Do., 16.01.2020

Pfleger (60) soll sich in Altenbeken an dementer Frau (69) vergangen haben Missbrauch im Seniorenheim

Das Altenheim in Altenbeken.

Das Altenheim in Altenbeken. Foto: Oliver Schwabe

Von Christian Althoff

Altenbeken (WB). Ein Pfleger (60) soll in einem Altenheim in Altenbeken während der Nachtwache eine demente Bewohnerin (69) missbraucht haben. Staatsanwaltschaft Paderborn und Polizei ermitteln wegen des Verdachts eines sexuellen Übergriffs. „Hinweise auf eine Vergewaltigung haben wir nicht“, sagt Polizeisprecher Michael Biermann. Es gebe keinen Grund für einen Haftbefehl.

„Wir sind erschüttert. Was da passiert ist, tut uns unendlich leid“, sagt Annette Hummel. Sie steht der Paderborner „Stiftung Reichsbund freier Schwestern“ vor, die Seniorenheime in Altenbeken, Lage, Gütersloh, Rinteln, Bergkamen, Lüdenscheid und Neustadt betreibt.

Zur Tat soll es Anfang Januar auf der Pflegestation gekommen sein. „Zwei Pflegerinnen haben ihren Kollegen im Zimmer der Patientin in fla­granti erwischt.“ Der Mann habe den Missbrauch sofort zugegeben. „Wir haben die Polizei gerufen, die ihn mitgenommen hat“, sagt Annette Hummel. Man habe dem Pfleger Hausverbot erteilt, und er habe zwei Tage später gekündigt. Auch den Kreis Paderborn als Heimaufsicht habe die Stiftung informiert. „Ich hoffe, dass die Heimaufsicht ein Berufsverbot durchsetzt. Es kann ja nicht sein, dass der Mann jetzt irgendwo die nächste Stelle antritt“, sagt die Stiftungsvorsitzende.

„Nie irgendwelche Auffälligkeiten“

Nach ihren Angaben hat der Pfleger 17 Jahre in dem Altenheim gearbeitet. „Es hat nie irgendwelche Auffälligkeiten gegeben.“ Ob auch andere Frauen missbraucht geworden seien, könne sie nicht sagen. „Es hat sich zumindest kein weiteres mutmaßliches Opfer gemeldet.“ Auch der Kripo sind bisher keine anderen Fälle bekannt. „Die Ermittlungen laufen noch“, sagt Polizeisprecher Biermann.

Verschiedenen Studien zufolge werden 0,6 bis 2,2 Prozent der über 60-Jährigen Opfer sexueller Gewalt, doch die meisten zeigen die Taten nicht an – erst recht, wenn sie, wie in einem Heim, abhängig sind. Die Stiftung „Zentrum für Qualität in der Pflege“ schrieb 2017 in ihrem Report „Gewaltprävention in der Pflege“, Opferschutzorganisationen zufolge zeigten nur sieben Prozent der über 60-Jährigen Missbrauchsopfer die Tat an. Die Kriminalstatistik für NRW weist für 2018 insgesamt 165 Strafanzeigen wegen Sexualdelikten aus, bei denen die Opfer zwischen 70 und 90 Jahren alt waren.

Strafgesetz

Der Vorwurf des sexuellen Übergriffs, der dem Altenpfleger gemacht wird, ist vom Strafgesetz mit sechs Monaten bis zu fünf Jahren Haft bedroht. Das Gesetz sieht allerdings eine Mindeststrafe von einem Jahr vor, wenn die Unfähigkeit des Opfers, einen Willen zu bilden oder zu äußern, auf einer Krankheit oder Behinderung beruht oder der Täter eine Lage ausnutzt, in der das Opfer ihm schutzlos ausgeliefert ist.

Die „Stiftung Reichsbund freier Schwestern“ will ihre Pflegekräfte jetzt von einem Experten schulen lassen, damit Hinweise auf Missbrauch vielleicht eher erkannt werden.

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