Gespräch mit dem Förster: Stemweder Berg erlebt beispiellosen Aufschwung aber auch Borkenkäferproblem
Zwischen Borkenkäfern und Ausflüglern

Stemwede -

Der Stemweder Berg erfreut sich bei Spaziergängern wachsender Beliebtheit. Der Wald ist aber in Teilen geschädigt.

Freitag, 20.11.2020, 02:00 Uhr
Gespräch mit dem Förster: Stemweder Berg erlebt beispiellosen Aufschwung aber auch Borkenkäferproblem: Zwischen Borkenkäfern und Ausflüglern

In der Corona-Krise hat der Forst im Stemweder Berg einen beispiellosen Aufschwung erlebt. Das Waldgebiet war schon seit jeher beliebt bei Ausflüglern, aber in diesem Jahr haben sich die Besucherzahlen immens gesteigert. Besonders bei schönem Herbstwetter ist der Wald mit seinen Blätterfärbungen populärer denn je. Wanderer, aber auch Sportler, wie Jogger, Nordic Walker und Mountainbiker sind anzutreffen.

Grund genug, dass erholsame Fleckchen Erde einmal unter die Lupe zu nehmen, denn Trockenheit und Borkenkäfer machen den Bäumen arg zu schaffen . Wir waren unterwegs mit Förster Ralf Seipp vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW sowie Friedhelm Kohlwes, Vorsitzender des Forstbetriebsverbandes Wehdem-Westrup.

Besonders die Waldbesitzer befinden sich derzeit in einer katastrophalen Situation. Die Wälder leiden unter dem Wandel des Klimas. Trockenheit hat die Bäume geschwächt - ideale Bedingungen für den Borkenkäfer, der nun leichtes Spiel hat. „Die zurückliegenden trockenen, heißen Sommer haben die Bäume so sehr entkräftet, dass sie sich kaum gegen den Schädling wehren konnten“, erklärt Seipp. Die Folge ist massiver Borkenkäferbefall, insbesondere an Fichten.

Zwar sind die Borkenkäfer nur millimetergroß, aber das riesengroße Heer macht den Wäldern schwer zu schaffen. Der Käfer brütet mindestens dreimal im Jahr und jeder Borkenkäfer produziert so etwa 200.000 Nachfahren im Jahr. Unter der Baumrinde legen die Käfer Gänge an, brüten darin und entziehen dem Baum die Grundlage. Durch den milden Winter überlebten viele Generationen. Das Todesurteil für den Baum steht fest.

„Die Käfer sitzen direkt unter der Rinde und durchtrennen Stück für Stück die Nahrungszufuhr von den Wurzeln bis hin zur Baumkrone“, macht der Förster deutlich. Die Bäume sterben ab. „Wenn das Wasser fehlt, haben die Bäume keine Kraft mehr um den Borkenkäfer abzuwehren“, so Seipp. Normalerweise produzieren die Bäume Harz und übergießen damit die zerstörenden Eindringlinge.

Ganze Regionen im Stemweder Berg sind von dem Borkenkäferbefall betroffen. Abgestorbene Fichten bestimmen das Bild. Innerhalb kürzester Zeit verwandeln die Borkenkäfer tiefgrüne Waldgebiete in Landschaften mit Baumgerippen. Pausenlos sind Waldarbeiter im Einsatz, um betroffene Bäume zu fällen und abzutransportieren.

Für Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer stellt sich die Frage, was mit den abgestorbenen Fichten geschehen soll, denn die Märkte sind überfüllt und die Holzpreise im Keller. „Die Schadholzmengen sind inzwischen viel zu groß und werden von den Sägewerken nicht mehr zur Verarbeitung angenommen“, sagt Friedhelm Kohlwes. Sowieso würden Waldbesitzer nur noch rund ein Drittel für ihr Holz bekommen wie vor drei Jahren. Jetzt müssten sie zusehen, wie der Borkenkäfer in kürzester Zeit alles zerstört, was über Generationen aufgebaut wurde.

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