Di., 28.01.2020

Rouven Kreienmeier aus Altenbeken schießt auch Fotos Junge Jäger im Internet-Revier

Sein Revier ist nicht nur im Eggegebirge, sondern auch in den Sozialen Medien: Rouven Kreienmeier aus Altenbeken.

Sein Revier ist nicht nur im Eggegebirge, sondern auch in den Sozialen Medien: Rouven Kreienmeier aus Altenbeken. Foto: dpa

Von Florentine Dame

Altenbeken/Dortmund (dpa). Jagdhornblasen und Trachtenmode – so traditionell kann es bei der Jagd zugehen. Doch es gibt auch eine junge Jäger-Generation. Die zeichnen als Influencer bei Youtube oder Instagram ein ganz anderes Bild. Und ecken damit durchaus an.

Eine Rotte Wildschweine flitzt durchs Bild. Behandschuhte Finger schieben Patronen in einen Gewehrlauf. Es kracht ein Schuss. Rouven Kreienmeier ist auf Jagd. Und daran lässt er im Netz Tausende Follower teilhaben. Fast 13.000 haben seinen Youtube-Kanal „Jagen NRW“ abonniert oder folgen ihm bei Instagram.

Der 26-Jährige hat es nicht nur auf Rehe und Frischlinge abgesehen, in seinem Heimatrevier im Eggegebirge bei Paderborn jagt er auch den perfekten Bildern hinterher, die seine Leidenschaft repräsentieren sollen: der Blick ei­nes Rehs direkt in seine Kamera, Drohnenflüge über wolkenverhangene Baumwipfel, das erlegte Tier im Herbstlaub.

Die Jagd zeigen, wie sie ist

„Ich will die Jagd zeigen, wie sie ist“, sagt Kreienmeier. Ein Satz, der immer wieder fällt, spricht man mit Mitstreitern der inzwischen regen Jagdbloggerszene. Von heute an treffen etliche Vertreter dieser jungen Jägergeneration auf Europas größter Jagdmesse zusammen: Die „Jagd und Hund“ in Dortmund hat den internetaffinen Jagdbotschaftern dort ein eigenes „Social Media Revier“ eingerichtet.

Den Themen Wild, Wald und Waidmannsheil widmen sich längst etliche Instagram- und Facebook-Accounts sowie Youtube-Kanäle: Jägerinnen mit geröteten Wangen zeigen dort, dass das Hobby keine Männerdomäne ist. Kernige Jungs zeigen im Tutorial, wie man ein Stück Wild zerlegt. Mit fast 100.000 Followern betreiben die „Hunter Brothers“ aus Mecklenburg-Vorpommern den wohl erfolgreichsten deutschen Youtube-Kanal für Jagdfilme. Der Renner sind etwa ihre Clips über „Weizenschweine“: Dabei pirschen sie durch Weizenfelder und erlegen Schwarzwild – drei Millionen Aufrufe gab’s dafür in nur einem Jahr.

Wer im Netz eine Zielgruppe erreicht, wird auch für Marken interessant. Viele mittelständische Un­ternehmen für Ausrüstung oder Jägermode seien gerade erst dabei, das Netz als Werbeplattform zu erschließen, sagt Lars Kruse. Er ist Inhaber der Agentur Outfluence, die Unternehmen aus dem Outdoor-Bereich mit passenden Influencern zusammenbringt – ein Teil davon sind Jäger. Die jagende Szene sei klein, aber in ihrer Wirkung sehr punktgenau, sagt Kruse. Nämlich dort, wo junge Jagdneulinge ihre Erstausstattung brauchen.

„Jagd ist immer auch ein heikles Thema“

Und doch gibt es gewaltige Unterschiede, wenn man als Modequeen Lippenstifte anpreist oder als Jungjäger für Munition wirbt: Man kann anecken, mit dem was man tut. „Jagd ist immer auch ein heikles Thema“, sagt Kruse. Tote Tiere, Waffeneinsatz – all das mache Jäger zum regelmäßig attackierten Ziel der Hass- und Schmähkommentare von Jagdgegnern. Es komme sehr darauf an, drastische Bilder zu meiden.

Auch der Deutsche Jagdverband (DJV) hat erkannt, dass nachwachsende Generationen von Jägern im Netz zu begeistern sind und ist dort selbst aktiv. Doch die Bildwelten können auch ein Fluch sein, wie DJV-Sprecher Torsten Reinwald berichtet. Unter dem Stichwort „Waidgerechtigkeit 2.0“, also der Übertragung des tradierten Ehrenkodex’ der Jäger in das Internetzeitalter, hat der DJV deswegen Leitlinien entwickelt, die Social-Media-Jäger zur Vorsicht mahnen: Würde ich das, was ich hochlade, auch einem Nicht-Jäger, beim Frühstück zeigen?

Die Jagd transparenter machen

Für Kreienmeier ist es kein Tabu zu zeigen, was passiert: Der Mensch tötet ein Tier. „Aber mit höchster Professionalität, ethisch korrekt und gesetzeskonform und immer mit Kontext“, sagt er. „Jagd hat in unserer Kulturlandschaft einen Zweck, das muss ich auch erklären“, sagt er, Wildbestände eindämmen, Tiere verwerten zum Beispiel. „Die Kugel kommt für das Tier unvorbereitet. Wer Fleisch essen will, der kann das in Kauf nehmen. Das ist allemal besser als Massentierhaltung.“

Kreienmeier möchte als Jagdfilmemacher sein Geld verdienen – sein Influencer-Auftritt ist bereits wichtiges Standbein. Er sei froh, dass so viele Jäger im Internet für ihre Jagdleidenschaft einstehen: „Die Jagd hat sich früher mehr versteckt, so dass Außenstehende das Gefühl bekommen konnten, da läuft vielleicht was schief. Die Jagd wird durch Soziale Medien transparenter“, sagt er. Kreienmeier: „Dafür müssen wir dann manchmal auch selbst mehr reflektieren und erklären.“

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7222367?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2851060%2F