Heimische Landwirte in Sorge: Enorme wirtschaftliche Folgen drohen bei Ausbruch
Angst vor der Schweinepest geht um

Stemwede/Altkreis Lübbecke (WB/weh). Jetzt ist es – wie seit langem befürchtet – eingetreten: Das Virus der Afrikanischen Schweinepest (ASP) hat die Grenze zu Polen überschritten und Deutschland erreicht. Mittlerweile wurden bereits sechs tote Wildschweine gefunden, die den Erreger in sich trugen.

Mittwoch, 16.09.2020, 04:00 Uhr
Speziell in Stemwede gibt es noch viele schweinehaltende Betriebe. Ein Ausbruch der ASP wäre hier katastrophal. Foto: dpa
Speziell in Stemwede gibt es noch viele schweinehaltende Betriebe. Ein Ausbruch der ASP wäre hier katastrophal. Foto: dpa

„Auch wenn die Fundorte in Brandenburg weit von unserer Region entfernt ist, sind auch wir Landwirte hier davon betroffen“, erklärt der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke Rainer Meyer. „Wir machen uns große Sorgen, denn das Virus ist eine massive Gefahr für unsere Haus- und Wildschweine.“ Menschen sind durch den Verzehr von möglicherweise infiziertem Fleisch nicht gefährdet.

Wirtschaftliche Folgen

Die Seuche bedeutet großes Leiden für die Tiere. Die Infektion führt sowohl bei Haus- als auch bei Wildschweinen zu einer schweren Erkrankung und ist fast immer tödlich. Die Einschleppung nach Deutschland hat schwere Folgen für die Gesundheit der Wild- und Hausschweinebestände. Auch die wirtschaftlichen Folgen für die heimischen Schweinehalter sind nicht unerheblich, sie sind mit Handelsrestriktionen verbunden, auch wenn aktuell nur ein Wildschwein und kein Hausschwein betroffen ist.

Importstopp

So seien schon jetzt Verwerfungen am Markt zu spüren, berichtet Rainer Meyer. „Das trifft die Bauern hart, da auch schon vor dem Auftreten von ASP in Deutschland der Schweinepreis zu niedrig gewesen ist.“ Zudem hätten Südkorea, China und Japan ein Importstopp für Schweinefleisch aus Deutschland verhängt. Asien sei ein wichtiger Abnehmer für die Nebenprodukte vom Schwein, wie beispielsweise Pfötchen und Ohren, die hier bei uns nicht zu vermarkten seien.

„Uns Bauern ist es wichtig, dass das ganze Schwein verwertet wird, nicht nur die Edelteile“, betont der Vorsitzende. Diese Nebenprodukte fänden nun keine Abnehmer. „Außerdem setzen wir uns als Bauernverband für regionalisierte Handelsbeschränkungen ein, die sich auf Problemgebiete beschränken und somit dem Risiko angepasst sind“, erläutert Meyer.

AUF LAGE EINGESTELLT

Seit 2014 tritt die ASP in den baltischen Staaten und Polen auf. „Wir als deutsche Schweinehalter leben bereits längere Zeit mit der Befürchtung, dass die Afrikanische Schweinepest uns eines Tages erreichen wird. Wir hatten somit die Chance, uns auf die zu erwartenden Ereignisse einzustellen“, erklärt Meyer. „In vielen Bereichen wurden deshalb Vorbereitungen getroffen, und wir konnten die Erfahrungen anderer europäischer Länder in der Seuchenbekämpfung auswerten.“

ÜBUNGEN FÜR ERNSTFALL

Mehrfach gab es ASP-Übungen, mit den zuständigen Behörden auf Landes- und auf Kreisebene. Auch ASP-Übungen auf landwirtschaftlichen Betrieben haben wichtige Erkenntnisse geliefert. Infrastrukturen (beispielsweise für den Zaunbau) wurden geschaffen und Zuständigkeiten abgeklärt. Viele Landwirte hätten Möglichkeiten genutzt, ihr wirtschaftliches Risiko über Versicherungen abzusichern.

Ausbruch problematisch

„Doch trotz aller Vorbereitungen wäre ein ASP-Ausbruch in unserer Region hoch problematisch“, unterstreicht der Vorsitzende. Mehr denn je komme es nun darauf an, die Seuche nicht in unsere Stallungen zu bekommen. Hygienemaßnahmen müssten zum Schutz der eigenen Tiere konsequent eingehalten werden. Landwirte und Jäger seien gefordert, Hand in Hand für eine Verringerung der Wildschweinebestände zu sorgen.

Infektion durch Reisende

Der Vorsitzende weist darauf hin, dass das Virus keinerlei Gefahr für den Menschen darstelle. „Eine Ansteckungsgefahr für uns besteht nicht, der Verzehr von Schweinefleisch ist weiterhin unbedenklich“, sagt Meyer. Allerdings appelliert er an Reisende, die aus dem betroffenen Gebiet oder auch aus östlichen Ländern kommen: „Über Schuhe und Kleidung ist eine Infektion möglich. Bitte reinigen Sie diese Dinge gründlich, bevor Sie zur Wanderung in heimatlichen Gefilden aufbrechen.“

Auch Wurstbrote und andere Essensreste dürften nicht in der Landschaft entsorgt werden – denn auch darin könne das Virus überleben und heimische Wildschweine infizieren, betont der Landwirtevorsitzende.

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