Das Hoffest bei Rainer Wehdebrock in Stemwede muss ausfallen
„Erst Corona, dann auch noch Schweinepest“

Stemwede (WB/PG). „Man ist es ja eigentlich schon gewohnt, dass das Jahr 2020 keine gute Zeit für Festlichkeiten ist. Trotzdem fiel es mir schwer, unser Hoffest nach reiflicher Abwägung zu streichen“, erzählt Landwirt Rainer Wehdebrock bei einem Pressetermin auf dem historischen Fachwerk-Bauernhof.

Samstag, 19.09.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 19.09.2020, 06:54 Uhr
Fleischermeister Ralf Engelke (links) und Landwirt Rainer Wehdebrock sprachen über die Auswirkungen von Corona und Schweinepest. Foto: Peter Götz
Fleischermeister Ralf Engelke (links) und Landwirt Rainer Wehdebrock sprachen über die Auswirkungen von Corona und Schweinepest. Foto: Peter Götz

An diesem Sonntag hätte die Aktion, die in den Jahren zuvor stets Massen an Besuchern angezogen hatte, eigentlich veranstaltet werden können. „Die Verantwortung kann ich leider nicht tragen. Auch wenn ich vom Ordnungsamt eine Genehmigung für eine bestimmte Anzahl von Besuchern erhalten hätte, wäre – angesichts der mehr als 1000 Besucher im vergangenen Jahr – der damit verbundene Mehraufwand zur ordnungsgemäßen und sicheren Durchführung erheblich zu hoch gewesen“, sagt Wehdebrock. Zusätzlich kam ein weiteres Problem hinzu: Die Afrikanische Schweinepes t ist in Deutschland angekommen. „Da ist es im Moment wichtiger, meine Schweine da gut durchzubringen“, betont der Landwirt.

Wilde Artgenossen

Im Moment bestehe noch keine unmittelbare Gefahr, da die Tierseuche noch nicht nach Ostwestfalen durchgedrungen sei. Für ihn, Wehdebrock, herrscht aber erhöhte Alarmbereitschaft. Vor allem hinsichtlich seiner Frischluft-Schweine auf der Weide, die eventuell in Kontakt mit infizierten wilden Artgenossen aus dem Hollweder Wald kommen könnten.

„Es gibt bei uns im Gebiet Wildschweine. Gewöhnlich sieht man sie in der Nacht, tagsüber habe ich noch nie welche bemerkt“, berichtet Wehdebrock. „Darum kommt unser gesamter Hausschweine-Wiesenbestand jetzt bei Einbruch der Dunkelheit in den Stall“, beschreibt er seine Vorsichtsmaßnahmen hinsichtlich hinsichtlich der hoch ansteckenden Schweinepest. „Wir stehen mit der hiesigen Jägerschaft in ständiger Verbindung und werden von ihr im Falle eines Fundes erkrankter Wildtiere sofort in Kenntnis gesetzt.“

Auch die Zäune um die Weiden und Außengehege, die die Familie Wehdebrock bereits im vergangenen Jahr vorsorglich verdoppelt hat, haben nochmals eine Verstärkung erhalten. Und so sieht sich der „Bauer aus Leidenschaft“ (O-Ton Wehdebrock) gut aufgestellt, was das Thema Schweinepest betrifft.

Traditionelle landwirtschaftliche Arbeitsweise

Zu Besuch bei Wehdebrocks ist Fleischermeister Ralf Engelke aus Nordel, der das Hoffest traditionell mitgestaltet hat Auch er bedauert den Ausfall, hat aber Verständnis für die Entscheidung. Engelke, der noch eine kleine, handwerkliche Landschlachterei betreibt, möchte nicht klagen, obwohl er durch die Pandemie auch teilweise schwere geschäftliche Einbußen – besonders im Bereich Veranstaltungen und Partyservice – hinnehmen musste. „Da wir auf den Wochenmärkten regional verkaufen, stehen wir im engen Kundenkontakt. Dabei ist auffällig, dass in letzter Zeit viele, besonders auch jüngere Kunden, auf eine natürlich erzeugte und verarbeitete Qualität verstärkt Wert legen“, sagt der Nordeler. „Da sind wir durch die hervorragend dokumentierte traditionell landwirtschaftliche Arbeitsweise von Hof Wehdebrock und unserem Fleischerhandwerk noch ganz gut aufgestellt.“

Im Anbetracht der immer wieder bekannt werdenden Vorkommnisse in den industriellen Großschlachtereien sieht Ralf Engelke einen allmählichen Wandel im Bewusstsein der Verbraucher. „Er wird hoffentlich auch nach der Krise weitere Kreise ziehen“, sagt der Fleischermeister.

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