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Do., 04.02.2016

Kein vorläufiger Baustopp für neue Anlagen Zoff nach Havarie am Windrad

Gondel und Rotorblätter waren in Altenbeken abgestürzt.

Gondel und Rotorblätter waren in Altenbeken abgestürzt. Foto: privat

Paderborn (WB/pic). Der Absturz einer tonnenschweren Gondel samt Rotorblätter aus einer 19 Jahre alten Windkraftanlage am 26. Januar in Neuenbeken hat keinen vorläufigen Baustopp für neue Windkraftanlagen bis zur Klärung der Unfallursachen in Paderborn zur Folge.

Der Stadtrat Paderborn lehnte einen Vorstoß der drei Ratsherren Sascha Pöppe (FDP), Hartmut Hüttemann (FBI) und Johannes Willi Knaup (Alfa) ab, den Neubau von Windkraftanlagen zunächst auf Eis zu legen.

Die Stadt, die nicht einmal Genehmigungsbehörde sei, habe dafür gar keine rechtliche Handhabe, erklärte Technische Beigeordnete Claudia Warnecke. Die Stadt könne auch nicht Windkraftanlagenbetreiber zu außerordentlichen Sicherheitsprüfungen aller Windenergieanlagen verpflichten.

»Populistischer Antrag«

Die drei Ratsherren ernteten nicht nur im Stadtrat Kritik, die Havarie an der Windkraftanlage für einen aus Sicht der Grünen »populistischen Antrag« zu nutzen. Grünen-Ratsherr Dr. Klaus Schröder warf den drei Kommunalpolitikern vor, mit diesem Antrag Windkraftanlagen als Gefahr darstellen zu wollen.

FDP-Fraktionschef Dominic Gundlach distanzierte sich von seinem Fraktionskollegen Sascha Pöppe. Wenn in Paderborn zwei Autos bekannter Marken zusammenstießen, verlange auch kein Politiker eine Überprüfung der Fahrzeugreihe in Stuttgart oder München.

Haftpflichtjahresprämie knapp 90 Euro

Geschäftsführer Johannes Lackmann von der Buker Windkraft GmbH wies am Donnerstag darauf hin, dass bei mittlerweile 400 Windkraftanlagen im Kreis Paderborn bislang sehr wenige Unfälle und auch keine Personenschäden bekannt geworden seien: »Es gibt keinen Grund, dieser Technologie aus populistischen Gründen plötzlich ein hohes Gefahrenpotenzial anzudichten.«

Auch Versicherer stuften Windkraftanlagen als sicher ein. So betrage eine Haftpflichtjahresprämie für eine große Windenergieanlage knapp 90 Euro. Ein Schäferkund koste rund 50 Euro, ein Moped bis zu 70 Euro. Für Kernkraftwerke sei das Risiko so hoch, dass es für sie gar keine Haftpflichtversicherung gebe.

Kommentare

Das ist wohl das Problem unserer "Demokratie"

Was hier im Paderborner Land passiert ist schon kaum noch zu beschreiben. Im Altenautal beispielsweise fallen kaum noch Niederschläge. kein Wunder, da eine Reihe von 200m hohen Riesen eine schöne Barriere gen Westen aufbauen. Wer kommt eigentlich für die fehlenden Niederschläge im Altenautal auf? Hat es überhaupt metereologische Gutachten bei der Errichtung gegeben? Es gibt Bauern, die sagen, kein Problem, die fehlenden Niederschläge gleichen wir ja mit Gülle aus. Da haben wir dann schon die 2 großen Probleme des Paderborner Landes. Das völlig sinnbefreite Genehmigen von Windkraftanlagen und indutsriellen Mastbetrieben ist dermaßen ausgeartet, dass hieraus ein doch recht tiefes grundsätzliches Problem mit unserer Staatsordnung und dem Verständnis einer Demokratie entsteht. In Lichtenau konnten noch 6 von 24 Ratsmitgliedern an der Abstimmung zu der Erweiterung der Windkraftbebauung zustimmen. Das hat nichts mehr mit Demokratie zu tun. Wenn ein Rat dermaßen befangen ist, kann man eigentlich nur noch den Bürger per Volksabstimmung befragen. Ein Herr Dreier verweist die Dahler Bürgerschaft auf den Rechtsweg. Schönen Dank auch. Da zahlt man als Bürger doch gerne Steuern, wenn man sich so gut vertreten fühlt. Das jetzige Vorgehen ist völlig undemokratisch, sowohl auf kommunaler Ebene wie auch deren Initiierung nach einer schlaflosen Nacht und ohne Diskussion im Budestag durch unsere Königin. Wir sind zur absoluten Bananenrepublik verkommen. Es zählt nur noch Kommerz und Lobbyismus. Rechtstaatlichkeit und die vielbeschworene Compliance bei Unternehmern und Investoren bleiben völlig auf der Strecke. Und diese Wahrnehmung, dieser Spirit wird auch von den Menschen der Unternehmen an ihren Arbeitsplatz gebracht. Wie das eine Region nach vorne bringen soll ist mir schleierhaft.

Schönrederei a la Lackmann

Da sollte Herr Lackmann aber mal richtig nachdenken und die Anzahl von abgebrannten und umgefallenen Anlagen, sowie die Unfälle mit Personenschäden von Monteueren (ja, auch diese Zeitung hat von dem abgestürtzten Arbeiter in einem Turm im Asselner Windpark berichtet) zusammenzählen und das in Relation zu der Anzahl der WKA`s setzen. Prozentual gesehen müsste man die WAK`s aufgrund der Gefahren, die von Ihnen ausgehen sofort stillegen. Daher ist es auch völlig unverständlich wenn 200 Meter Anlagen direkt neben einer Bundesstrasse aufgestellt werden. Ich warte auf den Tag, wo dann dort etwas passiert, um dann wieder zu hören : das konnte man ja nicht vorhersehen. Ignoranz lässt grüssen!

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