So., 07.07.2019

Eisenbahnerdorf zeigt sich beim Viaduktfest von seiner schönsten Seite Altenbeken macht Dampf

Nostalgie pur: Die kohlebefeuerte Schnellzug-Dampflok 01 1075 überquert am Sonntag den Viadukt von Altenbeken.

Nostalgie pur: Die kohlebefeuerte Schnellzug-Dampflok 01 1075 überquert am Sonntag den Viadukt von Altenbeken. Foto: Oliver Schwabe

Von Hanne Hagelgans

Altenbeken (WB). Damit Technik fasziniert, muss sie keineswegs modern sein. Manchmal kommt sie brüllend laut, stinkend und mit einem bezaubernd-nostalgischen Charme daher – und begeistert umso mehr. So wie am Wochenende beim Viaduktfest in Altenbeken.

Alle zwei Jahre macht der Ort seinem Beinamen als Eisenbahnerdorf alle Ehre und feiert die lange Bahn-Tradition, sich selbst und natürlich sein Marken­zeichen, den Viadukt. Und auch diesmal kamen die Gäste von weit her. Da reisten Eisenbahn-Enthusiasten sogar aus Süddeutschland an und bestaunten am Bahnhof gemeinsam mit den Einheimischen, darunter Erzbischof Hans-Josef Becker, die Einfahrt der historischen Dampf-Lokomotiven, die sich das Wochenende über mit vielen Fahrgästen an Bord ein Stelldichein gaben.

Qualmende Kraft­protze können Jahrhunderte überdauern

Wer einen Eindruck davon bekommen wollte, wie es zu Hochzeiten der Industrialisierung in den Straßen von Manchester, Leeds oder Birmingham wohl gerochen haben mag, der war in Altenbeken ebenfalls richtig. Denn nicht nur historische Züge, sondern auch Dampfmaschinen gab es in Aktion zu erleben.

Dass die qualmenden Kraft­protze so gut wie unzerstörbar sind und Jahrhunderte überdauern können, weiß Holger Teetz. Er war mit seiner 1896 im englischen Leeds gebauten Dampfwalze aus Straelen am Niederrhein nach ­Altenbeken gekommen. Unermüdlich schaufelte er Kohlen nach, um das dicke, ratternde Schätzchen in Betrieb zu halten.

An zahlreichen Ständen boten Händler jedes nur denkbare Zubehör

Die Firma Fowler habe die Walze nach Magdeburg verkauft, wo sie im Straßenbau eingesetzt worden sei, erzählte er, während er schippte. 1940 wurde sie ausgemustert und fristete lange ein Dasein im Abseits, bis sie Jahrzehnte später ein Sammler entdeckte und restaurierte.

Sammler ganz anderer Art, die sich mehr für die kleine und fili­grane Technik begeistern können, kamen ebenso auf ihre Kosten. Denn an zahlreichen Ständen boten Händler aus dem ganzen Bundesgebiet jedes nur denkbare Zubehör rund um Modellbahnen an.

Loks, Waggons, Schienen, Weichen, Trafos und kleine Häuser für Sammler

Mit zwei Wiking-Modellautos habe bei ihm schon in der Kindheit alles angefangen, erzählte Alexander Jonas aus Berlin. Einmal mit dem Modell-Virus infiziert, ist er heute an fast jedem Wochenende auf einem Markt irgendwo in Deutschland zu finden. Auf Verkaufstischen vor seinem Wohnwagen hatte er Loks, Waggons, Schienen, Weichen, Trafos, kleine Häuser und winzige Bäume für Sammler und Schnäppchenjäger ausgebreitet. »Beide Systeme«, also Gleich- und Wechselstrom, habe er im Angebot und auch viele Artikel, die so schon längst nicht mehr im Handel zu bekommen seien, erzählte er.

Dass Modelleisenbahnen als Spielzeug für kleine Kinder nur sehr bedingt taugen, haben wohl so manche Väter und Opas schon festgestellt. Doch die etwas größeren Gartenbahnen, die Sammler auf einer Grünfläche ihre Runden drehen ließen, faszinierten auch schon die jüngsten Besucher des Viaduktfestes – wenn das Anfassen allerdings auch streng verboten war. Aus gutem Grund: Besonders die selteneren Loks und Waggons bringen es leicht auf einen Wert von mehreren hundert Euro.

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