem besteht in Kastenständen nicht die Gefahr, dass die Sauen die Ferkel während der Säugezeit erdrücken“, sagt Carsten Mattelmeyer, Schweinezucht-Betriebsleiter auf der Hofstätte Quebe in Drohne.

Aufreiten der Tiere

Vermieden würde so auch das nicht ungefährliche Aufreiten der Tiere untereinander bei Beginn der Rausche. Ein weiterer Grund für die Fixierung seien die Hygiene im Stall als auch die Arbeitswirtschaftlichkeit in dem Produktionsverfahren. Schließlich hätten Landwirte seit 70 Jahren Erfahrung mit dieser Haltungsform gesammelt und diese immer weiter verbessert.

Mit Sorge sah gestern bei der Zusammenkunft auch Tierärztin Inge Böhne in die Zukunft, denn mit den geforderten Maßnahmen befürchtet sie, dass die wirtschaftliche Planungssicherheit der Sauenhalter schwindet. Derzeit gibt es in Stemwede 40 sauenhaltende Betriebe, davon waren 35 Sauenhalter auf dem Hof Quebe zusammengetroffen. Bei der spontan durchgeführten Umfrage, wer sich denn in 15 Jahren unter den gegebenen Bedingungen noch Schweinezucht für sich vorstellen könne, meldete sich lediglich einer der Anwesenden.

Dies werde mit Blick auf die Versorgungssicherheit der deutschen Bevölkerung negative Folgen haben, befürchteten die Landwirte. Es klinge ähnlich wie beim Ausstieg aus der Käfighaltung der Hühner. „Zwar wurden die Käfige in Deutschland abgebaut, aber irgendwo in Osteuropa wieder aufgestellt. Diese Betriebe reduzieren nun unsere Eier. Getreu dem Motto: ‚Aus den Augen aus dem Sinn. Hauptsache unsere Weste ist rein!‘. Werde es demnächst bei den Ferkeln auch so ablaufen?“, fragen sich die Bauern.

Planungssicherheit fehlt

„Für Landwirte ist die Planungssicherheit besonders wichtig“, sagte Bürgermeister Kai Abruszat. Sie müssten für sich und ihre Familien sowie für nachfolgenden Generationen, die den Hof übernehmen möchten, sicher wirtschaften können. „Ich habe als Bürgermeister ein großes Interesse daran, dass die Identität unserer Gemeinde Stemwede auch in den kommenden Generationen mit einer erfolgreichen zukunftsweisenden Landwirtschaft verbunden bleibt“, sagte Abruszat.

„Deswegen möchte ich sie in ihren Anliegen auch gerne unterstützen“, versprach der Bürgermeister. „Das, was in dieser Resolution ‚Die zehn Gebote der Sauenhaltung‘ geschrieben steht, werde ich gerne mitnehmen und in die Fraktionen des Deutschen Bundestages transportieren.“

Die Zukunft des ländlichen Raums sei untrennbar verbunden mit einer auf Generationen angelegten landwirtschaftlichen Entwicklung vor Ort, betonte Kai Abruszat.

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