Mi., 27.02.2019

Polizei reagiert auf Unfallzahlen – mehr Sicherheit für Radler – Starenkasten an B1 »Zwölf Tote sind zuviel«

Landrat Manfred Müller (links) und Jürgen Luig, Leiter des Verkehrskommissariats, machen sich stark für die Radfahrer. Sie halten eine Helmpflicht für sinnvoll, ebenso wie Schwester Gertrud, die Dank Helm bei einem Unfall Glück im Unglück hatte.

Landrat Manfred Müller (links) und Jürgen Luig, Leiter des Verkehrskommissariats, machen sich stark für die Radfahrer. Sie halten eine Helmpflicht für sinnvoll, ebenso wie Schwester Gertrud, die Dank Helm bei einem Unfall Glück im Unglück hatte. Foto: Ingo Schmitz

Von Ingo Schmitz

Paderborn (WB). »Jeden Tag ein Schwerverletzter und jeden Monat ein getöteter Verkehrsteilnehmer. Das ist uns zu viel.« Mit deutlichen Worten hat Landrat Manfred Müller auf die Verkehrsunfallstatistik 2018 reagiert. Zwar gab es im Kreis Paderborn 2018 weniger Unfälle (10.356), dafür deutlich mehr Schwerverletzte (378) und Getötete (12). Die Polizei werde nun intensiv Tempo- und Handyverstöße kontrollieren.

»Der Kontrolldruck wird erhöht«, kündigte Müller verschiedene Maßnahmen an. Über das Jahr verteilt werde es vier Aktionswochen mit unterschiedlichen Schwerpunkten geben.

Tempoverstöße

2018 wurden 14.300 Geschwindigkeitsverstöße registriert. Erstes erkennbares Zeichen für die geplante Offensive des Kreises ist ein neuer sogenannter Starenkasten. Wie Jürgen Luig, 1. Polizeihauptkommissar und Leiter des Verkehrskommissariats, gestern ankündigte, soll dieser bis zum 1. April an der B1 aufgestellt werden. »Der Starenkasten wird zwischen den Abfahrten Diebesweg und Bad Lippspringe in Höhe Marienloh stehen und kann in beide Richtungen blitzen«, erläuterte Müller. In diesem Bereich ende die 2+1-Spur. Es handele sich um einen Unfallhäufungspunkt, erklärte der Landrat.

Ablenkung

Neben überhöhter Geschwindigkeit vor allem auf Land- und Bundesstraßen gibt es ein weiteres Thema, dass die Polizei beschäftigt: Eine Vielzahl von Unfällen geschehe wegen Ablenkung. »In der vergangenen Woche wurde sogar der Fahrer eines Linienbusses mit Handy am Ohr fotografiert«, berichtet Polizeisprecher Michael Biermann. Zur Erinnerung: Wer erwischt wird, zahlt 100 Euro und bekommt einen Punkt in der Verkehrssünderkartei. »Das Thema steht ab sofort stark im Fokus«, betonte Biermann.

Radfahrern

405 Radfahrer sind im vergangenen Jahr auf den Straßen im Kreis Paderborn verunglückt – sieben Prozent mehr als 2017. Davon waren 99 mit einem Pedelec unterwegs (Vorjahr 50). Drei Radfahrer starben, zwei davon waren mit elektrischer Unterstützung unterwegs. Es gab 100 Schwerverletzte, jeder vierte Schwerverletzte sei folglich ein Radfahrer gewesen. Die meisten Fahrradunfälle ereigneten sich im Stadtgebiet Paderborn (262).

Dazu Müller: »Die Bedeutung des Radverkehrs nimmt immer weiter zu und entlastet auch die Straßen.« Allerdings sprach er sich für eine Helmpflicht aus – zumindest für die Nutzer von Pedelecs. Eine der bekanntesten Werbeträgerinnen für Fahrradhelme sei Schwester Maria Gertrud (75), der bei einem Unfall Dank des Helms schwerste Kopfverletzungen erspart geblieben seien, berichtete Müller. Der Landrat plädierte dafür, dass sich die Käufer von Pedelecs, bevor sie das erste Mal starten, mit dem Gerät intensiv vertraut machen. Er sehe da die Fahrradhändler in der Pflicht. Außerdem spricht sich die Polizei dafür aus, Radfahrer in den Straßenraum (Schutzstreifen) zu holen. Denn: Viele Unfälle ereigneten sich auf Radwegen, weil die Autofahrer an Einmündungen die Radler nicht früh genug sehen.

Motorradfahrer

Die Zulassungsstatistik ist eindeutig: Im vergangenen Jahr wurden 30 Prozent mehr Motorräder zugelassen. Das zeigt sich – in Kombination mit dem tollen vergangenen Sommer – auch in der Unfallstatistik. Die Zahl der verunglückten motorisierten Biker ist um 22,6 Prozent auf 163 gestiegen. Vier Personen starben.

Kinder

Die Zahl der verunglückten Kinder ist um 30 auf 125 gesunken. Die Gründe sind unklar. Es gab 19 Schwer- und 106 Leichtverletzte. Auf dem Schulweg waren 13 als Radfahrer, elf im Linienbus (Hövelhof) und neun als Fußgänger unterwegs. Müller: »Das zeigt, dass Kinder meist in ihrer Freizeit verunglücken. Wir werden unsere Verkehrssicherheitsarbeit in den Schulen konsequent fortsetzen, damit sich das auf das sichere Verhalten im Straßenverkehr während der Freizeit auswirkt.« Der Landrat appellierte zudem an die Eltern, die Kinder möglichst per Walking-Bus zur Schule gehen zu lassen. Das habe sich bewährt.

Kampagne

»Pass auf!« heißt der markante Titel einer Kampagne, mit der die Polizei die Verkehrsteilnehmer sensibilisieren will. Die Reaktion der Polizei auf die Unfallzahlen ist folglich der Hinweis: »Wir passen auf!« Die geplanten Schwerpunktkontrollen werden angekündigt.

Hier finden Sie die überregionale Verkehrsunfallstatistik des Landes Nordrhein-Westfalen.

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