Kino ist in Sorge wegen Corona – „Gott, du kannst ein Arsch sein“ ist der Renner
Lichtburg hofft auf Weiterbetrieb

Quernheim/Espelkamp (WB). Harte Zeiten liegen hinter Kinofans und -betreibern gleichermaßen. Noch immer kann von Normalität in den Filmtheatern keine Rede sein. Auch in der Quernheimer Lichtburg gingen Ende März coronabedingt die Lichter aus und der Vorhang blieb geschlossen. Nun läuft der Betrieb zwar wieder und Vorstellungen im Kinosaal sind möglich – im kleinen Rahmen allerdings. Bis gestern, Donnerstagnachmittag, stand außerdem noch nicht fest, ob die Lichtburg angesichts stark gestiegener Corona-Fälle im Landkreis Diepholz erneut mit Einschränkungen oder sogar mit erneuter Schließung rechnen muss. Betreiber Karl-Heinz Meier hoffte am Donnerstagmorgen im Gespräch mit dieser Zeitung, dass sein Kino weiterhin für Filmfans geöffnet bleiben darf.

Freitag, 23.10.2020, 03:10 Uhr
Zwischen den Sitzplätzen müssen die Kinobesucher den Abstand einhalten. Karl-Heinz Meier hofft, dass die verschärfte Corona-Lage im Landkreis Diepholz nicht dazu führt, dass er seine Lichtburg vorerst wieder schließen muss. Foto: Heidun Mühlke
Zwischen den Sitzplätzen müssen die Kinobesucher den Abstand einhalten. Karl-Heinz Meier hofft, dass die verschärfte Corona-Lage im Landkreis Diepholz nicht dazu führt, dass er seine Lichtburg vorerst wieder schließen muss. Foto: Heidun Mühlke

Natürlich mussten bislang die Hygienevorgaben auch im Kino umgesetzt werden, erklärt Meier. „Bis zum Platz müssen die Besucher ihre Maske tragen, sich am Eingang registrieren und natürlich Abstand halten.“ Auch im Kinosaal selbst haben immer Plätze frei zu bleiben, um den Abstand zu gewähren. Dabei sieht Meier das Kino als sicheren Ort an, denn hier werde weder gesprochen, geschweige denn gesungen. Eine gute Lüftungsanlage sorge für zusätzliche Sicherheit, sagte der Quernheimer.

Verunsicherte Kinofans

Dennoch sind Kinofans verunsichert und viele Menschen fürchten sich vor Ansteckung. „Dabei gibt es keine bekannten Fälle, bei denen sich Menschen im Kino oder im Theater mit dem Coronavirus infiziert haben“, betont Meier. Auch er beklagt Einbußen in Höhe von 60 Prozent.

Im Moment jedoch läuft in der Lichtburg sowie im Espelkamper Kino Elite , das Meier ebenfalls betreibt, ein Film, der die Menschen berührt und gleichzeitig begeistert: „Gott, du kannst ein Arsch sein“ . Es sei vor allem der regionale Bezug, der die Menschen scharenweise zu den Vorstellungen locke, weiß Meier. „Allein in Quernheim kamen innerhalb weniger Tage 1500 Kinobesucher.“

Es ist die Geschichte von Stefanie Pape, die im Alter von 15 Jahren die Krebsdiagnose völlig unvorbereitet traf. Sie hat ihren Vater Frank Pape aus Preußisch Oldendorf-Getmold gebeten, ihre Geschichte aufzuschreiben, um anderen jungen Menschen, die an Krebs erkrankt sind, Mut zu machen.

Im geklauten Auto nach Frankreich

Das Buch wurde ein Bestseller und die Verfilmung flimmert seit Anfang Oktober über die großen Leinwände. In den Hauptrollen sind Till Schweiger, Heike Makatsch und Sinje Irslinger zu sehen. Freigegeben ist der Film „Gott, du kannst ein Arsch sein“ ab sechs Jahren. Zum Inhalt: Die Heilungschancen für Stefanie stehen nicht gut, sie hat nicht mal mehr ein Jahr zu leben. Damit fällt auch die Klassenfahrt mit ihren Freunden nach Paris flach. Das mag für ein Mädchen mit dieser Diagnose zwar das kleinste Übel sein, doch hatte sie sich fest vorgenommen, auf der Reise das erste Mal mit ihrem Freund Fabi (Jonas Holdenrieder) zu schlafen.

Ihre Eltern Eva (Heike Makatsch) und Frank (Til Schweiger) hingegen, immer noch auf ein Wunder hoffend, wollen ihre Tochter zu einer Chemotherapie bewegen. Doch Steffi denkt gar nicht daran. Sie reißt aus und lernt dabei den Zirkusjungen Steve (Max Hubacher) kennen, der vor seinem strengen Vater (Jürgen Vogel) flüchtet und sie in einem geklauten Auto mit auf die Reise nach Frankreich nimmt…

Open-Air-Kino

Die legendäre Quernheimer Lichtburg öffnete 1952 erstmals ihre Pforten. „1930 hat mein Vater das Haus gebaut. Zunächst kam ein Wanderspieler an den Wochenenden und zeigte Filme“, erinnert sich Meier. Im Anschluss war Geselligkeit in der dazugehörigen Gaststätte angesagt. „Mein Vater spielte Akkordeon und das zog die Gäste haufenweise an“, erinnert sich der Quernheimer.

Er habe den Kinobetrieb von seinem Vater übernommen und vor 24 Jahren nebenan das Open-Air-Kino errichtet, das in diesem Jahr so gut besucht war wie niemals vorher. Sowieso hat die Lichtburg im Dörfchen Quernheim längst Kultcharakter. Allein schon das Kassenhäuschen sieht aus wie aus den 1950er Jahren. „Das ist auch so unverändert“, sagt Meier. Auch der Samtvorhang vor der Leinwand – alles im Stil der 60er Jahre.

In der Gaststätte trifft ebenfalls die Gegenwart auf die Vergangenheit. Denn wo sonst können Musikboxen noch mit DM-Stücken gefüttert werden? „Die gibt‘s an der Theke zu tauschen“, sagt Meier und freut sich, wenn Elvis Presley auf Knopfdruck seine Songs schmettert.

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