Mi., 11.07.2018

Carolin Evers (25) aus Altenbeken kratzt mächtig am Bild einer Männerdomäne 330 PS in zarten Händen

Begeisterung für Motorsport oder Tuning ist nicht männlich. Carolin Evers (25) aus Altenbeken ist ein Beweis dafür. Sie selbst hat den VW Scirocco getunt, 330 PS sind jetzt unter der Haube. Vorher waren es 265.

Begeisterung für Motorsport oder Tuning ist nicht männlich. Carolin Evers (25) aus Altenbeken ist ein Beweis dafür. Sie selbst hat den VW Scirocco getunt, 330 PS sind jetzt unter der Haube. Vorher waren es 265. Foto: Liedmann

Von Bernhard Liedmann

Altenbeken (WB). »Nur ein tiefer gelegtes Auto ist ein schönes Auto«, ist Carolin Evers (25) überzeugt. Der VW Scirocco mit seinen 330 PS ist für sie nicht nur ein Hobby, sondern ein Stück Lebensgefühl. Die Altenpflegerin aus Altenbeken ist ein Beleg dafür, dass Tuning und Motorsport keine Männerdomäne und nicht gleichzusetzen sind mit qualmenden Reifen und illegalen Straßenrennen.

»Es ist einfach ein völlig anderer Fahrkomfort und Fahrspaß pur«, beschreibt sie das besondere Gefühl hinter dem Steuer eines getunten und tiefer gelegten Fahrzeugs. Der Scirocco ist bereits ihr viertes Auto, alle Vorgänger wie nach dem ersten VW Lupo die beiden Mini Cooper mit 116 und 250 PS waren ebenso getunt wie auch der Porsche Cayenne, den sie aber »als zu langweilig« empfand: »Der zog keinen Hering vom Teller.«

Vom Papa mit Rennfieber angesteckt worden

Die Liebe zum sportlichen Auto hat sie geerbt. »Mit meinem Vater bin ich schon als Teenager mit dem Motorrad mitgefahren und habe die Formel 1- und DTM-Rennen gesehen«. Während ihr Vater Manta und BMW fuhr, frisierte sie mit 15 eigenhändig ihren ersten Roller und legte später auch Hand an jedes Auto, damit es einmalig wird. In technischen Fragen bietet sie inzwischen auch jedem männlichen Schrauber Paroli.

Das sprichwörtlich einmalige Auto ist es auch, weshalb sie am Wochenende mit ihren Freunden von »Paderszene« am ersten offiziellen Tuner-Treffen in Paderborn teilnahm. »Das Vorführen der Autos, das Bestaunen, das Unterhalten darüber und auch im Stehen mal Gas zu geben, das ist das Besondere«, sagt sie zu den Treffen der Szene, bei denen auch mal ganze Familien mit Kindern einfach nur mal sehen wollen, was man aus einem Auto so machen kann. Das nächste Ziel mit ihrer Gruppe und dem Scirocco ist der Nürburgring, ansonsten ist sie an den Wochenenden bei den Treffen der Szene unterwegs.

»Man steckt in den Wagen viel Herz rein und merkt es besonders dann, wenn man ihn verkauft«, schwingt ein bisschen Wehmut mit, wenn sie an ihre bisherigen Wagen denkt.

Sportlichkeit kennzeichnet auch den Innenraum des Fahrzeugs, mit dem die Besitzerin allerdings nur in der Saison unterwegs ist. Foto: Bernhard Liedmann

Eigentlich sollte es gar kein Scirocco sein, der dem Porsche folgen sollte. »Es musste jedoch auf jeden Fall ein Auto ohne Steuerkette sein, die machen einfach zu viele Probleme«, hatte sie sich vorgenommen. Im Netz stieß sie dann auf den VW aus zweiter Hand in Wuppertal, den sie bei einem Kilometerstand von 59.000 kaufte und anschließend etwa 6500 Euro hineinsteckte. Unter anderem für ein Gewindefahrwerk, ein neues Chiptuning und natürlich für die neue Farbe. Aus den ursprünglichen 265 PS im Original wurden dann 330.

Für den Weg zur Arbeit in Paderborn beim LWL Wohnverbund wird der Scirocco aber nicht gestartet. Da setzt sie sich hinter das Steuer ihres Golf III. Und wenn sie in der ambulanten Altenpflege unterwegs ist, wird der Kleinwagen des Pflegedienstes genutzt.

Mit 300 Stundenkilometern über die Rennpiste

»Gänsehaut pur« verschaffte der Autoliebhaberin vor wenigen Monaten die Reise nach Abu Dhabi, bei der sie mit einem Rennfahrer auf der Formel-1-Strecke im Fahrzeug mit 700 PS und einem Tempo von 300 Stundenkilometern über die Piste jagte. »Das ist einfach eine andere Hausnummer als nur 170 in der Kurve hier«, ist sie auch heute noch von dem Erlebnis begeistert. Damit ging für sie ein Traum in Erfüllung.

Natürlich ist die Begeisterung für sportliche Wagen nicht ganz billig. »Im Monat sind es mit Vollkaskoversicherung und Sprit etwa 550 Euro«, überschlägt sie. Die Kosten sind jedoch vor allem den hohen Versicherungsprämien für solche getunten Fahrzeuge geschuldet, denn einen Unfall hat sie seit ihrem »Führerschein mit 17« noch nicht gehabt. Welchen Stellenwert der schnelle Flitzer für sie hat, ist bei der Fahrer-Frage schnell geklärt: »Den darf nur jemand fahren, dem ich voll vertraue und wenn ich auf dem Beifahrersitz bin«, sagt sie. Und das gilt eigentlich nur für ihren Vater, der selbst einen Audi TT fährt. An den Scirocco darf also kaum jemand ran und eine Waschanlage wird den Sportwagen auch nicht sehen. Die Handwäsche ist für die motorbegeisterte Altenbekenerin keine Frage und eines steht heute bereits für sie fest: »Auch wenn ich mal Kinder haben sollte, ich werde immer einen Sportwagen fahren.«

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