Di., 10.09.2019

Gedenkstein für Absturzopfer in Altenbeken – Naturschutz und Borkenkäfer schränkten Standort ein Erinnerung und Mahnung

Am Gedenkstein auf dem Rehberg legte US-Generalkonsulin Fiona Evans mit dem Landtagsabgeordneten Bernhard Hoppe-Biermeyer und Altenbekens Bürgermeister Hans Jürgen Wessels (vorne) einen Blumenstrauß nieder.

Am Gedenkstein auf dem Rehberg legte US-Generalkonsulin Fiona Evans mit dem Landtagsabgeordneten Bernhard Hoppe-Biermeyer und Altenbekens Bürgermeister Hans Jürgen Wessels (vorne) einen Blumenstrauß nieder.

Von Bernhard Liedmann

Altenbeken (WB). »Geste der Freundschaft« und zugleich eine Erinnerung an das dunkelste Kapitel der Deutschen Geschichte. Ein Gedenkstein am Rehberg in Altenbeken erinnert jetzt an den Absturz eines amerikanischen Transportflugzeugs zu Kriegsende. An der feierlichen Übergabe nahm auch die US-Generalkonsulin Fiona Evans teil.

Anlass war das zehnjährige Bestehen des Altenbekener Heimat- und Geschichtsvereins (HGV), der das Jubiläum zur Verwirklichung eines Projektes der Erinnerungskultur nutzen wollte. Am 13. April 1945 war auf dem Rehberg eine amerikanische Transportmaschine aufgrund der Witterungsverhältnisse abgestützt, die auf dem Flug nach Hildesheim war. Auf dem Rückweg sollte sie Verwundete mitnehmen, deshalb war auch eine Krankenschwester an Bord. Beim Absturz kamen fünf der sechs Besatzungsmitglieder ums Leben (wir berichteten am 3. September).

Bei der feierlichen Übergabe des Gedenksteins am Sonntag erinnerte der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins, Prof. Hans Walter Wichert, daran, dass das Flugzeug im humanitären Einsatz unterwegs gewesen sei. Der Geschichtsverein habe intensiv die Geschichte des Fluges und Absturzes erforscht und hätte auch gerne zum Jahrestag im April den Gedenkstein enthüllt. Doch Borkenkäfer und Naturschutz hätten dies verhindert. An der Absturzstelle im Wald seien im Frühjahr umfangreiche Forstarbeiten zur Beseitigung der Borkenkäfer-Schäden erforderlich gewesen, und auf der anderen Seite des Geländes am eigentlichen Absturzort hätte das geltende FFH-Schutzgebiet jeglichen Eingriff untersagt. So erinnert jetzt der Stein mit Tafel nahe der Rehberghütte etwa 300 Meter von der Absturzstelle entfernt an die damalige Tragödie. Wichert führte aus, dass der Kontakt mit der amerikanischen Botschaft zur Erforschung der Hintergründe des Absturzes überaus freundlich und als Geste der Freundschaft empfunden wurde. Deshalb freue er sich, dass die Generalkonsulin an diesem Festakt persönlich teilnehme, zumal sie auch familiäre Wurzeln im Paderborner Raum habe.

Die Botschafterin dankte dem Verein für diese besondere Geste eines Ehrenmals für die fünf US-Amerikaner. Erinnerung an die Geschichte werde immer wichtiger, da auch die Zeitzeugen rarer würden. Die enge Partnerschaft zwischen beiden Staaten hätte Frieden und Sicherheit gebracht. Wichtige Werte, an die gerade in einer Zeit eines aufkommenden Extremismus’ erinnert werden müsse.

Nur aus der Geschichte heraus könne man die Gegenwart verstehen, führte Bürgermeister Hans Jürgen Wessels in seiner Ansprache aus. Die Geschichte der Jahre 1933 bis 1945 habe Deutschland traumatisiert und anschließend das Bewusstsein Deutschlands dauerhaft geprägt. Dann könne man auch verstehen, warum Deutschland in der Gegenwart sich lieber in der Entwicklungshilfe engagiere statt militärisches Engagement zu zeigen. Man brauche die Erinnerung an die Geschichte, und auch in Altenbeken würden die Facetten dieser Geschichte deutlich. So durch den Gedenkstein beim eingestürzten Stollen nach einem Bombenangriff, das Erinnern an die ermordete Familie jüdischen Glaubens oder auch durch den Blindgänger an der Alten Kirche. Mit dem Gedenkstein für die Absturzopfer habe man nun eine weitere Facette der Erinnerung. Nach kurzen Ansprachen von Hermann Striewe für den Kreis Paderborn und vom heimischen Landtagsabgeordneten Bernhard Hoppe-Biermeyer führte zum Abschluss Historiker Norbert Ellermann vom Kreismuseum Wewelsburg noch Details zur Geschichte des Absturzes aus.

Nach der feierlichen Enthüllung des Gedenksteins und Kranzniederlegung besichtigten die Teilnehmer mit der Botschafterin noch den Schauplatz der damaligen Tragödie.

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