Di., 26.11.2019

Vor 75 Jahren fielen die ersten Bomben auf den Altenbekener Viadukt Auferstanden aus Ruinen

Denkmal und 166 Jahre alt: Die 482 Meter lange Viaduktbrücke wurde vor genau 75 Jahren zerstört. Heute ist sie nicht nur ein berühmtes Wahrzeichen, sondern erfüllt auch die technischen Anforderungen an den Bahnverkehr auf zentralen Strecken.

Denkmal und 166 Jahre alt: Die 482 Meter lange Viaduktbrücke wurde vor genau 75 Jahren zerstört. Heute ist sie nicht nur ein berühmtes Wahrzeichen, sondern erfüllt auch die technischen Anforderungen an den Bahnverkehr auf zentralen Strecken. Foto: Jörn Hannemann

Altenbeken (WB/ko/bel). Vor 75 Jahren am 26. November 1944, 11.37 Uhr: Ein Verband von 118 Bomber vom Typ B-17 und B-24 greift um 11.37 Uhr den Viadukt in Altenbeken an. 693 Sprengbomben mit einem Gewicht von 454 Kilogramm werden bis 11.56 Uhr abgeworfen. Dieser Angriff fordert neun Tote, große Teile des Viaduktes und auch des Dorfes werden zerstört.

Gegen Ende des Krieges nehmen Fliegerverbände Altenbeken aufgrund der strategisch wichtigen Eisenbahnbrücke und des Bahnknotenpunktes verstärkt ins Visier. Bei dem Angriff vor 75 Jahren muss der große Viadukt schwere Treffer hinnehmen. Unter anderem werden vier Pfeiler und mehrere Gewölbebrücken zerstört. In den 19 Minuten des Angriffs werden rund um die Brücke im so genannten Unterdorf zwölf Wohnhäuser und Wirtschaftsgebäude völlig zerstört, 43 weitere Gebäude schwer und 32 leicht beschädigt. 27 Wohnhäuser waren nicht mehr bewohnbar. 71 Familien mit insgesamt 324 Männern, Frauen und Kindern müssen in das »Oberdorf« umquartiert werden. Es ist der erste direkte Angriff auf diesen empfindlichen Punkt der strategisch wichtigen Ost-West-Verbindung.

Ortsheimatpfleger Rudolf Koch hat Details ausführlich aufgearbeitet

Zwar werden sofort nach dem Angriff 200 Arbeiter in kräftezehrender Tag- und Nachtarbeit zur behelfsmäßigen Wiederherstellung der Brücke eingeteilt, doch nur wenige Tage später folgt ein zweiter Angriff mit 144 Maschinen vom Typ B-24. Bei diesem Angriff, so Altenbekens Ortsheimatpfleger Rudolf Koch, sterben 22 Menschen und mehr als 75 werden schwer verletzt. Zerstört werden bei den beiden Angriffen auch viele der zur Abwehr von Angriffen errichteten Flak-Stellungen rund um die Brücke. Koch hat die Details der Kriegszeit in seinem Buch »Altenbeken und der Viadukt im Bombenhagel« ausführlich aufgearbeitet.

Auch die zweite Bombardierung sorgt für weitere Schäden an Europas größter Kalksandsteinbrücke aus dem Jahr 1853. Nach diesem Angriff arbeiten 350 Fachleute und zwei Abkommandierte Stahlbauzüge daran, die Lücke in dieser bedeutenden Eisenbahnlinie schnellstmöglich zu schließen.

Zwei Wochen nach erstem Angriff eingleisig befahrbar

Zwei Wochen nach dem ersten Angriff ist die Brücke mit einer behelfsmäßigen Stahlkonstruktion eingleisig wieder befahrbar. Zu dieser Zeit passieren täglich mehr als 300 Züge den Viadukt, so die Forschungsergebnisse von Karl Fischer. Weitere Angriffe auf Altenbeken und den Viadukt folgen, der letzte Luftangriff wird am 30. März 1945 geflogen. Zu Kriegende ist der Viadukt zerstört.

Nach dem Angriff am 26. November 1944 sind vier Pfeiler und mehrere Gewölbebögen zerstört. Foto: Rudolf Koch

Bis jedoch das WESTFÄLISCHE VOLKSBLATT in seiner Ausgabe am 12. September 1950 verkünden kann »Der große Viadukt bei Altenbeken ist nun wieder voll instandgesetzt. Vor einigen Tagen fielen die letzten Gerüste und gaben den Blick frei auf die formschöne Führung dieses gewaltigen Zweckbaues frei« muss die Brückenkonstruktion in Etappen wieder aufgebaut werden. Bereits im Herbst 1945 verlangt die Militärregierung die schnelle Wiederherstellung für den eingleisigen Betrieb. Bereits am 2. Mai 1946 können zwei fahrplanmäßige Züge die Brücke überqueren.

Vorausgegangen war ein spektakulärer Belastungstest der Brücke am 30. April 1946: Zwei 44er Loks mit einem Gesamtgewicht von 338 Tonnen testen im Schritttempo die Tragfähigkeit der Behelfskonstruktion. Heute entspricht die 166 Jahre alte Viaduktbrücke den Anforderungen an zentrale Strecken der deutschen Bahn. Sie hat die Streckenklasse D4 und damit eine Lastfähigkeit von acht Tonnen pro Meter. Über sie können Waggons mit einer Achslast von 22,5 Tonnen rollen.

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