Di., 15.01.2019

Nach mehr als 60 Jahren schließt die kleine Bücherei Buke Ein Stück Buker Dorfkultur ist weg

Die Karteikästen für die Ausleihe wird Sandra Rüther nicht mehr öffnen. Aufgrund der fehlenden Resonanz schließt die kleine Bücherei nach 60 Jahren, bedauern auch Geschäftsführer im Kirchenvorstand Udo Waldhoff (rechts) und Küster Bernhard Rüther.

Die Karteikästen für die Ausleihe wird Sandra Rüther nicht mehr öffnen. Aufgrund der fehlenden Resonanz schließt die kleine Bücherei nach 60 Jahren, bedauern auch Geschäftsführer im Kirchenvorstand Udo Waldhoff (rechts) und Küster Bernhard Rüther. Foto: Bernhard Liedmann

Altenbeken (WB/bel). »Eine Familie mit vier Kindern kam immer mit einer ganzen Wanne voller Bücher vorbei«, erinnert sich Sandra Rüther an »bessere Zeiten«. Jetzt nutzen gerade mal noch ein Dutzend Buker Bürger und Kinder die Pfarrbücherei im Pfarrheim. Aufgrund der geringen Nachfrage macht deshalb nach mehr als 60 Jahren die kleine katholische Bücherei zu.

Vor drei Jahren unternahmen die Ehrenamtlichen mit dem Ehepaar Sandra und Bernhard Rüther nebst Mitarbeiterin Ingrid Dubbi und Udo Waldhoff vom Kirchenvorstand nochmal einen Vorstoß, um vor allem Jugendliche für die Mitarbeit zu gewinnen, doch vergebens. »Es wird einfach weniger gelesen«, sagen Bernhard und Sandra Rüther. Dies sei insbesondere bei Kindern zu verzeichnen, die in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten etwa 75 Prozent der Ausleihen stellten.

Hinzu komme, dass inzwischen auch die Grundschule über eine eigene Bücherei verfügt und Bücher heute in der Regel gekauft würden. So hat sich dann auch die über viele Jahre bestehende enge Kooperation mit dem örtlichen Kindergarten und der Grundschule verflüchtigt.

In Altenbeken gibt es zwei offene Bücherschränke

In Altenbeken gibt es zudem inzwischen auch zwei offene Bücherschränke auf dem Bahnhof und auf dem Marktplatz, die Interessierten zur Verfügung stehen. Alles Gründe, die die Nachfrage an dem Bestand von 2500 Medien mit CDs und Spielen insbesondere für Familien immer schwächer werden ließen. Hinzu komme natürlich auch die verstärkte Nutzung von neue Medien wie beispielsweise die Playstation.

Die Zeiten vor mehr als 15 Jahren, als bis zu 60 Leute regelmäßig zur geöffneten Bibliothek kamen, sind vorbei. »Die Wimmelbücher wurden auf meinem Tisch gar nicht kalt, das waren die absoluten Kracher«, erinnert sich Sandra Rüther an die Zeiten, in denen die Kinder noch regelmäßig die Bücherei besuchten. Der lebhafte Austausch mit den Kindern über die Bücher war für sie auch der ausschlaggebende Grund, zig Stunden der eigenen Freizeit im Jahr für die Bücherei zu opfern.

Die Bücherei war immer auf dem aktuellen Stand

Seit 1995 betreut sie den Bestand, der jedes Jahr für insgesamt etwa 500 Euro aus Mitteln der Kirche und der Gemeinde aktualisiert wird. Ob die Drei Fragezeichen oder der Drache Kokosnuss, die Bücherei blieb trotz ihrer kleinen Größe immer auf dem aktuellen Stand. »Wenn dann die große Büchersendung mit den ganzen Neubestellungen kam, war das ein ganz besonderer Augenblick für mich«, freute sich Rüther auf die dann anstehende Arbeit, wie dem Katalogisieren und Auszeichnen der Bücher mit den Karten. Die Nutzerkartei mit ihren derzeit noch 40 registrierten Familien wurde per Hand geführt. Nur bei Überziehungen fiel eine kleine Gebühr an.

Früher hatte die Bücherei immer nach dem Hochamt am Sonntag ihre Türen geöffnet. Mit dem Einzug der Pfarrverbünde und den pastoralen Räumen ist diese feste Größe des Hochamtes weg und deshalb verlegte man die wöchentliche Öffnungszeit auf den Mittwoch von 18 bis 19 Uhr. Doch auch dies konnte der Bücherei nicht zu einer Renaissance verhelfen. »Eltern und Kinder stimmen halt mit den Füßen ab«, bedauern die Rüthers die Entwicklung. Und damit wird auch ein Stück der dörflichen Kultur für immer verschwinden, bedauert Waldhoff, der auch Ortsvorsteher ist.

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