Coronazahlen bereiten Sorgen – „Im Ton vergriffen“: Mitarbeiter ärgern sich
Krankenhaus verschärft Besucherregeln

Damme/Stemwede(WB). Das Dammer Krankenhaus St. Elisabeth, das auch viele Patienten aus Stemwede und anderen Kommunen des Altkreises Lübbecke behandelt, reagiert auf die steigenden Coronazahlen in der Region. Die Einrichtung hat die Regelung für Besuche geändert.

Donnerstag, 22.10.2020, 03:10 Uhr aktualisiert: 22.10.2020, 03:30 Uhr
Sie wollen das beste für ihre Patienten und bitten darum, dass sich Besucher nicht – wie leider geschehen – in Corona-Zeiten im Ton vergreifen. Foto: Krankenhaus Damme
Sie wollen das beste für ihre Patienten und bitten darum, dass sich Besucher nicht – wie leider geschehen – in Corona-Zeiten im Ton vergreifen. Foto: Krankenhaus Damme

„Grundsätzlich dürfen Patienten während ihres Krankenhausaufenthaltes zurzeit keinen Besuch erhalten“, heißt es aus Damme. „Es ist aber möglich, Wäsche und andere Dinge für den persönlichen Bedarf der Patienten an der Pforte des Krankenhauses abzugeben.“

Besuche nur in Ausnahmefällen

Ausnahmeregelungen gibt es für Schwangere bei der Entbindung und in der Zeit danach sowie Angehörige von Sterbenden und Palliativ-Patienten. Es gelten die Absprachen mit dem behandelnden Arzt, dabei soll die Besuchszeit möglichst auf eine Stunde pro Tag reduziert werden, teilt das Krankenhaus mit.

„Notfallaufnahme-Patienten sollten möglichst ohne Begleitung kommen“, informiert die Klinik. „Das gilt auch für Menschen, die die Ambulanzen besuchen oder zu radiologischen Untersuchungen das Dammer Krankenhaus aufsuchen.“

Ziel der aktualisierten Regelung ist es, die Patienten vor einer Infektion zu schützen, die von Besuchern ins Krankenhaus getragen werden kann.

Bitte um Wertschätzung

Vor kurzem, als der Besuch noch uneingeschränkt möglich war, sah sich das Krankenhaus zu einer ungewöhnlichen Mitteilung genötigt. Es bat in einer öffentlichen Bekanntmachung trotz der angespannten Corona-Situation um Wertschätzung seiner Beschäftigten und um einen guten Umgang miteinander.

„Hintergrund waren vermehrt auftretende Anlässe, bei denen sich einige Besucher gegenüber den Mitarbeitern im Ton vergriffen haben“, stellte das Krankenhaus im Namen aller Mitarbeiter fest.

Weiter hieß es: „In Corona-Zeiten setzt das Dammer Krankenhaus – wie viele andere Einrichtungen dieser Art – Mitarbeiter aus dem Haus im Eingangsbereich ein. Sie unterstützen Besucher und ambulante Patienten beim Einlass und begleiten sie auf die Station und in die Funktionsbereiche.“

Schutz vor Übertragungen

Dabei seien die Mitarbeiter an der Pforte dazu angewiesen, auf die Einhaltung der geltenden Hygiene- und Besuchsrichtlinien zu achten, teilt das Krankenhaus weiter mit.

„Wir machen das, um unsere Patienten vor Übertragungen von draußen zu schützen“, sagt Geschäftsführer Ralf Grieshop. „Allerdings mussten sich die Kollegen „viel gefallen lassen“, ärgert sich der Chef : „Die Besucher vergriffen sich oft im Ton.“ Das sei nicht akzeptabel und überhaupt nicht nachvollziehbar: „Da wollten Mitarbeiter Patienten vor Infektionen schützen und wurden dafür angegangen“, ärgert sich Grieshop.

„Ich wünsche mir einen wertschätzenden Umgang mit meinen Mitarbeitern an der Pforte sowie in den Bereichen und Stationen“, betont der Geschäftsführer. „Sie wollen einfach nur gute Arbeit für die Patienten machen und brauchen hierfür Unterstützung und Verständnis.“

Es gebe bereits Kliniken, die sich gehalten sähen, einen professionelle Wachdienst zu engagieren. Das Dammer Krankenhaus hoffe nicht, dass es jemals genötigt werde, ebenfalls Security einsetzen zu müssen, sagt Geschäftsführer Ralf Grieshop mit Blick in die Zukunft.

Dazu ein Kommentar von Dieter Wehbrink:

„Klar: Bei so manchem Bürger liegen derzeit wegen Corona die Nerven blank. Es ist aber eine Unverschämtheit, wenn in diesen für alle so schwierigen Zeiten einige wenige Zeitgenossen das Personal eines Krankenhauses anmotzen. Wer schon mal in Damme als Patient gelegen hat – und das sind auch sehr viele Menschen aus Stemwede und Umgebung –, der weiß neben der guten Behandlung vor allem die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft des gesamten Personals zu schätzen. Dass das Dammer Krankenhaus in Corona-Zeiten sorgfältig darauf achten muss, dass die Besucherströme im Haus sehr geordnet verlaufen und jetzt sogar stark eingeschränkt werden müssen, dürfte doch klar sein. Daran sollte jeder Bürger selbst ein großes Interesse haben, denn auch er kann jederzeit zum Notfall werden und möchte als Krankenhaus-Patient nicht, dass eine durch uneinsichtige Zeitgenossen durchseuchte Einrichtung sein Leben gefährdet. Deshalb ist es wichtig und im Interesse aller, diese so empfindliche Einrichtung vor dem Virus-Eintrag zu schützen.

Den Beschäftigten kann man nur Mut zusprechen und die Kraft, sich den unverschämten Ton einiger weniger nicht zu Herzen zu nehmen. Der übergroße und dankbare Teil der Bevölkerung weiß jedenfalls genau, was er am Team des Krankenhauses St. Elisabeth in Damme hat.“

 

 

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